Die fatalen Folgen der Aufrüstung: Sozialabbau und Schuldenkrise

Die forcierte Aufrüstung fordert ihren Tribut: In Deutschland fällt ein Teil der Entlastung der Bürger aus, auf viele EU-Länder kommt eine neue Belastung zu. Außerdem drohen Sozialkürzungen.

Bei der Generaldebatte im Bundestag verteidigte Kanzler Merz seinen ersten Haushaltsentwurf. Er sieht eine massive Aufrüstung vor – nicht aber die versprochene Entlastung der Bürger etwa bei der Stromsteuer. Ab 2026 sind sogar Sozialkürzungen geplant, vor allem beim Bürgergeld.

Das ist aber noch harmlos im Vergleich zu dem, was auf andere EU-Länder zukommt. Insgesamt 15 Länder (plus Deutschland) wollen für die Aufrüstung neue Schulden aufnehmen und dafür die “nationale Ausweichklausel” nutzen.

Belgien, Bulgarien, Dänemark, Estland, Finnland, Griechenland, Kroatien, Lettland, Litauen, Polen, Portugal, die Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn können nun über vier Jahre zusätzlich 1,5 Prozent des BIP für Waffen ausgeben, ohne dass ein EU-Defizitverfahren droht.

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15 Länder machen Schulden für Waffen

In vielen Ländern besteht allerdings das Risiko, dass insbesondere Sozialausgaben, Gesundheitsprogramme und Bildungsinitiativen von Kürzungen betroffen sind. Denn das Geld für die Rüstung und/oder den Schuldendienst muß an anderer Stelle eingespart werden.

  • Beispiel Belgien: Der belgische Finanzminister warnt explizit vor Einschnitten im Sozialstaat als Folge der Verteidigungsausgaben.
  • EU-Ebene: In Brüssel wurden bereits Kürzungen bei Programmen wie Erasmus+, Horizon Europe und EU4Health beschlossen oder diskutiert, was mittelbar auch die Mitgliedstaaten betrifft
  • Politische Debatte: Sozialverbände und Gewerkschaften warnen vor den sozialen Folgen der Sparmaßnahmen und fordern, Kürzungen im Sozialbereich zu vermeiden.

Auch der dänische EU-Vorsitz warnt. Die Bemühungen der EU-Staaten, die Militärausgaben zu erhöhen, könnten ihre finanzielle Sicherheit untergraben, so die dänische Wirtschaftsministerin. Sie spricht von einem “Risikofaktor”.

Beim jüngsten Treffen der Finanzminister in Brüssel war das alles jedoch kein Thema. Die EU-Kommission tat so, als sei alles in bester Ordung – und brummte Österreich auch noch ein Defizitverfahren auf.

Merke: Schulden darfst Du nur für die Aufrüstung machen! Und für mögliche Risiken und Nebenwirkungen haftest Du ganz allein bei Deinen Wählern – die EU will damit nichts zu tun haben…

Siehe auch Eurogruppe nickt Sparkurs ab – außer bei der Rüstung

P.S. Frankreich und Italien wollen die Ausnahmeregel bei den Schulden übrigens nicht nutzen – denn die Staatsverschuldung ist schon jetzt zu hoch. Das gilt allerdings auch für Griechenland, Portugal und Belgien – dort droht die nächste Schuldenkrise…