Deutsche Klimapolitik: Weniger EUropa, mehr Markt

Wie nutzen Deutschland und die EU ihre “letzte Chance”? – In der Klimapolitik setzt Berlin neue Akzente – auch gegen Brüssel. Teil 2 von 10 unserer Sommerserie.

Das waren die wichtigsten  Entscheidungen nach dem Regierungswechsel in Berlin:

  • Die neue Bundesregierung bekräftigte das Bekenntnis zu den vereinbarten nationalen, europäischen und internationalen Klimazielen, insbesondere der Klimaneutralität bis 2045. Dabei gab Kanzler Merz zu verstehen, dass Zweifel bestehen, ob diese Ziele wie geplant erreicht werden können. Er betonte, Klimaschutz dürfe nicht zu einer Deindustrialisierung führen und müsse mit wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit vereinbar bleiben.
  • Die Bundesregierung setzt verstärkt auf internationale Kooperationen: Emissionsminderungen, die durch Projekte im Ausland erzielt werden, sollen auf die deutschen Klimaziele angerechnet werden. Dies begründete Merz mit geringeren Kosten und größerer globaler Wirksamkeit solcher Maßnahmen.
  • Die neue Koalition strich den Posten des Sonderbeauftragten für internationale Klimapolitik. Dieser Schritt wurde von Umweltorganisationen als Signal für eine geringere Priorisierung ambitionierter Klimadiplomatie gewertet.
  • Die Verantwortung für Klimapolitik wurde neu verteilt: Das Fachressort für Klimaangelegenheiten liegt wieder beim Umweltministerium, das von der SPD geführt wird. Landwirtschaftliche Klimafragen werden weniger ambitioniert angegangen als zuvor; der neue CSU-Landwirtschaftsminister steht für eine weniger restriktive Regulierung und betont Technologieoffenheit.
  • Direktinvestitionen in Erneuerbare und Maßnahmen wie das Deutschlandticket bleiben erhalten, wobei die weitere Finanzierung zur politischen Debatte steht. Prinzipiell will die neue Regierung attraktive Bedingungen für Industrie und Verbraucher schaffen, statt mit strikten Vorgaben und teuren Subventionen vorzugehen.

So faßt die KI-gestützte Suchmaschine “Perplexity” die Klimapolitik der neuen Bundesregierung zusammen. Die vollständige Antwort samt Links steht hier.

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Im Vergleich zur EU-Politik fällt auf, dass Berlin zwar schon 2045 die Klimaneutralität erreichen will (Brüssel erst 2050). Statt der Verbotspolitik der EU-Kommission setzt Merz aber mehr auf ökonomische Anreize und auf den Markt.

Ob dies zum Erfolg führt, ist fraglich. Denn wichtige Bereiche wie Agrar, Wohnen und Verkehr haben ihren CO2-Ausstoß kaum reduziert.

Laut Klimaschutzbericht 2025 wird die Bundesregierung ihre Klimaziele ab dem Jahr 2030 verfehlen.

Wenn aber das größte EU-Land schon 2030 den Plan verfehlt, wie soll die EU dann bis 2040 oder 2050 “liefern”?

Auf diese Frage gibt es in Berlin keine Antwort. Deutschland schert in der Klimapolitik aus – und könnte sich am Ende von den EU-Zielen verabschieden…

Die nächste Folge der Sommerserie kommt am Mittwoch. Alle Folgen hier

P. S. Nur eine Woche, nachdem der Internationale Gerichtshof alle Staaten nachdrücklich aufgefordert hat, ihre Klimaschutz-Anstrengungen deutlich zu verstärken, beschließt die Bundesregierung das Gegenteil: Sie kürzt die Investitionen im Klima- und Transformationsfonds (KTF), der eigentlich als Hebel für die grüne Transformation gedacht ist. Mehr dazu beim “Klimareporter