Aufgelesen: Eine EU-Kampagne gegen russischen Einfluß in Afrika

In Brüssel ist Urlaubszeit. Wir nutzen das „Sommerloch“, um lesenswerte Beiträge anderer Blogs und Medien zu präsentieren. Heute ein Beitrag zum Streit um den Getreidedeal und zu russischen Lieferungen nach Afrika.

Die EU-Kommission warnt Afrika vor billigen Getreidelieferungen aus Russland. Sie seien keine Wohltat, sondern schafften neue Abhängigkeiten, sagt EU-Kommissar Joseph Borrell. Gratis-Getreide sei eine Waffe. Was steckt hinter diesem Vorwurf?

Der Hungernde wird nach dem Brot greifen, egal, wer es ihm reicht. Er muss essen, um leben zu können – für moralische Erwägungen hat er wenig Sinn. Doch wie Reuters berichtete, verlangt die Europäische Union genau das von den bedürftigen Staaten Afrikas.

Die Nachrichtenagentur zitiert ein Schreiben, das der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell verbreitet hat. Darin warnt er die Entwicklungsländer vor russischen Getreidelieferungen.

Moskau biete nur deshalb billiges Getreide an, heißt es in dem Papier, weil neue Abhängigkeiten geschaffen werden sollen.

Während die Welt mit Versorgungsengpässen und höheren Preisen zu kämpfen hat, tritt Russland nun an gefährdete Länder mit bilateralen Angeboten für Getreidelieferungen zu ermäßigten Preisen heran und gibt vor, ein Problem zu lösen, das es selbst verursacht hat.

Joseph Borrell

Dies sei eine zynische Politik, bei der Lebensmittel bewusst als Waffe eingesetzt würden. Zum einen werde die weltweite Unsicherheit bei der Nahrungsmittelversorgung verschärft, um Länder von sich abhängig zu machen.

Borrell spielt damit auf das Getreideabkommen an, das den sicheren Export von ukrainischem Getreide über das Schwarze Meer garantierte. Russland ließ es auslaufen, weil die Europäische Union ihren Teil des Abkommens nicht erfüllte.

Davon ist in dem Brief nichts zu lesen. Stattdessen ruft Borrell die Entwicklungsländer und die G20-Staaten auf, “mit einer klaren und einheitlichen Stimme” auf Moskau einzuwirken.

Russland solle zum Abkommen zurückkehren und aufhören, die landwirtschaftliche Infrastruktur der Ukraine anzugreifen.

Der Brief ist Teil einer Informationskampagne der Europäischen Union, die sich gezielt an afrikanische Staaten richtet. Sie wurde zum Auftakt des EU-Afrika-Gipfels am 23. Juli gestartet, erfuhr Telepolis aus EU-Diplomatenkreisen.

Russischen Versprechungen sollen vermeintliche Realitäten gegenübergestellt werden. Verantwortlich für die Kampagne ist die Abteilung Strategische Kommunikation (StratCom) in Borrells Behörde.

Umgangssprachlich: die Propagandaabteilung.

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