Total abhängig

Die Türkei hat den “totalen Krieg gegen den Terror” ausgerufen – auch und besonders gegen die Kurden in Syrien. Damit dürfte die Zusammenarbeit mit der EU beendet sein, sollte man meinen. Weit gefehlt.


[dropcap]N[/dropcap]ormalerweise müssen sich EU-Beitrittskandidaten an die europäische Außenpolitik anpassen. Diese sieht eine Waffenruhe in Syrien, Kampf gegen den IS und Unterstützung für Kurden vor, die den IS bekämpfen.

Genauer: Sie sah all das vor. Denn seit die Türkei in Syrien einmarschiert und den “totalen Krieg” gegen IS und Kurden ausgerufen hat, hat die EU nichts mehr zu melden. Sie hat keine Stimme mehr.

Das liegt nicht nur daran, dass Kommissionschef Juncker und Außenbeauftragte Mogherini ihr eigenes Ding machen. Es liegt auch nicht nur daran, dass es jetzt um Realpolitik geht, im Schlepptau der USA.

Nein, es liegt vor allem daran, dass die EU-Vormacht Deutschland die Türkei-Politik mehr denn je als verlängerte Innenpolitik begreift – und dass sich Kanzlerin Merkel total abhängig gemacht hat.

Merkel hat eine Heidenangst vor einem Scheitern ihres Flüchtlingspakts mit Sultan Erdogan. Und sie hat – wie im ARD-Sommerinteriew bekräftigt – Heidenangst davor, innertürkische Konflikte zu importieren.

Sie will keinen Ärger mit den Deutsch-Türken und der AKP. Sie klammert sich an den Flüchtlingsdeal, weil sonst ihre Kanzlerschaft – oder ihre erneute Kandidatur – gefährdet wäre. Merkel hängt an Erdogan.

Und der macht derzeit, was er will. Bald werden die ersten EU-Politiker auf Knien in seinen Palast rutschen. Bald werden wir Gülen-Anhänger oder solche, die Erdogan dafür erklärt, nach Ankara ausliefern.

Es sei denn – die EU besinnt sich auf ihre eigenen Stärken und löst sich aus der türkischen Umklammerung. Dazu müßte sie allerdings auch auf Distanz zu Merkel gehen. Klingt nicht sehr wahrscheinlich…

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