Cruel Summer in Europa, das letzte Aufgebot – und die letzten Sanktionen?
Die Watchlist EUropa vom 25. Juli 2026 – heute mit der Wochenchronik. Die Themen: Die Eskalation der Kriege und Krisen, das neue Team um Kanzler Merz und der Pyrrhussieg von EU-Chefin von der Leyen. English version here (Substack)
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Hinweis: Dies ist der letzte Newsletter vor der Sommerpause. Weiter geht es mit der Wochenchronik am 29. August 2026
Heiße Sommerstraßen – Und die Bürgersteige brennen – Ich sitze herum – Versuche zu lächeln, aber – Die Luft ist so schwer und trocken. So beginnt der Song “Cruel Summer” von Bananarama. Der Sommerhit von 1983 ist vierzig Jahre später immer noch aktuell – aber ganz anders, als er gemeint war.
Warum das wichtig ist: Im Sommer 2026 brennen nicht nur Bürgersteige, sondern auch Wälder und Städte. Madrid und Bordeaux sind von Feuersbrünsten bedroht, in Sankt Petersburg und Moskau brennen Öllager und Warenhäuser, in Kiew und Odessa gehen Waffenmessen und Hafenanlagen in Flammen auf. Es ist ein “Cruel Summer” – in ganz Europa. Doch die Politik unternimmt – nichts.
- Die Hitzewellen und Feuersbrünste werden von der EU in Brüssel eher beiläufig zur Kenntnis genommen. “Die EU schickt Löschflugzeuge”, heißt es – doch die Hilfe kommt aus den Mitgliedsstaaten, die EU-Kommission hat bisher nicht einmal eine Krisensitzung einberufen. “Von der Leyen setzt die falschen Prioritäten”, schrieben wir vor einer Woche – diese Einschätzung hat sich leider bestätigt. Die Ukraine ist wichtiger als die Klimakrise!
- Der Krieg um die Ukraine eskaliert immer weiter und bedroht mittlerweile sogar die weltweite Versorgung mit Getreide. Vor vier Jahren hat die EU deswegen Alarm geschlagen und nach Vermittlung gerufen, die Türkei half damals aus. Diesmal gießt sie sogar noch Öl ins Feuer – mit dem 90 Mrd. Euro schweren Kriegskredit, von dem 60 Mrd. für das ukrainische Militär und Angriffe auf Russland bestimmt sind. Auflagen? Keine!
- Die Preise für Öl und Gas explodieren – wegen der neuen US-Angriffe auf Iran, aber auch wegen der ukrainischen Attacken auf Russland. Mittlerweile erreichen sie ähnliche Höhen wie zu Beginn des Ukraine-Krieges. Dies scheint Brüssel immerhin zu beunruhigen: “The European Commission is increasingly nervous as European natural gas prices surge to a three-and-a-half year high“, schreibt “Politico”. Doch die Politik unternimmt – nichts.
Auch für die Bürger wird es grausam
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Deshalb wird es auch für die Bürger ein “Cruel summer”. In Deutschland ist die Benzinpreisbremse ausgelaufen. Die Preise an den Tankstellen erreichen neue Rekorde, und das mitten in der Hauptreisezeit. Neue Hilfen wird es vorerst nicht geben – die Kassen sind leer, und Berlin und Brüssel sind strikt dagegen.
Wenn die Kriege im Nahen Osten und in Osteuropa unvermindert weiter toben, droht Europa nach dem “Cruel Summer” auch noch ein “heißer Herbst”. Steigende Preise und sinkende Einkommen treiben die Menschen auf die Barrikaden. In Brüssel haben sogar schon die Feuerwehrleute gestreikt!
A propos Brüssel: Hier wurde am 27. Juni ein ungewöhnlicher Anstieg der Todesfälle gemeldet. Es war der “zweit-tödlichste Tag des 21. Jahrhunderts”, meldet “Le Soir”. Schuld war kein Virus, sondern die Hitze. Bei Covid-19 wurde der Notstand ausgerufen – diesmal hat die EU nichtmal Beileid gespendet…
- Meine two Cents: Eigentlich wollte ich den letzten Newsletter vor der Sommerpause mit einem optimistischen Ausblick schließen. Doch angesichts der desolaten Lage in Europa fällt mir beim besten Willen nichts Positives mehr ein. Dennoch wünsche ich meinen Leserinnen und Lesern schöne Ferien – passen Sie auf sich auf! Der Blog läuft übrigens weiter…
- Der Ukraine fehlen die „Patriots“ – Pistorius gibt den Schutzpatron - 12. August 2026
- Sommerserie zu “heißen” EU-Themen: Der Machtwechsel in Ungarn - 11. August 2026
- Schengen-Chaos und Drohnen-Angst: Von der Leyen liefert nicht - 10. August 2026
Was war noch?
Das letzte Aufgebot. Er mußte nur Fraktionschef Spahn ersetzen, nun kommt eine große Personalrochade: Kanzler Merz hat sein Regierungsteam umgebildet und dabei nach Ansicht vieler Beobachter ein “Fisko” angerichtet. Der Grund: Der neue Gesundheitsminister Linnemann hat vor einem Jahr öffentlich erklärt, daß er nicht zum Gesundheitsminister geeignet wäre. Und einen neuen Verkehrsminister sucht Merz immer noch, nachdem er Amtsinhaber Schnieder ohne Angabe von Gründen schassen wollte. Auch die neue Kanzleramtschefin Warken ist keine überzeugende Wahl. – Das neue Team wirkt wie das letzte Aufgebot für eine CDU, die an Merz (ver-)zweifelt und nun offenbar stärker an die Kandare genommen werden soll. Merz wollte mit großen Reformen in die Sommerpause gehen – nun hat er neue, große Sorgen…
Die letzten Sanktionen gegen Russland? EU-Chefin von der Leyen feiert es als Erfolg: Nach tagelangem Gezerre und mit vielen Abstrichen haben die EU-Staaten doch noch das 21. Sanktionspaket gegen Russland verabschiedet. “At a time when Ukraine has built military momentum, our sanctions continue to weaken the economic foundations of Russia’s war effort“, schrieb von der Leyen. – Das Problem: Die Strafmaßnahmen, die sich u.a. gegen russisches LNG richten, schwächen auch die europäische Wirtschaft. Zudem hat der erbitterte Streit mit Griechenland, Deutschland, Frankreich, Italien, Portugal und Bulgarien gezeigt, daß die Unterstützung für die Ukraine bröckelt. Es könnten daher die letzten großen Sanktionen gewesen sein, schreibt die “Zeit”. Das wäre dann ja ‘mal eine gute Nachricht… – Mehr im Blog
Trump droht mit noch höheren Zöllen. Wegen einer EU-Strafe für Google hat US-Präsident Trump mit höheren Zöllen gedroht. Die EU werde einen “sehr hohen Preis” für die Wettbewerbsstrafe von 890 Mill. Euro zahlen. Er kündigte eine neue Zolluntersuchung an und begründete diese mit dem angeblichen “Ausrauben amerikanischer Unternehmen”. Trump schrieb weiter, den EUropäern werde “so bald wie möglich ein erheblicher Zoll auferlegt”. – Erst am Freitag war ein neuer Aufschlag von zehn Prozent für Einfuhren europäischer Produkte in die USA in Kraft getreten. Die EU zeigte sich danach zunächst erleichtert – nun ist sie wieder mal sprachlos…
Die meistgelesenen Beiträge der Woche:
Brüssel will Billionen-Markt für Beschaffung kontrollieren
Die europäische Präferenz (“Buy European”) nimmt Gestalt an. Brüssel möchte sie nutzen, um die Kontrolle über den Billionen-Markt für öffentliche Beschaffung zu übernehmen.
Die Unterstützung für die Ukraine bröckelt
Nun hat es auch die britische “FT” bemerkt: Die EU-Sanktionen gegen Russland schaden der europäischen Wirtschaft, die Unterstützung für die Ukraine bröckelt – nicht nur bei den Strafmaßnahmen.
Neue “Demokratie” in Ungarn: Staatschef zum Amtsverzicht genötigt
Ungarns Präsident Sulyok hat eine vom Parlament beschlossene Verfassungsänderung unterzeichnet, durch die er seines Amtes enthoben wird. Die neue Regierung Magyar trample auf Demokratie und Rechtsstaat herum, klagte er nach einem Ultimatum.
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26. Juli 2026 @ 16:52
“Die Hitzewellen und Feuersbrünste werden von der EU in Brüssel eher beiläufig zur Kenntnis genommen. “Die EU schickt Löschflugzeuge” …” Ach, jetzt sind Löschflugzeuge angesagt … und was ist mit Wachstum? Hat nix damit zu tun? Achso, dann ist ja gut.
26. Juli 2026 @ 10:09
Der Irrsinn in der Kriegslogik von verfeindeten Atommächten
Während jede Seite gewinnen will, weil sie davon überzeugt ist, sich keinen Kompromiss leisten zu können, verlieren beide Seiten. Und je mehr sie verlieren, desto verbissener wollen sie gewinnen, wobei sie unvermeidlich noch mehr verlieren. Die beidseitige Niederlage wächst proportional mit dem Willen zum Sieg. Niemand stellt diese verhängnisvolle Logik in Frage, und so stürmen alle siegessicher vorwärts auf dem Weg ohne Ausweg. Auf einmal ist alles möglich im Zeitalter der nuklearen Massenvernichtungswaffen, selbst die Apokalypse. Etwas, das unmöglich sein muss, wird von Tag zu Tag wahrscheinlicher.
Geniessen Sie den wohlverdienten Urlaub, Herr Bonse! Man weiss heutzutage nie, ob es der letzte ist.
26. Juli 2026 @ 12:11
Haha, ich hatte auch einen Moment überlegt, ob ich über den “letzten Sommer im Frieden” schreibe. Aber das erschien mir dann doch zu hart…
26. Juli 2026 @ 16:59
@Guido
Super Beobachtung, super Logik! Chapeau! https://www.youtube.com/watch?v=7F7i47HXPAA&list=RD7F7i47HXPAA&start_radio=1
26. Juli 2026 @ 09:45
Man liest im Netz, dass Spanien seine Loeschhubschrauber nicht einsetzen kann, weil sie unter die Sanktionen der EU fallen und demzufolge seit 2024 nicht gewartet und eingesetzt werden koennen.
https://x.com/PatriceCali/status/2081093441077772291
„For the second consecutive year, Spain is fighting wildfires without its Kamov Ka-32 helicopters .
These Russian aircraft (capacity of over 5,000 liters, excellent maneuverability) were among the most effective in Spain’s fleet .
Since 2024, they remain grounded: EU sanctions prevent obtaining the spare parts and the intervention of necessary Russian technicians to keep them operational“
26. Juli 2026 @ 12:10
Da scheint tatsächlich was dran zu sein. Wen nes stimmt, wäre es ein veritabler Skandal!
https://share.google/aimode/tu4ZUOPFSAMO9c3rk
25. Juli 2026 @ 15:19
“…gehen Waffenmessen … in Flammen auf…”
Also von mir aus kann gerne jede einzelne Waffenmesse auf diesem Planeten in Flammen aufgehen! DAS wäre mal eine gute Nachricht!
25. Juli 2026 @ 14:36
Nachtrag: Der tägliche Wasserverbrauch bezog sich auf München
25. Juli 2026 @ 14:34
Hat die EU nicht 2024 für 600 Millionen Euro Lösschflugzeuge bestellt? Kommen angeblich erst 2027 zur Auslieferung. Die Wälder in Südeuropa brennen doch gefühlt jedes Jahr. 1975 und 1996 brannte die Lüneburger Heide. Die größte Gefahr für Waldbrände geht vom Menschen aus durch Dummheit, Leichtsinn oder Vorsatz.
In Deutschland war der Juli 2025 total verregnet. Das Jahr 2024 ist in Deutschland komplett ins Wasser gefallen. Die Niederschlagsmengen lagen 20 Prozent über dem langjährigen Mittel. Im Rekordsommer 1976 lag der tägliche Wasserverbrauch bei 600 Millionen Liter täglich, heutzutage bei 300 Millionen Liter verhängt der grüne Oberbürgermeister bereits Verbote.
Wie will man eigentlich einen Wasserstoffhochlauf bewerkstelligen? Ohne Wasser? Gerade bei solchen Temperaturen muss der auf vollen Touren laufen. Um einen Liter Wasserstoff zu produzieren, braucht man neun Liter (hochgereinigtes) Wasser.
25. Juli 2026 @ 16:31
Nach meiner Meinung wäre ständige Bewässerung eine gute Präventivmaßnahme. Zum einen spart man Wasser, da nicht mehr gelöscht werden muss (und gießen sparsamer ist als löschen). Zum anderen geht die CO2 -Bilanz steil nach oben, da die CO2 – Speicher Nummer 1(Bäume) erhalten bleiben und die Löschflugzeuge nicht mehr zu fliegen brauchen.
26. Juli 2026 @ 16:55
@Mic
” gießen sparsamer … als löschen” Das glaubst Du doch selber nicht? Gießen für’s Wachstum? Löschen bringt mehr Umsatz, mehr Wachstum … (Ironie off)
25. Juli 2026 @ 14:07
Schönen Urlaub Ebo!
Die Welt ändert sich rasant, vielleicht gibt es im September ganz neue Aspekte.
25. Juli 2026 @ 15:10
Danke, das hoffe ich auch!
25. Juli 2026 @ 15:47
Auf von mir einen schönen Urlaub Ebo!
Und was die neuen Aspekte angeht @Erneuerung, so waren alle neuen Aspekte der letzten 4 Jahre EU-Politik mir Verschlechterungen für eine Vielzahl von Bürgern innerhalb und außerhalb der EU verbunden. Deshalb weiß ich gar nicht so recht ob ich mir neue Aspekte wünschen soll.
25. Juli 2026 @ 16:29
Merci, ebenso!