Der kriegerische “Geist von Ankara”, Urteil zu Le Pen – und EU checkt AfD

Die Watchlist EUropa vom 07. Juli 2026 – Heute mit Nachrichten und Analysen zum Nato-Gipfel in der Türkei, zu den juristischen Problemen der Favoritin bei der französischen Präsidentschaftswahl – und zu einer fragwürdigen Premiere im Europaparlament.

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Der Krieg rückt näher. Was 2022 – oder 2014, je nach Lesart – als regional begrenzter Konflikt in der Ukraine begonnen hat, greift immer mehr auf Russland und EUropa aus. Der Nato-Gipfel in Ankara wird daran nichts ändern, im Gegenteil.

Das Treffen beim türkischen Sultan Erdogan steht im Zeichen der Eskalation – und des Misstrauens zwischen der unberechenbaren Führungsmacht USA und den Europäern. Sie wollen Präsident Trump beweisen, daß sie “liefern” und die USA entlasten, aber auch die Ukraine verteidigen.

Eine Nato ganz im Dienst der Ukraine

Den Vorwurf Trumps, die europäischen Leistungen seien „lächerlich“, kontert Kanzler Merz mit mehr Geld für die Aufrüstung und die Ukraine. Er werde dafür kämpfen, dass „ein Geist von Ankara“ entstehe, kündigte Merz an. „Wir bauen eine europäischere Nato, damit diese Nato transatlantisch bleiben kann“.

Doch zunächst bauen die Europäer eine “Nato für die Ukraine”. 140 Mrd. Euro sind dafür eingeplant. Erste “Erfolge” sind bereits sichtbar: Seit Jahresbeginn haben ukrainische Drohnen mindestens 194mal russische Raffinerien getroffen. Die Ölproduktion ist eingebrochen, Moskau muß Benzin importieren.

Möglich wurde es mithilfe westlicher Geheimdienste, die nicht nur die Zieldaten liefern, sondern Kiew auch dabei helfen, die Luftabwehr zu umgehen. Wegen der westlichen Unterstützung habe sich die russische “Spezialoperation” in einen realen Krieg verwandelt, räumt Kreml-Sprecher Peskow ein.

Plötzlich spricht der Kreml von Krieg

Daß man im Kreml plötzlich von Krieg spricht, wird in Nato-Kreisen als Erfolg betrachtet. Man sei auf einem guten Weg, meint Nato-Generalsekretär Rutte. Ukraines Präsident Selenskyj behauptet sogar, mit anhaltender Nato-Hilfe könne er Kremlchef Putin an den Verhandlungstisch bomben.

Putins Reaktion bestätigt dies aber nicht. Vielmehr sieht es so aus, als gerate der Krieg immer mehr außer Kontrolle. Moskau und Kiew greifen sich mittlerweile nicht mehr nur mit Drohnen an, sondern sogar mit ballistischen Raketen. Der Krieg schwappt längst auf das Baltikum und das Mittelmeer über.

Beim letzten Nato-Gipfel in Den Haag hatte Trump noch versucht, Frieden zu bringen. In Ankara ist davon keine Rede mehr. Die “europäische Nato” stellt sich ganz in den Dienst der Ukraine – ohne militärische Sicherungen oder diplomatische Initiativen. Der “Geist von Ankara” verheißt deshalb nichts Gutes…

Siehe auch “Die deutschen Nato-Pläne” (Newsletter)

Meine two Cents: Von Istanbul sind Friedensinitiativen ausgegangen, bringt Ankara nun den großen Krieg? Noch ist es zu früh, das zu sagen. Noch versucht Putin, Trump zurück auf seine Seite zu ziehen, noch sieht sich Erdogan als Vermittler. Doch die Europäer setzen auf Eskalation. Sie wollen Trump beweisen, daß sie militärisch “liefern” – und übersehen im Eifer des Gefechts, daß sie ihre eigene Sicherheit gefährden. Wenn es am Ende in Europa knallt, wird sich Trump einen schlanken Fuß machen – und Merz wird erkennen, daß ihn Selenskyj doch nicht schützt, trotz der hohen deutschen Zahlungen…

Kurzfassung mit KI

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Die EU prüft die rechte EU-Partei ESN. Haben Sie schon einmal von “der Autorität” gehört? Wohl kaum, denn diese EU-Behörde, die für die europäischen Parteienfamilien zuständig ist, arbeitet weitgehend im Verborgenen. Nun hat sie begonnen, Hinweise auf mögliche Grundwerte-Verstöße bei der rechtsradikalen ESN-Parteienfamilie zu sammeln. Viel kam da nicht zusammen, die AfD kommt in der Beweissammlung nur ein einziges Mal vor, die meisten Verdachtsfälle wurden einer rechtsextremen bulgarischen Partei zugeordnet. Dennoch will das Europaparlament nun ein offizielles Prüfverfahren gegen die ESN einleiten – mit dem Ziel, die Parteienfinanzierung aus EU-Mitteln zu stoppen. Es geht um 2 Mill. Euro – aber auch um die Glaubwürdigkeit der EU. Denn wieso will sie einer Partei das Geld streichen, die ganz legal im Europaparlament sitzt? Die ESN-Abgeordneten haben keine Konsequenzen zu fürchten, Partei und Fraktion sind rechtlich sauber getrennt…

EU-Korrespondent und Blogger bei Lost in EUrope
Ich arbeite seit 2004 als fest akkreditierter EU-Korrespondent für deutsche Medien in Brüssel. Mehr als 25 Jahre Erfahrung in Europapolitik, deutsch-französischen Beziehungen und Foreign Affairs. Blogge hier seit 2011 🙂
ebo