Der Wahnsinn mit den Reisewarnungen

Mitten im Sommer haben Großbritannien und Deutschland die Urlaubssaison in Frankreich und Spanien abgeblasen. Mit nationalen Reisewarnungen haben London und Berlin für ein riesiges Verkehrschaos gesorgt und der Wirtschaft schwer geschadet. Wer stoppt diesen Wahnsinn?

“Tourismusindustrie auf Mallorca steht vor dem Kollaps”: So beschreibt das “Handelsblatt” die Lage nach der Reisewarnung, die Deutschland verhängt hat. Ähnlich dürfte es in Südspanien, in Barcelona und an der Costa del Sol aussehen. Auch die deutsche Reisebranche ist erschüttert.

Dabei war es Deutschland, das die Badesaison auf Mallorca eröffnen durfte. Die Balearen-Insel hatte die Corona-Pandemie weitgehend unbeschadet überstanden und lud “die Deutschen” zuerst ein – in der offenbar falschen Annahme, die Gastfreundschaft werde belohnt.

Begründet wird die deutsche Reisewarnung mit höheren Infektionsraten in Spanien. Doch das überzeugt nicht. Auch in anderen Ländern gehen die Zahlen hoch – ohne Folgen. Dasselbe gilt für die Türkei – dort hat Berlin sogar einige Regionen neu für den Tourismus freigegeben!

Ein Blick auf die Risiko-Liste des RKI genügt, um die Willkür zu erkennen. Demnach steckten sich die meisten Deutschen in Deutschland mit COVID-19 an, gefolgt von Kosovo und der Türkei. Dann kommen Kroatien, Serbien und Bulgarien, Spanien liegt auf Platz 10 noch hinter Polen!

Genauso willkürlich ist die britische Reisewarnung zu Frankreich. Die Gefahr, sich mit COVID-19 anzustecken, ist in UK – dem am schlimmsten getroffenen Land Europas – immer noch deutlich höher als in Frankreich. Dennoch verhängte London die unilaterale Maßnahme.

Die Folge war Verkehrschaos in Frankreich – viele Briten wollten noch vor der neuen Quarantäne-Pflicht am Wochenende zurück in die Heimat. Ähnliches spielt sich aktuell zwischen Österreich und Kroatien ab – auch hier sind Reisewarnungen die Ursache.

Wenn die Touristen weg sind, kommt die Misere – die Warnungen werden die Wirtschaftskrise in Spanien und Frankreich weiter verschärfen. Während die Bundesregierung ihren Urlaubskonzern TUI mit neuen Milliarden stützt, gehen ganze Regionen in Südeuropa den Bach runter.

Man kann Reisewarnungen denn auch als eine neue Form von protektionistischen Wirtschaftssanktionen begreifen. Unter dem Deckmantel des Gesundheitsschutzes werden ausländische Regionen bestraft – und das nur, weil die Herkunftsländer sich vor dem Virus “schützen” wollen, das sie selbst nicht im Griff haben.

Was macht die EU? Nichts!

Und was macht die EU–Kommission, die die Urlauber schützen, die Reisefreiheit sichern und Diskriminierung verhindern wollte? Was tut der Rat, der eben erst ein gigantisches Corona-Hilfspaket beschlossen hat, das die Wirtschaftskrise mindern soll (wenn auch erst ab 2021)?

Nichts! Die Kommission konnte sich lediglich zu einem Brief an die Botschafter der EU-Staaten durchringen. Darin wird vor Grenzschließungen gewarnt, nicht aber vor den Folgen der Willkür mit Reisewarnungen.

Die EU versagt schon wieder – genau wie im Frühjahr, als alles anfing…

Siehe auch “Deutsches Urlaubs-Geschenk an die Türkei” und “Reisen wird zum Politikum”

P.S. Besonders empörend ist – neben den nationalen Alleingängen – das Timing. Die Reisewarnungen überraschen nicht nur die Reiseländer, sondern auch die Touristen vor Ort. Sie fahren guten Glaubens nach Spanien, Frankreich etc. und finden sich plötzlich, ohne vorwarnung, in einem “Risikogebiet” wieder. Was ist eigentlich die Rechtsgrundlage? Bin mal gespannt, wann die ersten Klagen kommen….