Ein Jahr Corona: Die USA trauern, die EU duckt sich weg

In den USA hat Präsident offiziell der 500.000 Corona-Toten gedacht. Die EU hat zwar noch mehr Opfer zu beklagen (aktuell 530.000) – doch sie duckt sich weg. Was sagt uns das?

Die Flagge am Weißen Haus auf Halbmast, hunderte von Kerzen, eine Schweigeminute für die Opfer: Präsident Biden ließ es nicht an Pathos fehlen, um der 500.000 an oder mit Corona gestorbenen US-Bürger zu gedenken.

“Das sind mehr Amerikaner, die in einem Jahr der Pandemie gestorben sind, als im Ersten Weltkrieg, dem Zweiten Weltkrieg und dem Vietnamkrieg zusammengenommen”, so Biden. Das dürfe sich nie wiederholen.

Derweil in der Brüsseler EU-Kommission: Business as usual. Von der Leyens Sprecher nehmen virtuell die Fragen der Journalisten entgegen – physische Begegnungen und echte Recherchen sind seit einem Jahr nicht mehr möglich.

Von den mehr als 500.000 Menschen, die in der EU gestorben sind, spricht niemand. Stattdessen lobt die Kommission sich selbst – für Corona-Hilfen an die Slowakei und Serbien.

Auch in Berlin gibt es kein Innehalten. Zwar ist die Sterberate in Deutschland wg. Corona seit Weihnachten höher als in den USA (seit Ende Januar auch über dem EU-Schnitt, siehe Grafik unten). Doch darüber spricht man nicht.

Was sagt uns das? Nun, die banale Antwortet lautet, dass die EU kein Staat ist und es in EUropa auch kein kollektives Bewußtsein der Krise gibt. Jedes Land zählt seine eigenen Toten.

Bei näherer Betrachtung wird deutlich, dass der EU ein Machtwechsel wie in den USA fehlt. Biden gedenkt der Opfer seines Amtsvorgänger Trump. Die EU-Politiker machen in Kontinuität.

Weder die hohen Todeszahlen noch das haben daran etwas geändert. Im Gegenteil: Je schlechter die Lage ist, desto mehr klammern sich die EU-Politiker an ihre Sessel – mit immer neuen Versprechungen.

Kommissionschefin hat dies schon lange eingeübt. Nach jeder Pleite wird alles noch bombastischer. Auf “Europas Moment” beim Impfen folgt die Rettung der ganzen Welt durch COVAX.

In Berlin pflegt Kanzlerin einen anderen Stil. Sie redet den Bürgern ins Gewissen und senkt die Grenzwerte, um als treusorgende Mutter der Nation zu erscheinen. Über die Toten spricht sie nicht.

Wie lange kann das noch so weiter gehen? Die Deutschen können immerhin im Herbst eine neue Regierung wählen. Doch auf EU-Ebene zeichnet sich kein Wechsel ab, nicht mal das Europaparlament macht Druck.

Von der Leyen bleibt uns erhalten, dabei ist sie nicht einmal richtig gewählt…

Siehe auch “Ein Jahr Corona: Die EU lässt sich nicht mehr in die Karten schauen” und “Warum das Impfdebakel folgenlos bleibt”

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