Hollande und wie er die Welt sah (I): Macron, der Verräter

Schlechte Umfragewerte, schwaches Wirtschafts-Wachstum, kein Erfolg bei der EU-Reform: Auf Frankreichs Staatschef Macron wartet ein heißer Herbst. Nun rechnet sein Amtsvorgänger Hollande mit ihm ab.

Hollande hat ein Buch vorgelegt, das in Frankreich gleich zum Bestseller wurde: “Les lecons du pouvoir” (“Lektionen der Macht”, Stock) zeichnen seine fünf Amtsjahre im Elysée-Palast nach.

Macron war von Anfang an dabei – erst als Wirtschaftsberater, später auch als Wirtschaftsminister. Unter anderem setzte sich Macron für Griechenland ein, aber auch für harte Arbeitsmarkt-Reformen.

Doch am Ende bootete er seinen Chef Hollande aus – und gründete seine eigene Bewegung. Sie erfuhr so viel Zuspruch, dass Hollande auf eine neue Kandidatur verzichtete, kurz darauf verschwanden seine Sozialisten in der Versenkung.

Nun rächt er sich – mit ätzenden Bemerkungen über seinen jungen, ehrgeizigen Nachfolger, der in Deutschland so beliebt ist. Macrons Bilanz sei eine Katastrophe, so Hollande. Er spalte die Franzosen, statt sie zusammenzuführen.

In seinem Buch wirft er Macron zudem vor, ihn über seine wahren Absichten betrogen zu haben. Macron habe seine Kandidatur bereits vorbereitet, als er noch Wirtschaftsminister war – doch das Gegenteil behauptet.

“Die Geschichte eines Verrats” nennt “Le Monde” Hollandes Buch. Allerdings taucht das Wort “Verrat” darin nicht auf. Hollande mag sich betrogen fühlen – politisch wirft er seinem Nachfolger eher Hochstapelei vor.

Im Sinn hat er dabei vor allem Macrons Anspruch, die französische Politik zu revolutionieren und dabei auch an linke Traditionen anzuknüpfen. Macrons Politik sei weder links noch progressiv, so Hollande.

Vielmehr sei er ein typischer Vertreter der liberalen französischen Rechten, und sein Aufstieg nicht mehr als eine Laune der Geschichte. Redet so ein schlechter Verlierer – oder einer, der sein Comeback vorbereitet?

 
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