Sommerserie zu “heißen” EU-Themen: Die Mitte zerfällt, die Rechten legen zu

Es war eines der “heißesten” Themen der letzten Wochen: Die mehr oder weniger offene Zusammenarbeit von CDU/CSU und EVP im Europaparlament mit rechten Parteien. Fällt die “Brandmauer gegen Rechts”? Und was soll aus der “proeuropäischen Mitte” werden?

Man hatte sie schon abgeschrieben. Alice Weidel, Marine Le Pen und Nigel Farage, so schien es, hätten ihre beste Zeit längst hinter sich und würden nie mehr die höchsten Stufen der Macht erklimmen. Doch nun sind sie wieder da. 

AfD-Chefin Weidel fiebert einem Wahlsieg in Ostdeutschland entgegen, Frankreichs Nationalistenführerin Le Pen kandidiert um das Präsidentenamt, der frühere Brexit-Führer Farage könnte bald Premierminister werden.

Europa rutscht nach rechts – und die etablierte Politik ist ratlos. Sie reagiert mit Brandmauern, Klagen und Verbotsdebatten – aber nicht mit einer anderen, besseren Politik, nach der die Bürger verzweifelt rufen.

Zur Politik der demokratischen, proeuropäischen Mitte gebe es keine Alternative, heißt es landaus, landein. Dabei steckt diese Mitte selbst in der Krise, wie sich nun auch bei der EU in Brüssel zeigt.

Unser neues Dossier zeigt, dass die “proeuropäische Mitte”, die sich nach der Europawahl 2024 noch als stabiles Bollwerk gegen den Nationalismus inszenierte, zunehmend zerfällt.

Gefördert wird dieser Prozess von den Konservativen, die mit den Rechten gemeinsame Sache machen. In der Migrationspolitik regiert die AfD schon mit – dank CDU/CSU in Brüssel bzw Straßburg.

Der Zerfall hat aber noch einen anderen, wenig beachteten Grund: die Radikalisierung der EU-treuen Parteien. Vor allem in der Ukraine- und Russland-Politik bilden sie eine “extreme Mitte”.

Früher haben nur die Rechtsextremen eine so kompromisslose Anti-Russland-Linie vertreten…

Siehe auch meine Kolumne für die “Berliner Zeitung”: EU ohne Brandmauer: Wie Brüssel immer häufiger auf rechte Mehrheiten setzt