Corbyn und Tsipras bremsen May

Nach dem Giftgas-Angriff in Salisbury haben die EU-Außenminister Großbritannien uneingeschränkte Solidarität zugesagt. Doch die Schuldzuweisung von Premier May teilen sie nicht. Was steckt dahinter?

Nach Angaben von EU-Diplomaten stand vor allem Griechenland auf der Bremse. Die Regierung von Premier Tsipras habe Einwände erhoben. Und Tsipras hat einen prominenten Verbündeten.

Es ist der britische Oppositionsführer Corbyn. Auch er lehnt Mays Attacken und Schuldzuweisungen an Russland ab. Es fehlten Beweise, die Untersuchungen seien nicht abgeschlossen, so der Labour-Politiker.

Da hat der Mann recht. Erst jetzt sollen Experten der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) den Fall untersuchen. Die OPCW hatte im letzten Jahr festgestellt, dass Russland seine Giftgas-Bestände aufgelöst hat.

Das hinderte Kanzlerin Merkel und Frankreichs Macron freilich nicht, sich hinter May zu stellen. Dabei wird sonst jedes Wort der konservativen Britin infrage gestellt, beim Brexit traut ihr niemand über den Weg.

May war zuletzt völlig isoliert – vermutlich ist auch das ein Grund für ihre außenpolitische Offensive. Dass sie von Corbyn und Tsipras ausgebremst werden könnte, hat sie wohl nicht erwartet…

Doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Beim EU-Gipfel ab Donnerstag dürften wieder die Falken den Ton angeben. Dann könnte es neue Sanktionen geben Russland hageln.

 

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