Grenzkontrollen, Flüchtlingslager, Israel: Das bleibt von Orban
Ungarns “Diktator” Orban war 16 Jahre an der Macht. Nun will die EU den Rechtspopulisten und seine “antidemokratische” Politik schnell hinter sich lassen – heißt es in Brüssel. In Wahrheit bleibt von Orban mehr, als die EU-Spitze wahrhaben will.
Das gilt vor allem für seine Asyl- und Migrationspolitik. Orban war einer der ersten, die in der Flüchtlingskrise 2015 die Grenzen dicht gemacht haben. Heute eifert ihm sogar Deutschland nach – mit Kontrollen an den Schengen-Binnengrenzen. Die EU-Kommission hat es klaglos akzeptiert.
Dasselbe gilt für die Flüchtlingslager, die Orban in Ungarn geschaffen hat. Sie wurden als unmenschlich angeprangert – heute plant Brüssel selbst Abschiebelager, noch dazu in Drittländern außerhalb der EU. Die EVP um CSU-Mann Weber hat dafür im Europaparlament sogar mit Orbans Fidesz gestimmt!
Zu Orbans bitterem Vermächtnis gehört auch die Israel-Politik. Er hat Premier Netanjahu trotz internationalem Haftbefehl nach Budapest geholt und EU-Sanktionen blockiert. Dabei war Orban keineswegs isoliert – seine Linie wurde zunächst auch von Brüssel vertreten, heute hält Kanzler Merz unbeirrt zu Israel.
Natürlich wird dies in Berlin und Brüssel gern übersehen, um nicht zu sagen verschwiegen. Man hat Orbans Politik verdammt – und dann doch in weiten Teilen übernommen. Haben wir es hier mit Heuchelei zu tun – oder mit später Einsicht? Wir wissen es nicht – wahrscheinlich ist es eine Mischung aus beidem…
Siehe auch Ungarn: Die EU plant schon für die Zeit nach Orban – mit Selenskyj
P.S. Eine Konstante ist übrigens auch die Zusammenarbeit mit der konservativen EVP und der deutschen Politik. Jahrelang haben deutsche EVP-Politiker mit Orban gekungelt, nun wirft sich EVP-Chef Weber an Wahlsieger Magyar heran – der einst selbst in Orbans Fidesz aktiv war. Ein Bruch sieht anders aus!

14. April 2026 @ 09:55
Orban Migrationspolitik 2015: War in Übereinstimmung mit den damaligen EU-Regeln. Wer hat denn damals diese Regeln einseitig außer Kraft gesetzt?
14. April 2026 @ 09:24
Die Ungarn werden sich alsbald Orban zurückwünschen.
14. April 2026 @ 09:08
Im Zusammenhang mit der Politik der EU ist immer wieder von Heuchelei und doppelten Standards die Rede. Es sind eigentlich nur moralisch gemilderte Ausdrücke für Lüge.
14. April 2026 @ 08:38
Orbans Messe scheint noch nicht gesungen; Merkel merkelt auch noch mit;-))
14. April 2026 @ 02:48
“EU vs MAGA” – aus German-Foreign-Policy:
“Nach Jahren heftiger politischer Konflikte mit Berlin und Brüssel unter der Regierung von Viktor Orbán, die eng mit der Trump-Administration kooperierte, wendet sich Budapest mit dem Wahlsieg von Péter Magyar nun demonstrativ wieder der Europäischen Union zu – ein strategischer Erfolg für Letztere, zugleich eine empfindliche Niederlage für die USA.” – Weiter ausgeführt siehe: https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/10363
Schluss:
“Ob und, wenn ja, wie der Wechsel von Orbán zu Magyar – einem ehemaligen Politiker der Orbán-Partei Fidesz – nun tatsächlich zu grundlegenden sozialen oder wirtschaftlichen Veränderungen führen wird, muss sich zeigen.”
13. April 2026 @ 19:39
Martin Leidenfrost schreibt: “Das politische Ausnahmetier Orbán hat … vorgeführt, dass die Errichtung eines nationalkonservativen ‘Deep State’ auch in Europa möglich ist. Die Kontrollorgane des Staates sind weit über die Dauer einer Legislaturperiode einzementiert, Key Assets des Staates – sogar der Mineralölkonzern MOL – wurden in den Besitz von Fidesz-nahen Stiftungen und Akademien übertragen.
Die Wähler ließen sich überzeugen, dass eine solche Durchdringung nur von einem ehemaligen Fidesz-Baron mit Fidesz-artigem Führermandat aufzudröseln ist.” (Martin Leidenfrost in: Der Freitag, 13.04.2026)
13. April 2026 @ 19:07
Von wegen – Das bleibt von Orban.
Hier ein Zitat aus dem Netz, veröffentlicht von Markus Haintz
https://x.com/Haintz_MediaLaw/status/2043728173062324585
„Péter Magyar hat soeben auf eine Reporter-Frage aus Österreich bekanntgegeben, dass Ungarn selbst Gelder fehlen und er selbst keinen Grund sieht, Gelder an die Ukraine zu schicken.
Zudem wir er an dem russischen Öl festhalten. Zudem sagte er, dass kein Land welches, im Krieg steht, in die EU afugenommen werden kann, es muss einen regelmässigen Aufnahmeprozess durchlaufen. Sollte die Ukraine jemals soweit sein, wird in Ungarn ein Volksentscheid über die mögliche Aufnahme der Ukraine die Entscheidung treffen.
Zudem sagte er, dass soweit die Minderheitenrechte der Ungarn in der Ukraine nicht wiederhergestellt werden, nichts mit der Ukraine besprochen werden kann! Alles ok in Ungarn, so weit!“
Da wird in Brüssel zu früh gejubelt. War wohl doch kein regime-change in Budapest.
13. April 2026 @ 14:35
Man darf gespannt sein, ob der neue tatsaechlich eine voellig neue Politik machen wird, war er doch bis vor 2 Jahren selbst Mitglied der Fidesz Partei.
Wenn Orban so “antidemokratisch” ist, wie behauptet, haette er keine freien Wahlen zugelassen. Die “demokratische” Ukraine hat diese Wahl nicht und muss nach wie vor die taeglichen Zwangsrekrutierungen von der Strasse weg hinnehmen.
Ich vermute, dass nach 16 Jahren im Amt fuer jeden Regenten die Zeit fuer einen Wechsel gekommen ist. Politik wird muerbe, die Unzufriedenheit steigt, die Buerger wollen einen Wechsel. Das war bei Merkel so und bei Kohl auch. Nicht umsonst wurde schon gespottet, dass die Deutschen keinen Kanzler sondern immer gleich einen neuen Kaiser waehlen 😉
Zur Biegsamkeit von Weber wurde hier auch schon viel berichtet. Er macht alles dafuer, dass er seinen Posten behalten kann. Der brave Mann denkt eben an sich selbst zuerst.
13. April 2026 @ 15:10
„ Der brave Mann denkt eben an sich selbst zuerst.“
Das ist „zuerst“ sicher richtig, obwohl er auch an seine Schützlinge zu denken hat denen er dem Vernehmen nach lukrative Jobs verschafft haben soll, und an jene denen er möglicherweise noch Jobs verschaffen will!?
13. April 2026 @ 16:21
Zusatz : apropos lukrative Jobs in der EU (laut Politico):
“Irishman Anthony Whelan was named on Monday as director-general of the EU’s competition department, installing the former digital adviser to European Commission President Ursula von der Leyen to the pivotal role after a lengthy search.”
14. April 2026 @ 01:24
“Wenn Orban so “antidemokratisch” ist, wie behauptet, haette er keine freien Wahlen zugelassen.”
Und er hätte schon gar nicht seinem Herausforderer gratuliert, bevor das offizielle Ergebnis verkündet worden wäre.
“Antidemokratisch” ist vor allem anderen in EUropa das Brüsseler EU-System, in dem es noch nie wirkliche Gewaltenteilung gab und inzwischen auch nicht mehr von Rechtsaatlichkeit gesprochen werden kann!
13. April 2026 @ 13:42
Doppelmoral und doppelte Standards sind das neue Normal! Der Vasall Europa folgt immer gehorsamst dem Hegemon USA, auch in den Abgrund!
13. April 2026 @ 13:36
Mal schauen, was Peter Magyar tun muss, um an die eingefrorenen 19 Milliarden und neue Finanzhilfen der EU heranzukommen. Die Ungarn haben gestern den sprudelnden EU-Nettoempfangsmodus gewählt. Von der Leyen meint, sie hätten die EU gewählt. Nein, Madame, sie haben eure Kohle gewählt. Wer an Selenski viele Milliarden verschickt, sollte jetzt auch an Magyar viele Milliarden verschicken, nicht wahr?
13. April 2026 @ 14:12
Nun, wenn die Ukraine erst mal in der EU ist, bekommt ausser Selenskyj und seiner Kamarilla keiner mehr was!