Trump droht Grönland, Tajani preist Mercosur – und Zypern ist soo schön!

Die Watchlist EUropa vom 08. Januar 2026 – Heute mit Nachrichten und Analysen zur imperialen US-Außenpolitik und der überholten Bedrohungsanalyse der EU, zum Schwenk Italiens im Freihandel und zum neuen Ratsvorsitz und seinen Vorzügen.

Kurz nach Beginn der russischen Invasion in die Ukraine, im März 2022, hat die EU ihren “strategischen Kompass” vorgelegt. Die neue außenpolitische Doktrin sollte Orientierung bis 2030 geben – doch sie ist jetzt schon überholt.

Als größte Bedrohung wurde damals – wenig verwunderlich – Russland bezeichnet. Statt auf “Soft Power” und Friedenssicherung setzte die EU fortan auf die militärische Sicherheit und Verteidigung (“Hard Power”) sowie den Schutz wichtiger Handelsrouten.

Vier Jahre später stellt sich heraus, daß nicht Russland die maritimen Handelsrouten bedroht – sondern die USA. Am Mittwoch hat das US-Militär einen Tanker auf dem Nordatlantik gekapert, weil er angeblich US-Sanktionen gegen Venezuela unterlaufen hat.

USA als neue Gefahr für die EU

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Und es ist auch nicht Russland, das die territoriale Integrität der EU gefährdet, wie nach dem Angriff auf die Ukraine vermutet worden war – sondern die USA. Dies haben die jüngsten Drohungen von US-Präsident Trump gegenüber Grönland und dem EU-Mitglied Dänemark gezeigt. 

“Selbstverständlich steht dem Oberbefehlshaber der Einsatz des US-Militärs jederzeit als Option zur Verfügung”, erklärte Trumps Sprecherin Leavitt zu den imperialen Gelüsten in Grönland. Zur Not könnten die USA die Insel kurzerhand besetzen und den Nato-Partner Dänemark übergehen. 

Natürlich haben die USA auch andere Optionen, um sich Grönland anzueignen. Sie können wirtschaftlichen Druck einsetzen, sie können ihre Präsenz auf den Nato-Stützpunkten hochfahren, und sie könnten die Insel sogar schlicht kaufen, wie Außenminister Rubio angedeutet hat.

Fest steht jedoch, daß sie es ernst meinen – und daß sie die EU wieder einmal kalt erwischt haben. Die EUropäer sind von Kopf bis Fuß auf die angebliche russische Bedrohung eingestellt und wirken wie gelähmt. Ihr strategischer Kompass hat sie in die Irre geführt!

A possible US intervention in Greenland is the biggest source of risk to the transatlantic alliance and intra-NATO and intra-EU cohesion, arguably far greater than those presented by Russia’s invasion of UkraineMujtaba Rahman, Eurasia Group
 

EU macht Business as usual

Doch statt die überholte Bedrohungsanalyse zu revidieren und in den Krisenmodus zu schalten, macht die EU Business as usual. Die EU-Kommission ist nach Zypern gereist, um den neuen Ratsvorsitz zu feiern (siehe unten). Trumps Drohungen waren kein Thema.

Deutschland, Frankreich und UK trafen sich zum Gipfel in Paris, um Garantien für die Ukraine festzuklopfen. Am Rande haben sie dabei zwar auch über Grönland geredet – doch die gemeinsame Erklärung ist ein Dokument der Hilflosigkeit. Gegenwehr? Fehlanzeige!

Derweil fordert Litauen ein härteres Vorgehen gegen die russische “Schattenflotte” in der Ostsee. Der amerikanische Akt der Piraterie im Nordatlantik ist für die Balten offenbar kein abschreckendes Beispiel, sondern ein nachahmenswertes Vorbild…

Mein Fazit: Die EU-Führung ähnelt einem Tanker, der ohne Kompass orientierungslos im Weltmeer der Geopolitik treibt. Statt sich auf die Rettung ihrer eigenen Mitglieder zu konzentrieren, tut sie alles für die Ukraine – und dafür, daß Trump wenigstens hier an “Bord” bleibt. Dabei setzen sich die USA immer mehr ab, zuletzt auch bei den Sicherheitsgarantien … 

News & Updates

Das Letzte

Zypern ist soo schön! Das sagte EU-Chefin von der Leyen zum offiziellen Start der EU-Ratspräsidentschaft, die bis Ende Juni in Zypern liegt. Hier ihre ersten Worte: “Ich freue mich, wieder in Zypern zu sein. Einem Land mit mehr als 300 Sonnentagen im Jahr. Einem Land von außergewöhnlicher Schönheit, und damit der perfekte Geburtsort für Aphrodite. Heute sind Sie ein stolzes europäisches Land mit einer florierenden Wirtschaft und einer Gesellschaft, die entschlossen in die Zukunft blickt. Das erleben wir hier in Nikosia, einem der europaweit am schnellsten wachsenden Zentren für Technologie-Start-ups. Hier entwickeln KI-Innovatoren die Technologien von morgen, in unmittelbarer Nachbarschaft zu byzantinischen Kirchen. Zypern zeigt die Sonnenseiten Europas, unsere Fähigkeit, Tradition mit Innovation zu verknüpfen und bei der Gestaltung unserer Zukunft Kraft aus unserer Geschichte zu schöpfen. Es ist der perfekte Ort, um in diesen neuen Ratsvorsitz zu starten.”Daß Zypern entgegen der Hoffnungen beim EU-Beitritt 2004 immer noch geteilt ist und unter einer massiven Flüchtlingskrise leidet, erwähnte sie nur am Rande…