Epic Failure mit Trump, Streit über Sanktionen & Kehrtwende bei Kernkraft
Die Watchlist EUropa vom 14. März 2026 – heute mit der Wochenchronik. Die Themen: Der amerikanisch-israelische Krieg gegen Iran und die Reaktion der deutschen EU-Führung, der Wirtschaftskrieg gegen Russland und die Energiepolitik.
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Offiziell heißt der Angriff auf den Iran “Operation Epic Fury”. Amerikas Krieger (“Warriors”) würden mit nie da gewesener Macht zugeschlagen, brüstet sich US-Präsident Trump auf der Website des Weißen Hauses in Washington.
Doch nach zwei Wochen ist klar, daß sich der mächtigste Mann der Welt gewaltig verrechnet hat. Der Irankrieg zeige die Grenzen der Methode Trump, schreibt das “Handelsblatt” unter dem Titel “Epic Failure” – episches Versagen.
Von einem grandiosen Versagen kann man auch in der EU sprechen. Die beiden deutschen EU-Granden Merz und von der Leyen haben den Angriff auf Iran begrüßt, den Regimewechsel befürwortet und Trump den Rücken gestärkt.
Kehrtwende in Brüssel und Berlin
Jetzt wollen sie von all dem nichts mehr wissen. Von der Leyen bekannte sich in Straßburg zum Völkerrecht, von dem sie sich zwei Tage zuvor in Brüssel verabschiedet hatte. Sie wolle die Bürger schützen, erklärte sie – viel zu spät.
Merz bekam schon früher Muffensausen. Doch erst jetzt beginnt er, von Trump abzurücken. Er sei besorgt, “dass es offensichtlich keinen Plan gibt, wie dieser Krieg schnell zu einem überzeugenden Ende gebracht werden kann” erklärte er.
Das hätte man früher wissen können. Trump hatte nie einen Plan. Der angebliche Friedensstifter hat sich von Israels Premier Netanjahu in diesen Krieg ziehen lassen und die Reaktion des Iran und ihre Nebenwirkungen völlig unterschätzt.
Kollateralschaden in EUropa
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Von der Leyen und Merz haben den Angriff begrüßt, weil sie die Kriegsziele teilen und die Hoffnung hegen, Trump nach einem Sieg zu einem aggressiveren Vorgehen gegen Russland drängen zu können. Doch sie haben sich getäuscht.
Und so erlebt nun auch die deutsche Führung der EU ihr Waterloo. Weil sie Trump bedingungslos gefolgt ist, fällt dessen “Epic Failure” auf sie zurück. Der Kollateralschaden wird von Tag zu Tag größer – er könnte Merz und von der Leyen noch auf die Füße fallen…
Siehe auch Sanchez Superstar: Außenpolitik geht besser ohne diese EU
Meine two Cent: Es wird einsam um die deutsche EU-Spitze. Nach dem Spanier Sanchez ist nun auch die Italienerin Meloni von Trump und dessen Krieg abgerückt. Derweil versucht Frankreichs Staatschef Macron, eine führende (militärische) Rolle einzunehmen – mit der Entsendung eines Flugzeugträgers und anderer Waffen in den Mittleren Osten…
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Was war noch?
Streit über Russland-Sanktionen. Die USA, die EU und die Ukraine streiten auf offener Bühne über die Lockerung der US-Sanktionen gegen russisches Öl. Das trage nicht dazu bei, den Krieg zu beenden und Frieden in der Ukraine zu schaffen, sagt der ukrainische Staatschef Selenskyj während einer Pressekonferenz mit Frankreichs Präsident Macron in Paris. Russland könnte so rund zehn Milliarden Dollar für den Krieg einnehmen, sagt Selenskyj. – Die USA wollen mit der Lockerung die Lage auf dem Weltmarkt für Rohöl entspannen. Das sollte eigentlich auch in europäischem und deutschen Interesse sein. Nirgendwo sind die Spritpreise infolge des Irankrieges schneller gestiegen als in Deutschland… Siehe auch Die EU sieht die Welt nur noch durch die Anti-Putin-Brille
Kehrtwende bei der Kernkraft. EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen hat die (vor allem deutsche) Abkehr von der Atomkraft als einen “strategischen Fehler” bezeichnet. Zugleich kündigte sie künftige Risiko-Absicherungen der EU in Höhe von 200 Millionen Euro für private Geldgeber an, die in neue Atomtechnologien investieren. “Die Mittel dafür werden aus unserem Emissionshandel kommen”, sagte sie. – Allerdings will Italien aus dem Emissionshandel aussteigen. Und den nächsten strategischen Fehler hat von der Leyen selbst eingeleitet: den Ausstieg aus günstiger Energie made in Russia. – Mehr im Blog
Fromme Wünsche zur Wohnungskrise. Das Europaparlament hat sich für neue Maßnahmen gegen die Krise auf dem Haus- und Wohnungsmarkt ausgesprochen. In einem Initiativbericht fordern die Abgeordneten eine wirksame Regulierung von Kurzzeitvermietungen, den Abbau von Bürokratie und EU-Hilfen für die Renovierung und energetische Sanierung von Wohnraum. – Allerdings ist der Wohnungsbau keine EU-Kompetenz. Zudem setzt das Parlament vor allem auf eine Verbesserung der Angebotsbedingungen, also auf Erleichterungen für Häuslebauer und Investoren – ein fragwürdiger Ansatz. – Mein Bericht für die “taz”
Die meistgelesenen Beiträge der Woche:
Paris und London bereiten sich auf “offenen Krieg” mit Russland vor
Die Welt atmet auf, weil die Apokalypse in Iran abgewendet wurde. Die ganze Welt? Nein! Frankreich und Großbritannien bereiten sich auf den nächsten großen Krieg vor – gegen Russland!
“Keine Namen”: EUropas kafkaeske Sprachregelung zum Irankrieg
Die EU ist immer noch nicht willens, den Angriffskrieg der USA und Israels im Iran klar zu verurteilen. Statt die Kriegsverbrechen zu benennen und sich davon zu distanzieren, greifen EU-Politiker wie Ratspräsident Costa zu einer kafkaesken Sprachregelung.
Vetorecht: Wadephul und Weber treten Geisterdebatte los
Während US-Präsident Trump im Iran einen verheerenden Krieg führt, haben deutsche Politiker nichts Besseres zu tun, als sich über Ungarns Regierungschef Orban und das Vetorecht in der EU-Außenpolitik aufzuregen.
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