Trotz Brexit: UK soll Europa retten – meint Macron
Versagen die EU und die Nato, ist Deutschland zu schwach? Wer Frankreichs Staatschef Macron zuhört, könnte dies glauben.
Bei einem Staatsbesuch in London – dem ersten seit dem Brexit – erklärte Macron, Frankreich und das UK müssten gemeinsam Europa retten, ähnlich wie im 1. Weltkrieg.
„Das Vereinigte Königreich und Frankreich müssen der Welt erneut zeigen, dass unser Bündnis den entscheidenden Unterschied machen kann“, sagte Macron. „Wir werden Europa durch unser Beispiel und unsere Solidarität retten.“
Das ist erstaunlich. Denn zum einen hat Großbritannien seit dem Brexit nicht mehr viel in Europa zu melden. Der Austritt aus der EU hat es international geschwächt.
Zum anderen klingen Macrons Worte so, als würden die EU und die Nato versagen. Auch Deutschland traut er offenbar nicht viel zu – dabei will Kanzler Merz doch die EU führen.
Und was ist eigentlich aus dem deutsch-französischen “Motor” geworden? Wollte Merz ihn nicht wiederbeleben – zusammen mit Macron? Doch der hat offenbar andere Pläne…
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european
9. Juli 2025 @ 12:28
Eigentlich ist es voellig egal, ob Starmer, Macron oder Merz hier agieren. Europa hat sich zu einer Ansammlung sinkender Schiffe entwickelt und lebt in der Illusion dass aus mehreren Kranken ein Gesunder hervorgehen wird. Macron befindet sich dabei in einer Sonderposition. Er kann sowieso nicht wiedergewaehlt werden und aktuell fuehrt der Kandidat des RN ziemlich deutlich
https://en.wikipedia.org/wiki/Opinion_polling_for_the_2027_French_presidential_election
In UK gibt es in 2026 die naechsten Wahlen und man wird sehen, ob Starmer sich gegen den aufstrebenden Farage durchsetzen wird. Aktuell wirkt er alles andere als stabil. Labour und Conservatives im Sinkflug, Reform UK im Steigflug.
https://en.wikipedia.org/wiki/Opinion_polling_for_the_next_United_Kingdom_general_election
Tja und Merz????
Der Wahlpruefungsausschuss hat sich gerade erst konstituiert. Man wird sehen, ob eine Neuauszaehlung zugelassen wird. Man darf es bezweifeln, denn dieser Ausschuss ist nicht neutral und die Mitglieder wuerden sich selber schaden, wenn sie diesem Ansinnen stattgeben wuerden. Dann bleibt immer noch das Bundesverfassungsgericht.
Man wird sehen.
Starmer’s Popularitaetsranking liegt bei 27%, das von Farage bei 37% lt YouGov.
KK
9. Juli 2025 @ 16:23
Gründet Jeremy Corbyn nicht zusammen mit Zarah Sultana gerade eine neue linke Partei in UK, während Labour sich unter Starmer vollends zerlegt – ähnlich wie die deutsche SPD unter Klingbeil?
Der Skeptiker
9. Juli 2025 @ 11:28
Man will die Briten zurückgewinnen, damit EUropa künftig überhaupt noch geopolitisch eine Rolle spielt. Man übernimmt so das Spiel der Briten, ihrer Eliten und des MI6, überall in der Welt zu zündeln und Kriege Anzugzetteln. Nur weil man jemand sein will und mit dem Bedeutungsverlust nicht klarkommt. Was gewinnt man damit? Die Finanzelite gewinnt, alle anderen verlieren.
Guido B.
9. Juli 2025 @ 12:09
UK schert sich einen Dreck um EUropa. Es klammert sich verzweifelt an seine größte Kolonie.
Die EU ist eine Schönwetter-Organisation, die ihre geopolitische Bedeutung maßlos überschätzt. Sie ist so schwach, dass sie ihr Heil in Autokratismus, aggressiver Expansion und Krieg mit Russland und China suchen muss. Sie ist jetzt schon völlig überfordert und wird an den eigenen Ambitionen zugrunde gehen. Übrig bleiben zerstrittene Natioalstaaten, die wie das UK nur ihre eigenen Interessen verfolgen.
Der Westen hat fertig. Zu viele Dumpfbacken und Nostalgiker unterwegs, die von den guten alten Kolonialzeiten träumen. Die Zukunft gehört Asien. EUropa kann den Niedergang nur verlangsamen, aber nicht mehr aufhalten. Mit diesen Eliten wird der Untergang zwangsläufig beschleunigt.
KK
9. Juli 2025 @ 16:25
“Sie ist so schwach, dass sie ihr Heil in Autokratismus, aggressiver Expansion und Krieg mit Russland und China suchen muss.”
…und dort zwangsläufig nur ihr Unheil finden wird!
Titi
9. Juli 2025 @ 10:57
Sowohl Macron als auch Starmer sind in Wahrheit schwache regierende Politiker, die ihren Wählern viel versprochen haben, aber nichts eingehalten haben und somit bei denen unten durch sind. Um diese Schwäche zu kompensieren, verliert sich insbesondere Macron gerne in dick aufgetragenen Wörtern, als wolle er De Gaulle und Churchill imitieren. Was die deutsch-französische Achse betrifft, denke ich, dass Merz zu pro-USA-transatlantisch orientiert ist, um die Wille zu haben, den „deutsch-französischen Motor“ wiederzubeleben.
Karl
9. Juli 2025 @ 10:14
Es folgt eine Antwort aus Russland von Dmitri Trenin. (Mit den Artikeln dieses hochkarätigen Außenpolitik-Experten, der einst seine ersten Schritte als Berufsanfänger in Potsdam/DDR ging, durchbricht das pazifistische GlobalBridge immer wieder die Schweigemauer zu Russland):
“Die englischen und französischen Politiker, die in den Ukraine-Konflikt verwickelt sind, gehören einer Generation an, die längst die Fähigkeit verloren hat, eine unabhängige Außen- und Militärpolitik zu betreiben. Sie sind bereit, Provokationen zu inszenieren, aber nicht in der Lage, deren Folgen zu kontrollieren. Diese Politiker und ihre Länder werden vorerst durch die außergewöhnliche strategische Geduld des Kremls gerettet…”
NOCH werden sie (die europäischen Atommächte) vom Kreml gerettet, steht in Trenins Artikel als Warnung und als ein Appell an die Vernunft gemeinsamer Interessen, weiterlesen: https://globalbridge.ch/welche-rolle-spielen-atomwaffen-in-den-heutigen-internationalen-beziehungen/
Arthur Dent
9. Juli 2025 @ 09:20
Sollte Kanzler Merz nicht Deutschland führen? “Nationale Souveränität” – habe ich schon lange nicht mehr gehört. Stets beruft man sich auf “Europa”, vor allem, wenn man die eigenen Bürger übers Ohr hauen will. Starmer ist in GB, Macron in Frankreich eigentlich unten durch. Und beim deutschen Wortbruchkanzler dürfte das bald der Fall sein.
Karl
9. Juli 2025 @ 10:32
Arthur Dent: Was nutzt die “Souveränität”, wenn zwei dumme Boxer im Ring stehen und sich prügeln?
Tatsächlich geht es um Interessen! Welche Interessen die “Souveränisten” verfolgen, darüber sprechen nicht.
“Es geht um die Interessen von Staaten. Merken Sie sich das, egal, was man Ihnen im Geschichtsunterricht erzählt.” (Egon Bahr)
ebo
9. Juli 2025 @ 10:55
Richtig, es geht in der internationalen Politik vorrangig um Interessen. Ohne eigene Souveränität können diese Interessen jedoch nicht durchgesetzt werden. Aktuell sehen wir dies im Handelsstreit. Die USA handeln souverän, die EU muss verschiedene Interessen unter einen Hut bringen und wirkt nicht sehr souverän. Das UK – wieder souverän – war wesentlich schneller.
Guido B.
9. Juli 2025 @ 09:07
Je mehr über Werte geredet wird, desto verlorener sind sie.
Je mehr über Zusammenhalt geredet wird, desto verlorener ist er.
Je mehr über Sicherheit geredet wird, desto verlorener ist sie.
Man beschwört immer das, was nicht
mehr ist.
Kleopatra
9. Juli 2025 @ 08:11
Bei einem Staatsbesuch in London kann Macron schon grundsätzlich nicht davon reden, wie toll man ohne GB auskommt. Die Zitate sind eine Einladung an das UK, mit der EU zusammenzuarbeiten. Und dagegen ist ja überhaupt nichts einzuwenden.
Eine Rede während eines Staatsbesuchs betont vernünftigerweise immer die Gemeinsamkeiten mit dem Anderen und deutet wünschenswerte Weiterentwicklungen an. Eine umfassende Übersicht der außenpolitischen Ansichten Macrons können Sie in einem solchen Text nicht erwarten, auch nicht eine prononcierte Hervorhebung strittiger Punkte.
Karl
9. Juli 2025 @ 09:17
@Kleopatra: Wirtschaftsanwälte und transatlantische Bänker haben von Berufs wegen keine eigenen “außenpolitischen Ansichten”, sondern sind aktuell hilflos und geschockt über den Liebesentzug von “Daddy”.
Und das deindustrialisierte “Fool Britannia!” befindet sich “auf dem Weg zur Nullnation” (nach Emmanuel Todd): Soll die dort seit Jahren endemische Hungersnot der Unterschichten das Modell für ganz Europa werden? Ginge es nach Merz (dem Beaufsichtiger der “Drecksarbeit”), dann sehr wahrscheinlich.
Bei Amtsantritt kündigte Merz die Reparatur des deutsch-französischen Motors an. Hat sich da schon jemand die Finger schmutzig gemacht oder war das auch nur ein Spruch? – Und der Dreier mit der Nullnation (Merz-Macron-Starmer am 13. Juni), als es um die Wiederaufnahme der einst von Europa getragenen Verhandlungen um ein Atomabkommen mit Iran (JCPoA) ging, hatte ebenfalls null Effekt.
Zur Erinnerung, als 2015 Europa noch Diplomatie konnte: https://www.auswaertiges-amt.de/de/service/laender/iran-node/wiener-nuklearvereinbarung-atomprogramm-iran-202458
Was der Chefvolkswirt (Hellmeyer) zur Wirtschaftskompetenz der Merz-Regierung vorgestern sagte, gilt erst recht für ihre außenpolitische Kompetenz: „Ich sehe keine Bereitschaft, sich intellektuell mit den Herausforderungen wirklich auseinanderzusetzen.”
https://www.berliner-zeitung.de/wirtschaft-verantwortung/zittern-vor-der-schlacht-kommt-merz-bei-trump-richtig-unter-die-raeder-li.2338761
Stef
9. Juli 2025 @ 07:33
Unsere europäischen Staatenlenker haben halt mit allerlei Umständen zu kämpfen. Sie sind überwiegend zu Teamplay außerstande. Alle sind derart abhängig, dass sie inzwischen sogar dem verhassten POTUS Trump um die Wette in den Allerwertesten kriechen. Keiner verfügt über eine annähernd realistische öffentliche Position zu den Ursachen unserer Multikrise, geschweige denn über wirkungsvolle Gegenmaßnahmen. Offensichtlich ist es ihnen nicht mal möglich, über den vorgegebenen ideologischen Rahmen auch nur hinauszudenken. Keiner hat ein überzeugendes politisches Mandat für adäquate Maßnahmen, außer partiell für Rüstungsausgaben.
Was soll da schiefgehen?
KK
9. Juli 2025 @ 16:29
Es wird arg eng in des POTUS Rektum, gell?