Erdogan bleibt gefährlich

Russland und Griechenland sind die Bösewichte beim G-7-Gipfel in Elmau. Von der Türkei und ihrem Präsidenten Erdogan ist keine Rede. Dabei setzt der alles daran, die „westliche Werte-Gemeinschaft“ herauszufordern.

Wofür braucht man noch Feinde wie Putin, wenn man Freunde wie Erdogan hat? Unser treuer Nato-Verbündeter und ewiger EU-Beitrittskandidat will sich nun zum Sultan erheben.

Zwar hat seine AKP bei der Wahl die absolute Mehrheit verfehlt, Erdogan muss vorerst zurückstecken. Doch er hat schon gezeigt, dass er der EU, der Nato und dem gesamten Westen schaden kann.

Der „moderate“ Islamist hält nicht nur an der Besatzung Nordzyperns fest, sondern blockierte auch jahrelang die Zusammenarbeit zwischen Nato und EU, deren Mitglied Zypern ist.

Er ließ türkische Militärschiffe vor der Mittelmeerinsel auffahren, um seine unilateralen Ansprüche auf im Meeresgrund vermutete Gas- und Ölvorkommen zu untermauern.

Er schickt Flüchtlinge und Terroristen

Er schleuste tausende Flüchtlinge aus Nahost nach Bulgarien und ließ auch die Fahrt in schrottreifen „Geisterschiffen“ nach Griechenland zu – entgegen der Absprache mit Brüssel.

Und er ließ – und lässt wohl immer noch – massenhaft europäische Djihadisten über die türkische Grenze nach Syrien einreisen, wo sie zu Kriegern und Terroristen ausgebildet werden.

Lange wurde ihm sogar offene Unterstützung für den „Islamischen Staat“ nachgesagt. Türkische Medien, die die Hintergründe aufdecken wollten, wurden mit Zensur belegt.

G-7 schont Erdogan – ein Fehler

Doch für die G-7 und ihre EU-Vertreter ist das kein Thema – obwohl sie sich angeblich dem Kampf gegen Terror verschrieben haben und auch über den IS reden wollten.

EU-Ratspräsident Tusk attackierte in Elmau wie üblich nur Putin. Dabei wird sich die Krise in Syrien nicht ohne Russland lösen lassen, auch in Iran wird Putin gebraucht.

Erdogan hingegen, der die westliche Politik in Nahost gezielt herausfordert, wird geschont. Er könnte dies als Freibrief verstehen, sich über das Wahlergebnis hinwegzusetzen…