May stört die Europawahl – doch die EU hat andere Sorgen

Es ist so oft vor Manipulationen bei der Europawahl gewarnt worden, dass es schon keiner mehr merkt, wenn es wirklich passiert. So wie am Freitag – durch den angekündigten Rücktritt der britischen Premierministerin May. Er könnte (fast) alles ändern.

Schon dass die Briten an der Wahl teilgenommen haben, war ein massiver Eingriff. Er schadet Spitzenkandidat Manfred Weber und seiner EVP, die ohnehin keine britischen Abgeordneten hatte – und nützt Frans Timmermans, der nun wieder einige Labour-Abgeordnete bekommt.

May macht nun alles noch schlimmer. Denn sie hat ihren Rücktritt ausgerechnet einen Tag nach der britischen Europawahl angekündigt. Die Briten wurden also im Unklaren gehalten – vielleicht hätten sie ja anders gewählt, wenn sie Mays Entscheidung schon gekannt hätten?

Die News platzt auch noch mitten in die Wahl in Irland. Dort dürfte nun die Angst vor einem ungeordneten Brexit ohne EU-Vertrag wachsen – und das kann das Wahlergebnis massiv beeinflussen. Mays Rücktritt dürfte die irische Regierung stärken und die Opposition schwächen.

Last but not least überschattet Mays Abgang schon jetzt den Ausgang der Europawahl. Denn er ist die bisher dramatischste Entwicklung in dem viertägigen Abstimmungs-Marathon, das als größte demokratische Übung der Welt gefeiert wird, nun aber völlig verzerrt werden könnte…

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Doch die EU hat andere Sorgen. In Brüssel fürchtet man vor allem das wahrscheinlichste Szenario, in dem Ex-Außenminister Boris Johnson auf May nachfolgt. Johnson gilt als Hardliner, der sich nicht groß um den Brexit-Vertrag scheren dürfte. 

Wenn er das Ruder in London übernimmt, wird ein harter, ungeregelter Brexit wahrscheinlich. Und der droht schon am 31. Oktober – Halloween. Dann endet nämlich die Deadline, die die EU Großbritannien gesetzt hat. Die Teilnehmer an der Europawahl können daran nichts mehr ändern…

Siehe auch “Die Wahl-Farce ist perfekt” und “Was die EU jetzt braucht – eine Wahlempfehlung”

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