Der Sieg der Hardliner, der Kampf ums Wasser & Drohnenkrieg im Mittelmeer

Die Watchlist EUropa vom 25. September 2025 – Heute mit News und Updates zu Trumps erratischer Kehrtwende in der Ukraine-Politik, einem umstrittenen neuen Umweltgesetz und Israels rücksichtslosen Attacken auf die neue Gaza-Hilfsflotte.

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In der EU-Kommission und im Auswärtigen Dienst dürften am Mittwoch die Sektkorken geknallt haben. Der Grund: US-Präsident Trump hat eine Kehrtwende in der Ukraine-Politik hingelegt und erklärt, mit europäischer Hilfe könne das Land die russischen Besatzer besiegen.

Das ist ziemlich genau das, worauf Kommissionschefin von der Leyen und ihre Außenbeauftragte Kallas seit Monaten hingearbeitet haben. Sie wollten Trump im transatlantischen Boot halten und ihn davon überzeugen, dass der Friedensprozess mit Kremlchef Putin zum Scheitern verurteilt sei.

Dafür haben sie alle Hebel in Bewegung gesetzt – von der massiven Erhöhung der Militärausgaben (sogar in der bisher zivilen EU) über die kampflose Unterwerfung im Handelsstreit bis hin zur Verschärfung der Russland-Sanktionen auf Kosten der deutschen und europäischen Wirtschaft.

VdL will Trump überzeugt haben

Nun feiern die EU-Spitzen ihren (vermeintlichen) Sieg. Von der Leyen verstieg sich sogar zu der Behauptung, sie habe Trumps Sinneswandel allein bewirkt. “It has happened because of President von der Leyen”, ließ sie verkünden. Seit dem Zoll- und Handelsdeal verstehe man sich prächtig.

Das ist natürlich blanker Unsinn. Von der Leyen war vermutlich die letzte EU-Politikerin, der Trump ein wenig Vertrauen schenkte. Das Eis gebrochen hat Frankreichs Staatschef Macron, mit Geld geködert hat Kanzler Merz, ihren Charme ließ Italiens Regierungschefin Meloni spielen.

Durchgesetzt haben sich aber vor allem die außenpolitischen Hardliner in Washington und die Nato-Strategen in Brüssel und Wiesbaden. Sie haben alles getan, um einen amerikanischen Rückzug aus der Ukraine und aus Europa zu verhindern und den Krieg gegen Russland anzuheizen.

Nun wird es ein europäischer Krieg

Während Trumps erratische  Vermittlungsversuche im Sande verliefen, haben die Militärs massive Schläge gegen russische Öllager und Raffinerien geführt und versucht, Putin zu schwächen. Der Krieg eskalierte, auch von russischer Seite, der Frieden hatte letztlich keine Chance.

Nun geht der Konflikt in eine neue Phase. Aus einem amerikanischen Stellvertreter-Krieg in Europa wird – wenn nicht alles täuscht – ein europäischer Krieg. Geführt und finanziert werden soll er – folgt man Trumps wirren Worten – von der EU, also in erster Linie von Deutschland.

Das kann nicht gut gehen. Denn schon bisher, als die USA wenigstens noch halbherzig engagiert waren, ließ sich der Krieg um die Ukraine nicht gewinnen. Wenn die Europäer die Lasten alleine stemmen und alle besetzten Gebiete zurückholen sollen, ist ein Desaster programmiert.

Die EU weiß ja nicht einmal, wie sie die Ukraine finanziell über Wasser halten soll. Schon jetzt fehlt es nicht nur an Waffen und Soldaten, sondern auch an Geld. Der vorläufige Sieg der Hardliner könnte sich daher als  Phyrrus-Sieg erweisen – für die Ukraine und ganz Europa…

Siehe auch “Der Ukraine-Krieg wird zu teuer – nun helfen nur noch Tricks”

News & Updates

  • Der Kampf um sauberes Wasser. Nach einem Bericht der EU-Kommission sind Seen, Flüsse und Bäche in EUropa in einem “kritischen” Zustand. Hauptgrund sind demnach Verschmutzungen durch Quecksilber und andere giftige Schadstoffe. Besonders schlecht kam Deutschland in dem Länderbericht der EU-Behörde weg: 99 Prozent der Oberflächengewässer seien chemisch verunreinigt. Nun will die EU gegensteuern: Mit einer Reform der Wasserrahmenrichtlinie. Sie soll auch sog. Ewigkeitschemikalien wie PFAS erfassen – doch Umweltschützern reicht das nicht, einige sehen sogar Rückschritte. – Mein Bericht in der “taz”
  • Gas könnte bis zu 60 Prozent teurer werden. Der Markt wettet darauf, dass der Preis für europäisches Erdgas im Sommer 2026 auf 50 Euro pro Megawattstunde steigen könnte – ein Anstieg um rund 60 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Dies berichtet “telepolis” unter Verweis auf eine Bloomberg-Agenturmeldung. Einer der Gründe: der geplante schnellere Ausstieg aus russischem Flüssiggas. – Wir hatten in diesem Blog bereits am Dienstag berichtet: “Ausstieg wird teuer”
  • EU rechnet mit 130 Mrd. Euro für die Ukraine. Ein sogenannter Reparationskredit der EU für die Ukraine könnte ein Volumen von bis zu 130 Mrd. Euro haben, sagte ein mit den Gesprächen vertrauter EU-Vertreter. Grundlage dafür sollen Barmittel aus den in Belgien eingefrorenen russischen Vermögenswerten sein. – Derweil wird die Finanzlücke der Ukraine immer größer. Bis Ende 2027 wurde die Schätzung von 38 auf 65 Mrd. US-Dollar angehoben, heißt es nach Gesprächen mit dem IWF.

Das Letzte

Drohnenkrieg am Mittelmeer. Wegen unbewaffneter Drohnen aus Pappmaché in Polen wurde Nato-Alarm ausgelöst. Der Russe kommt, hieß es in Brüssel, doch beim nächstenmal werde zurückgeschossen. Dabei war das alles noch harmlos gegen den Drohnenkrieg, den Israel derzeit im Mittelmeer gegen eine eine private Flotte von Schiffen mit Gaza-Hilfslieferungen führt. In der Nacht zu Dienstag wurden die zivilen Boote mit Drohnen und Blendgranaten sowie möglicherweise auch mit Chemikalien angegriffen. Zuvor hatte Israel die freiwilligen Helfer zu Unterstützern der Hamas-Terroristen erklärt – und damit zum Abschuss  freigegeben. Nun eskortiert eine italienische Fregatte die humanitären Helfer, unter denen sich auch Europaabgeordnete befinden. Das Schiff “Fasan” der italienischen Marine solle bei etwaigen Rettungsaktionen helfen, kündigte Verteidigungsminister Crosetto an. In Brüssel war das aber kein Thema – es geht ja nur um Gaza, nicht um Polen oder die Ukraine… 

P. S. Am späten Abend wurde bekannt, dass auch Spanien ein Begleitschiff zum Schutz der Gaza-Helfer schickt.

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