Une question allemande

Die deutsche Frage ist wieder da. Doch diesmal sind es nicht aufsässige Griechen, europamüde Briten oder nationalistische Polen, die die deutsche Dominanz in der Europäischen Union herausfordern.


Diesmal ist es ein sympathischer, junger Franzose, der sich zur offen Freundschaft mit Deutschland bekennt und voll auf dem neoliberalen Trip der Kanzlerin ist:

Emmanuel Macron, der achte Präsident der fünften Republik, wirft die alte Frage nach der deutschen Rolle in Europa neu auf.

Die “question allemande” ist wieder da, diesmal in einem europäischen Gewand. Genau genommen geht es um zwei Fragen:

  • Kann Macron Frankreich wieder zu einem ebenbürtigen und gleichberechtigten Partner Deutschlands machen, indem er die neoliberalen Reformen auf die Spitze treibt?
  • Und wird Deutschland sich erneut auf die alte deutsch-französische Dialektik einlassen und Kompromisse mit Macron suchen, die die gesamte EU voranbringen?

Die erste Frage wird vor allem in Berlin gestellt, die zweite in Paris und Brüssel. Beide sind für die Zukunft Europas entscheidend.

Der deutsch-französische Motor ist tot

Dabei kann es nicht darum gehen, das alte “Direktorium” wiederzubeleben, mit dem Angela Merkel und Nicolas Sarkozy die EU mehr schlecht als recht durch die Eurokrise geführt haben.

Der deutsch-französische “Motor” ist tot und wird auch nicht wieder angeworfen. Genauso überholt ist aber auch das Modell, mit dem Merkel ihre Macht nach Sarkozys Abgang gesichert hat.

Die Niederlande und Finnland dienten ihr als Juniorpartner, gemeinsam mit Großbritannien hat sie Frankreich klein gehalten.

Hollande wurde ausgebootet

Das war kein Zufall, auch nicht aus der Not geboren, wie in Berlin gern behauptet wird. Frankreich war unter Sarkozys Nachfolger Hollande nicht über Nacht “ausgefallen”.

Die politische und wirtschaftliche Krise in Paris war nie so groß, als dass Berlin den Nachbarn völlig ignorieren konnte. Merkel und ihr Finanzminister Schäuble haben Frankreich vielmehr bewusst ausgebootet, um ihren Kurs in der EU durchzusetzen.

Doch nach dem Brexit geht das nicht mehr ohne weiteres. Deutschland geht mit dem britischen EU-Austritt der wichtigste Partner für eine neoliberale Politik verloren, Frankreich gewinnt relativ wieder an Gewicht in Europa.

Macron nicht links liegen lassen

Mit Macron zieht zudem ein Mann in den Elysée-Palast ein, den man nicht ohne weiteres als “Lame Duck” abtun und als ewiggestrigen Sozialisten links liegen lassen könnte.

Das macht die Lage für Merkel und Schäuble schwieriger. Der Ball liegt nun in ihrem Feld, die längst gelöst geglaubte  “question allemande” stellt sich neu.

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