Heißer Herbst hoch drei, Merz wählt Moldawien & Polen rückt von Ukraine ab

Die Watchlist EUropa vom 28. August 2025 – Heute mit News und Updates zur Krise in Brüssel, Berlin und Paris, einem Besuch im Armenhaus Europas und Spannungen zwischen Warschau und Kiew.

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Mit Vollgas in die Krise – so lässt sich die Lage der EU nach der Sommerpause beschreiben. Nach dem verkorksten Handelsdeal mit US-Präsident Trump herrscht dicke Luft in Brüssel – aber nicht nur dort. Auch in Berlin und Paris stehen die Zeichen auf Sturm. EUropa steht ein heißer Herbst bevor.

  • Brüssel: Das Europaparlament droht, den Handelsdeal mit Trump platzen zu lassen. Auch die Wirtschaft meutert gegen die EU-Kommission – nicht nur wegen des Trump-Deals, sondern auch wegen der Klimapolitik. Die Autolobby fordert sogar eine Abkehr von den CO2-Vorgaben – ein Tabubruch!
  • Berlin: Kanzler Merz droht seinem Koalitionspartner SPD. Der CDU-Chef fordert einen “Herbst der Reformen”, bei dem es ans Eingemachte gehen soll. Der Sozialstaat sei nicht mehr “nachhaltig”, behauptet Merz. Doch die SPD sträubt sich, die “kleine Koalition der letzten Chance” strauchelt.
  • Paris: Premier Bayrou will die Vertrauensfrage stellen. Präsident Macron hat sich zwar hinter ihn gestellt, doch die Abstimmung ist kaum zu gewinnen, neben einer Regierungs- droht Frankreich auch auch eine Regimekrise. Derweil geht an der Börse die Angst vor einer Finanzkrise um…

Jetzt kommt die große Abrechnung

Das Ergebnis: Der “deutsch-französische Motor”, den Merz wiederbeleben wollte, stottert mehr denn je. Nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in der Außen- und Sicherheitspolitik (Gaza, Garantien für die Ukraine). Der deutsch-französische Ministerrat am 29. August in Toulon dürfte daran nicht viel ändern.

Auch zwischen Paris und Brüssel herrscht dicke Luft. Nach der Pleite beim US- Handelsdeal will von der Leyen das Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten durchdrücken – gegen den erklärten Willen Frankreichs. Macron ist auch sauer, weil die französischen Winzer mit hohen US-Zöllen belegt werden.

Nicht einmal zwischen Brüssel und Berlin läuft es rund. Merz wollte von der Leyen stärken und noch mehr auf seine deutsche Agenda verpflichten. Doch nun ist sie eine EU-Chefin auf Abruf; nicht zufällig kommen die Gerüchte über ihren möglichen Abgang aus Brüssel aus der deutschen Hauptstadt…

Meine Einschätzung: Auf die EU kommen harte Zeiten zu. Sie hat sich US-Präsident Trump untergeordnet und muß dafür nun die Zeche zahlen. Die Krisen in Berlin und Paris sind direkt auf die übermäßigen Rüstungsausgaben und die übertriebenen Sparvorgaben aus Brüssel zurückzuführen. Doch niemand will die Verantwortung übernehmen. Bayrou ist nur ein Bauernopfer – wenn er stürzt, könnte das eine Lawine auslösen, nicht nur in Paris...

Siehe auch Gerüchteküche: Wird von der Leyen nach Berlin weggelobt?

News & Updates

  • Merz mischt sich in Wahl in Moldawien ein. Kanzler Merz, Präsident Macron und Regierungschef Tusk sind als Wahlhelfer nach Moldau gereist. Im ärmsten und wohl auch korruptesten Land Europas haben sie das tief gespaltene Volk aufgerufen, bei der Parlamentswahl am 28. September für Europa und den geplanten EU-Beitritt zu stimmen. Präsidentin Sandu sprach von der “letzten Schlacht”. Ein Referendum war zuvor nur dank ausländischer Hilfe gewonnen worden… – Ausländische Einmischung ist offenbar völlig okay, wenn sie aus Berlin oder Brüssel kommt…
  • Deutschland blockt UN-Untersuchung zu Nordstream ab. Bei einer Uno-Debatte zum Nord-Stream-Anschlag hat sich Deutschland gegen eine internationale Untersuchung ausgesprochen und dabei auf die Ermittlungen durch deutsche Behörden verwiesen. Deutschland reagierte damit auf russische Forderungen und lehnt eine Veröffentlichung von Zwischenergebnissen weiterhin ab, da dies den Ermittlungserfolg gefährden könne. – Nach einem neuen Bericht der “Zeit” gibt es Hinweise auf staatliche ukrainische Beteiligung. Deckt Berlin die Regierung in Kiew??
  • Offener Brief zu Gaza setzt Außenminister unter Druck. Kurz vor einem informellen Treffen der EU-Außenminister in Kopenhagen haben sich 209 ehemalige EU-Botschafter und -Beamte für Sanktionen gegen Israel ausgesprochen. Es sei enttäuschend, dass die EU immer noch nicht tätig geworden sei, heißt es in dem Schreiben. Nun sei “real leadership” gefragt; z.b. durch Aussetzung der Waffenlieferungen. – Von der Außenbeauftragten Kallas, die das Treffen in Kopenhagen leitet, ist da nicht viel zu erwarten…

Das Letzte

Polen rückt von der Ukraine ab. Die EU steht wie ein Mann hinter der Ukraine – diesen Eindruck wollten Merz & Co. bei der Trump-Show im Weißen Haus vermitteln. Doch das stimmt nicht. Nicht nur Ungarn und die Slowakei sind ausgeschert. Nun fällt auch Polen aus. Die Regierung in Warschau streitet nicht nur um Sozialhilfe für die ukrainischen Flüchtlinge – Präsident Nawrocki hat ihre Verlängerung blockiert. Polen hat auch die kriegswichtige Starlink-Finanzierung gestoppt – und die Unterstützung für einen schnellen EU-Beitritt entzogen. Der Grund ist die Verherrlichung des ukrainischen Kriegsverbrechers Bandera und Streit über die Wolhynien-Massaker. “Ukraine has no chance of joining EU until Volyn massacre issue is resolved”, sagte Vizepremier Kosiniak-Kamysz. Daraufhin kamen wilde Drohungen aus Kiew…

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