Trouble in der Troika

Bricht die umstrittene internationale Troika der Euro-„Retter“ auseinander? Diese Frage, die Insider schon lange stellen, ist plötzlich akut geworden. Denn zwischen der EU-Kommission und dem IWF, die beide in der Troika vertreten sind, ist ein erbitterter Streit über Griechenland und den Sparkurs entbrannt.

Die Brüsseler Behörde dementierte heute Berichte, bei der Griechenland-„Rettung“ 2010 sei von Anfang an alles schief gelaufen. „Falsch und unfundiert“ seien die Einschätzungen des IWF, sagte ein Kommissionssprecher.

Der IWF hatte zuvor massive Fehler beim ersten Hilfsprogramm für Griechenland eingestanden. Die Wachstumsschätzungen seien zu optimistisch gewesen, die Hilfe zu niedrig, und überhaupt habe man nicht so recht gewusst, was zu tun sei.

Der Kommission sei es mehr um die EU-Defizitregeln als um Wachstum gegangen, zitiert das “Wall Street Journal” aus dem IWF-Bericht. Zudem habe es keine Bereitschaft gegeben, Athen mehr zu zahlen.

Das will Brüssel nicht auf sich sitzen lassen. Der Bericht des IWF lasse „die Vernetzung zwischen den Euro-Ländern außer Acht“ und ignoriere die damalige Crash-Gefahr für die Währungsunion.

Das mag sein, doch dafür haben wir nun Trouble in der Troika. Es gebe „grundlegende Meinungsverschiedenheiten“ mit dem IWF, räumte der Kommissionssprecher heute ein.

Neu ist das nicht. Schon im Herbst war der Währungsfonds von der einseitigen Sparpolitik in Euroland abgerückt. Währungskommissar Rehn hingegen hielt unbeirrt daran fest, genau wie Finanzminister Schäuble.

Neu ist jedoch, dass immer öfter von einem Ende der Troika die Rede ist. Der IWF möchte sich lieber heute als morgen zurückziehen; beim Bailout für Zypern war er nur noch mit 1 Mrd. Euro dabei.

Experten wie der frühere Chef des Thinktanks Bruegel, Pisani-Ferry, zweifeln bereits am Sinn der gesamten Konstruktion. Das Führungstrio müsse von Grund auf renoviert werden, wenn es überleben wolle, fordert er.

Doch die EU ist dazu offenbar nicht bereit. Brüssel und Berlin wollen nicht auf ihre lieb gewordenen, aber erwiesenermaßen gescheiterten Dogmen verzichten.

Auch dies zeigt das Beispiel Griechenland: Der IWF hatte schon im letzten Dezember einen weiteren Schuldenschnitt gefordert. Doch Berlin war dagegen. Nun hat sich der IWF auf seine Art gerächt…

Siehe auch „Falscher Aufschwung in Athen“