Wir strafen uns selbst


Heute beginnt also der europäische Wirtschaftskrieg gegen eines der wichtigsten europäischen Länder, Russland.

Anders als geplant, ist er keine Antwort auf einen russischen Einmarsch in der Ukraine.  Er ist auch kein Anreiz zu Verhandlungen mehr.

Es handelt sich einzig und allein um eine Strafmaßnahme, die die Uberlegenheit des Westens demonstrieren und Russland schwächen soll.

Man mag das für legitim und sogar für nötig halten. Zielfuhrend ist es nicht. Denn wir schaden uns selbst.

Schon jetzt lastet die Sanktionskrise auf dem Geschäftsklima. Adidas, VW und Shell spüren die Folgen in ihren Kursen und Bilanzen.

Die Sanktionen könnten nicht nur Russland, sonder auch die EU in die Rezession reißen. Das können wir uns eigentlich nicht leisten.

Auch politisch sind die Kosten enorm. Die Sanktionen bedeuten das Ende der Ostpolitik, einen Schlag gegen die UNO und die WTO.

Sie sind eine Kriegserklärung an die BRIC-Staaten und ein Signal, dass die EU das Ziel einer von den USA eigenständigen Außenpolitik aufgegeben hat.

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Vor allem aber strafen wir uns selbst, weil diese Sanktionen ohne Strategie daherkommen. Die Ukraine werden sie nicht retten.

Und EUropa werden sie nicht stärken, im Gegenteil. Doch wenn sich die gewünschten Effekte nicht einstellen, drohen weitere Sanktionen…

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4 Responses to Wir strafen uns selbst

  1. Wirtschaftswurm 1. August 2014 at 08:56 #

    Was werden eigentlich die Griechen machen? Die hoffen, dass ihre Wirtschaft dieses Jahr erstmals seit sechs Jahren wieder wächst. Und wenn das nun wieder nichts wird, diesmal wegen der Sanktionen? Ich glaube nicht, dass die Geduld der Griechen noch lange währt. Russland ist auch für Griechenland ein wichtiger Handelspartner.

  2. ebo 1. August 2014 at 09:44 #

    Gute Frage. Auch Zypern wird eine lange Russland-Krise kaum durchstehen. Vielleicht gibt es dann Extrageld aus dem ESM – wegen besonderer Umstände….?

    • Johannes 1. August 2014 at 14:40 #

      Oh ja Ebo, darauf warte ich als Eurokritiker nur, dass es wegen dem Russlandstreit Geld gibt. Uhhh ja, hoffentlich macht das die EU, hehehehehehe.

      Ansonsten wirklich angenehm hier neutrale Standpunkte lesen zu können, es tut so gut. Danke.

  3. Tim 1. August 2014 at 16:12 #

    Dem kann man nur 100%ig zustimmen. Wie im Nahen Osten mit dem sorgfältig gepflegten Gegensatzpaar Saudi-Arabien/Iran und zunehmend auch in Asien verfolgen die USA die bewährte Taktik „divide et impera“. Nur in einer konfliktreichen Welt können die USA die „indispensable nation“ bleiben. Ein sich bedroht fühlendes Europa sehnt sich natürlich viel stärker nach starken amerikanischen Schultern als ein völlig gesicherter Kontinent. Daß man dabei auch den bewährten Block des Bösen Rußland/China stärkt, gehört ja ohnehin seit langem zur amerikanischen Strategie.

    Und die EU spielt dick & doof mit. Ein Gebilde, dem noch vor 20 Jahren die Hoffnungen der ganzen Welt gehörten.

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