Deutschland hinkt bei Lockerungen hinterher

Wie locker wird der Lockdown? Beim EU-Gipfel letzte Woche stand noch auf der Bremse. Doch nun will Kanzlerin Merkel nicht mehr ganz so streng sein. Es gibt noch viel Raum nach oben, wie ein Vergleich zeigt.

Deutschland hinkt im Vergleich mit seinen Nachbarn hinterher, was die Lockerung des Lockdowns betrifft. Dies geht aus der “Stringency map” hervor, die von der University of Oxford betrieben wird.

Demnach kommt Deutschland auf einen “Strenge”-Grad von 83,33. Vor allem die geschlossenen Schulen, die Pflicht zum Homeoffice und das Verbot von Veranstaltungen fallen ins Gewicht.

Frankreich liegt hingegen bei 63,89, Österreich bei 82,41 und Tschechien bei 72,22. Zu diesen EU-Ländern hat Deutschland Grenzkontrollen eingerichtet – aus Angst vor Corona-Mutanten.

Besonders krass ist der Unterschied zu Tschechien. Im Land mit der aktuellen höchsten Todesrate und einer Inzidenz von 782 ist die Wirtschaft nicht im Lockdown. Stattdessen soll es nun mehr Tests in den Betrieben geben.

Interessant ist auch der Vergleich mit Belgien. Dort sind Grundschulen und Kitas offen, die Geschäfts sind auch geöffnet. Obwohl das Land näher an Großbritannien liegt und die britische Variante grassiert, steigen die Fallzahlen bisher nicht exponentiell an.

Die Inzidenz liegt in Belgien bei 143,6, in Deutschland bei 64. Da wundert man sich schon, warum Merkel nun neue Richtwerte wie 35 und 100 ins Gespräch bringt. In der Praxis haben sie kaum eine Bedeutung, wie der Vergleich zeigt…

Siehe auch “Ceci n’est pas uns troisième vague”