Drohnen über Polen: Berlin schickt Kampfjets, Brüssel plant “Drohnenwall”
Der Drohnen-Vorfall in Polen bleibt mysteriös. Auch zwei Tage nach dem Vorfall gibt es keinen Beweis, dass es sich um eine gezielte russische Attacke gehandelt hat. Dennoch wird munter weiter gezündelt – Brüssel plant sogar einen “Drohnenwall”.
Nach allem, was man bisher weiß, waren die Drohnen nicht bewaffnet. Es handele sich um Gerbera-Drohnen, die bei russischen Angriffen gegen die Ukraine als Täuschkörper für die Luftabwehr eingesetzt werden, meldet n-tv.
Von einem gezielten Angriff auf die Nato könne keine Rede sein, heißt es dort weiter. Vielmehr habe Russland austesten wollen, wie weit es gehen kann – und wie Polen und die Nato reagieren. Doch auch das ist nicht bewiesen.
Die Drohnen seien “aufgrund der Auswirkungen der elektronischen Kampfführung beider Seiten vom Kurs abgekommen”, hieß es in Belarus, wo man Polen sogar ausdrücklich gewarnt haben will!
Die Nato wartet ab – zum Glück
Demnach hätte es sich um einen Kollateralschaden des Drohnenkriegs zwischen Russland und der Ukraine gehandelt. Beim Luftkampf wird ständig versucht, feindliche Flugkörper vom eigenen Territorium “abzulenken”.
Es gibt zudem noch die These, dass die Ukraine die Drohnen durch gezieltes GPS-Jamming vom Kurs abgebracht haben könnte. Details stehen hier (Thread auf X). Sogar viele Polen glauben an diese These…
Bei so viel Unsicherheit sollte man abwarten und Tee trinken. Auf Nato-Ebene geschieht dies auch. Die groß angekündigte Krisensitzung nach Art. 4 hat noch immer nicht stattgefunden – wohl mangels Beweisen.
Die Politik zündelt – auch in Berlin
Doch auf der politischen Ebene wird fleißig gezündelt. Polens Außenminister Sikorski sprach von einem “beispiellosen Angriff russischer Drohnen auf einen Mitgliedstaat nicht nur der UN, sondern auch der EU und der Nato”.
Kanzler Merz sagte, er glaube nicht an ein Versehen. Er sprach von einer „neuen Qualität von Angriffen, die wir aus Russland sehen“ und beklagte „eine ganz ernsthafte Gefährdung des Friedens in ganz Europa“.
Der verbalen Eskalation folgt nun auch eine militärische: Deutschland und Frankreich wollen zusätzliche Kampfjets nach Polen schicken – um die Nato-Ostgrenze zu schützen, wie es offiziell heißt.
Brüssel plant den “Drohnenwall”
Und was macht die EU? Sie plant nach den Worten von Kommissionschefin von der Leyen einen Eastern Flank Watch “von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer” – und einen neuartigen “Drohnenwall” (sic).
Es gehe um “europäische Fähigkeiten, (…) durch die wir in Echtzeit reagieren können, ohne auch nur den geringsten Zweifel an unseren Absichten aufkommen zu lassen”, sagte sie in Straßburg.
Klingt bizarr? Nun, die Idee ist nicht ganz neu. Das Rüstungsunternehmen Helsing hat den „Drohnenwall“ schon im März vorgeschlagen. Der angebliche russische Angriff kommt für dieses Vorhaben wie gerufen…
Siehe auch Drohnen-Vorfall in Polen wirft Fragen auf
P.S. Der Vorfall wird auch von Kiew genutzt: Mehrere Staaten zeigen einem Bericht zufolge Interesse an ukrainischen Abwehrsystemen. Die Nachfrage nach ukrainischen Waffen steigt – und wird von der EU sogar noch gefördert…

14. September 2025 @ 08:53
@KK
Polens Außenminister Sikorski ist der, der meiner Erinnerung nach sich bei den USA für die Sprengung von NS2 mittels Tweet bedankt hat.
(Tweet wurde wenig später wieder gelöscht).
Anne Appelbaum und Radoslaw Sikorski haben 2024 in der Schweiz den Europapreis für Kultur erhalten. Die Laudatio hielt Christian Lindner.
– War jetzt nur mal so – unnützes Wissen 😉 –
13. September 2025 @ 09:35
Der „Beweis“, dass es eine gezielte Attacke ist, ist ja auch praktisch unmöglich. Insofern ist es eine Frage der Plausibilität. Kleinere Ausflüge russischer Drohnen über Polen wurden in der Vergangenheit nicht so hoch bewertet. Diesmal flogen sie aber deutlich weiter. Trotzdem gut, die Äusserungen der Regierungen zu hinterfragen.
Ich frage mich allerdings auch, warum hier im Allgemeinen nur alles was aus Berlin, Warschau und Brüssel kommt, akribisch hinterfragt wird. Sollten wir nicht (mindestens) genauso wachsam gegenüber autoritären Regierungen in Moskau, Peking und auch Washington sein?
13. September 2025 @ 09:51
Danke für den Kommentar.
Die Antwort auf Ihre Frage ist ganz einfach: Dieser Blog kommt aus Brüssel, ich sitze an der “Quelle” der EU-News (und der Nato-Kommuniqués). Deshalb nehme ich diese auch bevorzugt (kritisch) unter die Lupe.
Meldungen aus Moskau oder Peking werden Sie hier kaum finden, aus Washington meist durch die “europäische Brille”. Und die ist Trump gegenüber sehr ambivalent (zwischen einschmeicheln und verdammen).
12. September 2025 @ 18:37
“Polens Außenminister Sikorski…”
Ist das nicht der, der gern den Applebaum schüttelt?
““Eastern Flank Watch “…neuartigen “Drohnenwall””
Also ein moderner “Ostwall” – same procedure as last war… wirklich zum Speien, diese Geschichtsvergessenheit!
“Kanzler Merz sagte, er glaube nicht an ein Versehen.”
Glauben sollte man in der Kirche, nicht in der Politik – und schon gar nicht ion der Aussenpolitik! Soll er sich zum Priester weihen lassen, dieser Merz!
12. September 2025 @ 12:39
Drohne? Taurus? Wetreichendes Dingsbums-Gerät? Alles ist wieder gut. Heute morgen hat irgendein Ächzperte in irgendeinem IV auf irgendeinem Radiosender verkündet: “Wirkmittel!” Die Ukraine braucht nur “Wirkmittel” um “unseren(!) Frieden” zu verteidigen! Gottseidank * puh *, nix schlimmes, nur “Wirkmittel” (sowas ähnliches wie Arzeneimittel). * ächz *
12. September 2025 @ 09:16
“Kanzler Merz glaubt nicht an ein Versehen”… Soso, Russland greift also die Nato mit 19 nicht munitionierten Drohnen an und tatsächlich, trotz milliardenschwerer Patriot-Luftabwehr, Aufstieg von F-35 (100 Mio. Euro pro Stück) und F-16 Kampfjets ist gelungen, eine Handvoll Drohnen abzuschießen (der Rest viel vom Himmel als der Sprit alle war). Wenn man sich dermaßen blamiert, sollte man vielleicht lieber die Klappe halten.
Unsere Bundeswehrsoldaten wissen bis heute nicht, warum sie zwanzig Jahre in Afghanistan waren. Ziele wurden nicht formuliert, es gab keinen Plan, keine Exit-Strategie. Nach Ende des Kalten Krieges blieben von 4000 Panzern noch 300, von 800 Kampfjets knapp 170, von einer Million Reservisten etwa 80.000. Jetzt will man in Windeseile wieder hochrüsten, egal zu welchem Preis. Wieder hat man keine Bedrohungsanalyse oder eine Sicherheitskonzept erstellt, was man zu einer Landesverteidigung braucht. Man hat immer nur Schaum vorm Mund. Wahnsinn!
12. September 2025 @ 18:41
” Man hat immer nur Schaum vorm Mund. ”
Es steht zu befürchten, dass nicht wenige dieser Typen bei ihren Hasspredigten gegen Russland auch ein feuchtes Höschen bekommen…
12. September 2025 @ 08:35
Es gab schon einige false-flag-Aktionen der Ukraine mit dem ehrenwerten Ziel, ganz Europa zum Kriegsschauplatz zu machen. Jede weitere und deren Anerkennung durch die westeuropäischen Hohlköpfe ist sozusagen eine weitere Baggerschaufel voll beim Grabaushub für den westlichen Teil Europas.