Diplomatie am Ende: EU sanktioniert Iran – und fürchtet US-Militärschlag
Nach dem Irakkrieg wollte die EU in Iran zeigen, wie man eine Krise friedlich lösen kann. Nun stuft sie die Revolutionsgarden als Terrorgruppe ein und fürchtet einen US-Militärschlag. Ein neuer Krieg wäre eine strategische Niederlage für die EU-Diplomatie.
Vor dem Hintergrund der blutigen Repression in Iran und militärischer Drohungen der USA hat die EU ihre Gangart gegen das Mullah-Regime verschärft und neue Sanktionen verhängt. Betroffen ist neben Innenminister Eskandar Momeni auch die iranische Revolutionsgarde. Sie wurde bei einem Treffen der EU-Außenminister als Terrororganisation eingestuft.
Die Einigung sei „ein starkes politisches Signal – und ein überfälliges“, sagte Außenminister Wadephul. Das Vorgehen des iranischen Regimes gegen die eigene Bevölkerung sei derart drastisch, “dass es eine klare Reaktion der Europäischen Union als Wertegemeinschaft geben muss”, betonte der CDU-Politiker. „Wir stellen uns an die Seite der Iranerinnen und Iraner“, fügte er hinzu.
Symbolpolitik
Der praktische Nutzen hält sich allerdings in Grenzen. Die Entscheidung habe eher symbolischen Wert und sei als Signal der Solidarität an die Opposition im Iran zu verstehen, hieß es in Brüssel. Mit der Listung als Terrororganisation würde die iranische Revolutionsgarde in eine Kategorie mit extremistischen Organisationen wie Hamas, Islamischer Staat (IS) oder Al-Kaida fallen.
Die Strafmaßnahmen waren zuletzt im Herbst verschärft worden, als die EU den so genannten Snapback-Mechanismus ausgelöst hat. Wegen des ungelösten Streits über das iranische Atomprogramm wurden iranische Banken, Energie- und Transportunternehmen mit Strafen überzogen. Dies hat die Wirtschaftskrise im Land verschärft und mit zu den jüngsten Protesten beigetragen. Wadephul hatte dies begrüßt.
Regime Change?
Unklar ist, wie es nun weiter geht. Die EU hat ihr diplomatisches Pulver verschossen. Eine militärischen Lösung, wie sie US-Präsident Trump androht, lehnen die Europäer jedoch ab. Eine „Regime Change“, also ein Sturz des Mullah-Regimes und die Einsetzung einer neuen, demokratischen Regierung, lasse sich von außen kaum erreichen, sagte ein EU-Diplomat.
Sollte es zu einer militärischen Eskalation kommen, so wäre dies auch eine strategische Niederlage für Europa. Seit dem US-Krieg gegen Irak 2003 haben die Europäer eine friedliche Lösung für den Iran angemahnt. Mit dem Atomabkommen JCPOA wollte die EU die nukleare Bewaffnung des Mullah-Regimes verhindern. Als Anreiz wurde der Führung in Teheran ein umfassender Handelsdeal angeboten.
Trumps Schuld
Israel und die USA haben diesen Ansatz jedoch von Anfang an torpediert. In seiner ersten Amtszeit hat Trump eine Politik des „maximalen Drucks“ auf Iran verfolgt und sogar die EU mit Sanktionen bedroht. Im vergangenen Jahr haben Israel und die USA gemeinsam Angriffe gegen das iranische Atomprogramm geführt.
Nun droht Trump erneut mit einem Militärschlag gegen das Mullah-Regime…
Dies ist die gekürzte Fassung eines Beitrags für die “taz”. Die Langfassung steht hier

31. Januar 2026 @ 09:58
Wo hat die Regime-Change-Politik des Westens jemals funktioniert und zu dauerhaft stabilen Verhältnissen und demokratischen Strukturen geführt?
Die Mullahs heute sind das Ergebnis einer missglückten Regime-Change-Politik durch den Sturz Mossadeghs, sinnigerweise Operation Ajax genannt, frei nach dem Reinigungsmittel.
31. Januar 2026 @ 09:08
“Politik” heute wie damals: “Und willst du nicht mein Bruder sein …” dann hau’ ich dir erst einmal Sanktionen rein, dann erwürg ich dich und dein Volk ganz laaangsam. Im Iran live und in slowmo zu betrachten! Warum muss sich immer der Eine beim Anderen einmischen? Loite, bleibt doch zu Hause und lernt erst mal da, euch zu vertragen.
Mir graut vor der Zeit nach dem Mullah-Regime, wenn die verschiedenen Ethnien und Interessengruppen im Iran (und von außerhalb) beginnnen sich gegenseitig zu ermorden.
Die “iranische Freiheit” wird mit viel, viel, sehr viel Blut (und Abhängigkeit von den USA und vom Wertewesten®) zu erkaufen sein!
30. Januar 2026 @ 21:53
Wie plsusibel ist die These von M. Hollister, dass die USA drauf und dran ist ihren drohenden Verlust der Dollarherrschaft durch Ausweitung ihrer physischen Kontrollmacht aka Militärpräsenz in den Gebieten der Rohstoffversorgung und Handel (Venezuela, Panamakanal, Straße von Malakka) zu kompensieren (Israel wird durch das Bombardement des Iran geschützt, die Straße von Hormus somit vom Iran stillgelegt, Öl aus Venezuela ermöglicht den USA den Versorgungsausgleich,
Europa kann schauen, wo es bleibt, Russland wird gemanaged)?
30. Januar 2026 @ 14:44
M.W. sind die Revolutionsgarden Teil der regulären Streitkräfte des Iran, die Einstufung als Terrororganisation öffnet die Büchse der Pandora und schafft völkerrechtlich einen sehr bedenklicher Präzedenzfall. Denn wenn es Schule macht, künftig Teile regulärer Streitkräfte von potentiellen Gegnern als “Terrororganisation” einzustufen… was kommt dann als nächstes?
Die Welt abseits des Westens könnte als Antwort die israelische IDF entsprechend einstufen, und läge damit ja ebensowenig falsch wie auch nach tausenden explodierender Mobilfunkgeräte und Pagern beim MOSSAD. Die russischen Truppen in der Ukraine – und im Gegenzug dann die ukrainischen im Donbass? Die US-Truppen mit ihren Drohnenmorden stehen sicher auch ganz weit vorn auf den Listen vieler Staaten… und nicht nur wegen der Drohnen.
Und ist nicht eigentlich derzeit Trump der Oberterrorist, der mit seinen Launen die ganze Welt terrorisiert?
30. Januar 2026 @ 13:46
Die USA sind neuerdings außerordentlich bemüht, den in Syrien bisher von Kurden internierten IS-Anhängern mehr Bewegungsfreiheiten zuzugestehen, auch damit sie endlich wieder in ihrer Heimat Gerechtigkeit erfahren und auf einen rechten(?) Weg gebracht werden können. Bei Al-Jolani hat das ja bestens funktioniert …
Viele dieser religiösen Patrioten wurden von den USA aber auch einfach so in den Irak verlegt: dort können sie den Irakern helfen, dass nicht ein falscher zum neuen Premierminister gemacht wird, und sie sind auch noch dem Iran näher …
Um aber zu demonstrieren, dass man nach wie vor gegen islamishen Terror an sich ist, wird zum Ausgleich der IS-Rehabilitation eine andere Gruppe zu Terroristen erklärt, z.B. die IRGC. Liegt doch nahe, oder?
30. Januar 2026 @ 13:02
Eine militärischen Lösung lehnen die Europäer jedoch ab…
Soso. Wir tun ALLES, um genau diese militärische Lösung zu befördern, aber selbstverständlich „lehnen wir sie ab“. Akkurat nach Pontius Pilatus, „Ich wasche meine Hände in Unschuld“.
Als Bürger muss ich davon ausgehen, dass die deutsche Regierung in einem felsenfesten Bund zum Imperium USA steht. Dessen Planungen und Kriege aus vollem Herzen und sogar unter in Kaufnahme der Selbstvernichtung mitträgt.
Dabei müsste die deutsche Regierung sich schleunigst aus dem Hamsterrad der US-Militärunternehmungen fallen lassen, denn niemand, auch kein Staat, kann zur Selbstaufgabe verpflichtet werden. Selbstaufopferung aus Liebe??? Die kann es nur in persönlichen menschlichen Beziehungen geben. Niemals in der Politik, die ja repräsentativ für Millionen von Menschen handeln soll.
Allerdings sich nur noch dem 1% Geldadel verpflichtet sieht.
30. Januar 2026 @ 11:58
Die Regierungen der EU erweisen sich wieder einmal als willige Vasallen der USA: Die Revolutionsgarden sind nun zum Abschuss frei gegeben, es sind Terroristen. Die Absolution für Trumps Angriff auf den Iran.
30. Januar 2026 @ 08:41
Grundregel:
In der internationalen Politik ist der Westen immer Teil des Problems und nie Teil der Lösung. Das zieht sich wie ein roter Faden durch die neuzeitliche Geschichte. Ausnahmen bestätigen die Regel.
30. Januar 2026 @ 08:41
Grundregel:
In der internationalen Politik ist der Westen immer Teil des Problems und nie Teil der Lösung. Das zieht sich wie ein roter Faden durch die neuzeitliche Geschichte. Ausnahmen bestätigen die Regel.
30. Januar 2026 @ 08:11
Merz soll U.S. Militärschlag gegen den IRAN befürchten!? Lachhaft! Der lechzt doch nur danach dass die USA (und Israel) die Drecksarbeit erledigen!