Sommerserie: Trägt die EU eine Mitschuld am Krieg?

In Europa herrscht wieder Krieg – und die EU kämpft mit. Wie konnte es dazu kommen, und wo soll das alles enden? Unsere Sommerserie versucht, die wichtigsten Fragen zu beantworten. Heute: Trägt die EU eine Mitschuld am Krieg?

Die offizielle Antwort lautet selbstverständlich: Nein. In Brüssel spricht man nur vom “unprovozierten russischen Angriffskrieg”, die Schuld soll allein Kremlchef Putin tragen. Die EU kommt als Akteur nicht vor.

Doch es gibt auch andere Stimmen.

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„Der Westen ist an diesem Krieg schuld“, sagt der renommierte amerikanische Politikwissenschaftler J. Mearsheimer. Er sieht nicht Russland, sondern die Vereinigten Staaten als treibende Kraft in diesem Konflikt.

Die EU spielt laut Mearsheimer eine eher tragische Rolle – weil sie sich den USA nicht widersetzt hat. Die EU hat alle Verhandlungen den USA und der Nato überlassen. Sie hat nichts getan, um den Krieg zu verhindern.

Daran können auch die Vermittlungsversuche von Präsident Macron und Kanzler Scholz nichts ändern. Sie kamen zu spät und wurden von Brüssel nicht unterstützt. Das heißt allerdings nicht, dass die Union untätig blieb.

Noch während die Gespräche mit Kremlchef Putin liefen, bereitete sich die EU auf ihren Einsatz als “Wirtschafts-Nato” vor. Mit massiven Sanktionen gegen Russland wurde eine zweite Front eröffnet: der Wirtschaftskrieg.

Die Folgen dieser Politik sehen wir heute – in Gestalt der Energiekrise, der Inflation und der drohenden Rezession. Deutschland leidet unter den Folgen des Wirtschaftskriegs; zugleich wird die EU immer tiefer in den Militärkonflikt verwickelt.

Fazit: Die EU trägt zwar keine direkte, wohl aber eine indirekte Mitschuld an der Eskalation. Sie hat nicht versucht, den Krieg zu verhindern, den Konflikt aber durch die Eröffnung einer zweiten, ökonomischen Front ausgeweitet.

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