Israel: Wenn das Völkerrecht nur noch eine Option ist

In der EU ist erneut Streit über mögliche Sanktionen gegen Israel entbrannt. Diesmal geht es um ein Einfuhrverbot für Produkte aus illegalen israelischen Siedlungen.

Mehr als 20 EU-Staaten fordern ein solches Verbot, Deutschland war bisher strikt dagegen. Doch nun kommt Bewegung in die Debatte, denn die EU hat erstmals konkrete Optionen für ein Einfuhrverbot ausgearbeitet.

Eine Möglichkeit wäre demnach, den Import aus israelischen Siedlungen im Westjordanland kurzerhand zu verbieten. Eine andere Option lautet, Strafzölle auf Siedler-Produkte zu erheben. Als dritte Variante schlägt die EU-Kommission ein spezielles Lizenzsystem für Waren aus israelischen Siedlungen vor.

Das Optionspapier sei bewusst vage formuliert, um eine Entscheidung zu verzögern, kritisieren Nahost-Experten und Juristen. Dabei sei die EU völkerrechtlich zum Handeln verpflichtet.

Siedler-Produkte werden weiter importiert

„Es ist erstaunlich, dass ein Einfuhrverbot immer noch als Option präsentiert wird, obwohl es die einzige Maßnahme ist, die dem Völkerrecht entspricht“, sagt Claudio Francavilla von Human Rights Watch.

Aus völkerrechtlicher Sicht sind die israelischen Siedlungen in den besetzen Gebieten illegal, das hat die EU selbst festgestellt. Zudem hat Brüssel bereits 2005 klargestellt, dass Siedlungsprodukte von den Handelsvergünstigungen des Assoziierungsabkommens mit Israel ausgenommen sind.

Dennoch können Siedler-Produkte immer noch fast ungehindert eingeführt werden. Das Völkerrecht ist für die EU offenbar kaum mehr als eine Option…

Siehe auch meinen Beitrag auf taz.de und Nach Orban: Wie Deutschland bei Sanktionen gegen Israel bremst. Mehr zu Israel hier

P.S. Nach deutscher Auffassung kann ein Importverbot von Waren, die in israelischen Siedlungen im Westjordanland produziert wurden, nur einstimmig beschlossen werden. Die  EU-Kommission habe deutlich gemacht, dass die Einstimmigkeit dafür erforderlich sei, “und diese Auffassung teilen wir”, sagt Außenminister Wadephul in Brüssel. Damit sagt er aber auch, daß das Importverbot nicht kommen wird – denn Deutschland ist dagegen…