Gipfel der Schizophrenie – Seehofer meets Salvini

Mitten in der Fußball-WM in Russland hält die Nato in Brüssel einen Gipfel ab, bei dem Russland als Feind behandelt wird. Paradox? Es geht noch doller. Denn Angst haben die europäischen Alliierten vor allem vor dem Oberbefehlshaber der USA.

Schon kurz nach der feierlichen Eröffnung könnte US-Präsident Trump, so die Sorge, das Treffen sprengen. Denn zu Beginn des Nato-Rats will Generalsekretär Stoltenberg die Gipfel-Beschlüsse absegnen lassen.

Trump könnte diesen kritischen Moment nutzen, um das Programm platzen zu lassen. Als riskant gilt aber auch die Zeit nach Brüssel. Genau wie beim G-7-Gipfel in Kanada könnte Trump die Ergebnisse mit einem einzigen Tweet entwerten.

Und dann ist da noch das Tête-à-tête mit Präsident Putin am Montag in Helsinki. Wie schon bei seiner Begegnung mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un könnte Trump alle Prinzipien über den Haufen werfen, fürchten Nato-Diplomaten.

Zwar versucht Gipfelchef Stoltenberg, die Angst vor dem unberechenbaren Amerikaner mit schönen Worten zu übertünchen.

In Brüssel könnte Trump „den Nato-Ansatz gegenüber Russland mit den anderen 28 Alliierten diskutieren, bevor er mit Präsident Putin zusammenkommt“.

In Helsinki könne er dann aus einer Position der Stärke mit dem Kreml-Chef reden, so Stoltenberg. Doch warum sollte Trump das tun? Ist Russland denn wirklich eine Bedrohung für die USA oder die Nato?

Oder ist es nicht vielmehr so, dass die Nato Russland im Nacken sitzt – und dass die Europäer ein ureigenes Interesse daran haben müssten, dass Trump endlich auf Entspannung umschaltet?

Stattdessen pflegen sie ihre Angst vor Putin, als wenn die Berliner Mauer nie gefallen wäre – und die Krim zum Westen gehörte. Gleichzeitig tun sie so, als sei Trump das größte Sicherheitsrisiko.

Schizophrener geht es kaum noch, oder?

WATCHLIST:

  • Was treibt Innenminister Seehofer in Innsbruck? Bei dem EU-Treffen wird sich der Gegenspieler von Kanzlerin Merkel erstmals mit Migrationskommissar Avramopoulos und mit Lega-Führer Salvini unterhalten. Könnte spannend werden!

WAS FEHLT:

  • Bescheidenheit im Europaparlament. Neben ihrem staatlichen Salär kassieren 60 Prozent der EU-Abgeordneten noch Nebeneinkünfte, wie “Transparency International” kritisiert. Im US-Kongress wäre das nicht möglich, so der EUObserver
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