Sie reden von Stabilität

Der Brexit wird zum Konjunkturrisiko, die Bankenkrise zum Systemrisiko für EUropa. Doch was machen die EU-Finanzminister? Sie strafen Portugal und Spanien – und zielen auf Frankreich. Geht’s noch?


Historisch soll sie sein, und wegweisend noch dazu. Das sagte W. Schäuble nach der Entscheidung der EU-Finanzminister, Strafen gegen zwei Euroländer zu verhängen, weil sie vom Spardogma abweichen.

Portugal und Spanien werden nun abgestraft, als nächstes soll Frankreich folgen. Ihnen wird vorgeworfen, ein „exzessives Defizit“ im Staatshaushalt auszuweisen (dabei ist es kaum höher als in UK).

Deshalb sollen sie nun Strafen zahlen und weniger EU-Hilfen bekommen. Allein das ist schon ein Widerspruch in sich. Wie soll ein Defizit abgebaut werden, wenn man dem „Defizitsünder“ Geld wegnimmt?

Offenbar ist da ein Fehler im System. Er wird auch nicht dadurch besser, dass die nun fällige Strafe auf eine symbolische Höhe von Null Euro angesetzt werden könnte.

Denn auf Finanzhilfen aus den EU-Strukturfonds sollen die „Übeltäter“ auf jeden Fall verzichten, sagt Oberlehrer Schäuble. Strafe muss sein! Wirklich?

Nein, denn die Strafen machen nur Sinn, wenn sie die Stabilität des Euro sichern. Das ist ja die Idee hinter dem verschärften Stabilitätspakt, der der Entscheidung zugrunde liegt.

Es kann jedoch keine Rede davon sein, dass Portugal oder Spanien derzeit ein Stabilitätsrisiko sind. Niemand schert sich um ihre Defizite. Die Gefahr liegt ganz woanders.

Sie liegt im Brexit und seinen Folgen: Die EU-Kommission rechnet mit weniger Wachstum, was die neue wirtschaftliche, soziale und politische Risiken für die Eurozone bringt.

Eine weitere Gefahr liegt in der Bankenkrise, die vor allem Italien erschüttert, aber nicht nur. Auch die Deutsche Bank ist ein Systemrisiko, warnt der Weltwährungsfonds.

Doch zu diesen Risiken sagen die Finanzminister nichts. Statt sich um die wirklichen, akuten Probleme in Europa zu kümmern, klammern sie sich an ihre Regeln wie an einen Strohhalm.

Damit sichern sie aber nicht etwa Stabilität, sondern schaffen neue Unsicherheit. Wenn die EU zwei Wochen nach dem Brexit nichts Besseres zu tun hat, als sich selbst zu bestrafen, dann gute Nacht…

 

 

 

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32 Responses to Sie reden von Stabilität

  1. S.B. 13. Juli 2016 at 08:51 #

    Man kann sich nur immer wieder verwundert die Augen reiben, in welch masochistischer Art sich die Südländer nach wie vor Brüssel unterordnen. Beinahe könnte man meinen, sie stehen auf die SM-Spiele der EU. Jeder, der ein bisschen Krips in der Rübe hat und ein wenig Stolz, wäre schon längst aus diesem Projekt “getürmt”, so wie die Briten. Irgendwo müssen scheinbar die Vorteile einer EU/Euro-Mitgliedschaft noch überwiegen, um diesen Leidensdruck auszuhalten. Meiner Ansicht nach, ist der Grund allerdings in den politischen Führungen dieser Länder zu suchen, die – offen oder verdeckt – “überzeugte Europäer” sind und das gescheiterte Projekt aus ideologischen Gründen nicht aufgeben wollen. So führen sie ihre Länder immer tiefer in den Ruin.

    • Hermann 13. Juli 2016 at 10:04 #

      Es werden, wie in D auch, sicher die gelenkten Leitmedien an den Desinformationen der Bevölkerung verantwortlich sein. Die pol. Führer treiben nicht nur ganze Länder in den Ruin. Sie heizen damit auch die Stimmung der einzelnen Völker(Mitgliedstaaten) gegen einander auf. Ich erinnere nur an die übermächtige Stammtischparole, Deutschland muß für die faulen Griechen zahlen. Daß Deutschland für französische und deutsche Banken mit jeder Tranche an Griechenland zahlen, wird wohlwissentlich verschwiegen.
      Eine EU die Frieden und Wohlstand schafft? Nun ja, bei Juncker, Schultz, Öttinger und anderen abgehalfterten Politikern in den eigenen Taschen. Wie anders kann es sein, daß ein Komiker namens Sonneborn Einzug in Brüssel gefunden hat. Von den hierzulande Verfechtern der EU, Merkel, Gabriel, der schwarzen Null(das meine ich wie es da steht) möchte ich garnicht erst anfangen. Aber Hauptsache, ohne EU wären schon längst wieder Kriege in Europa ausgebrochen.
      EU, Garant für Frieden, Garant für Arbeitslosigkeit, Garant für Sozialabbau

  2. Hermann 13. Juli 2016 at 09:37 #

    Ich kann, nicht nur zu diesem Thema, die tägliche Lektüre der Nachdenkseiten empfehlen.
    Im speziellen Fall hier der Link:
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=34180#h01
    Es geht um die Eurogruppe. Und hier wird auch die hirnrissige Politik dargelegt. Soll heißen, wer kein Geld hat wird zu Strafzahlungen verurteilt. In der gleichen Weise soll sich ja auch Griechenland sanieren.

  3. Claus 13. Juli 2016 at 09:46 #

    Ich lese: „Die EU-Kommission rechnet mit weniger Wachstum, was die neue wirtschaftliche, soziale und politische Risiken für die Eurozone bringt.“
    Ist „Wachstum“ immer noch das Allheilmittel der Politik? Was hat das “Wachstum“ der letzten 30 Jahre an sozialen, politischen oder wirtschaftlichen Vorteilen gebracht? Dem EU-Normalbürger doch eigentlich keine, dafür aber den Wohlhabenden durch eklatante Vermögensumverteilung von „Unten“ nach „Oben“, bestes Beispiele hierfür sind die Profiteure der Draghi-Nullzinspolitik, ausschließlich verordnet für „Wachstum“. Die Profiteure hiervon spielen in der Vermögensliga bereits alle ziemlich weit oben und blasen kräftig den nächsten Ballon im Aktien- und Immobilienbereich auf, während die Normalbürger über Sparbuch und Lebensversicherung (inkl. Mieterhöhung durch Immobilienblase) kalt enteignet werden.
    Meine These: „Wachstum“ bringt im Moment nichts, außer dass es der Politik helfen würde, Staatverschuldungen zu erhöhen oder zu verschleiern. Ein Paradigmenwechsel ist angesagt.

  4. Andreas 13. Juli 2016 at 09:50 #

    Endgame…

  5. Peter Nemschak 13. Juli 2016 at 09:56 #

    Ganz so schlecht scheint es in Europa nicht zu laufen, wenn man die endlosen Touristenströme auf den Autobahnen und die überfüllten Flughäfen betrachtet. Die Strafen für Spanien und Portugal werden eher symbolischen Charakter haben. Offenbar wurden in beiden Ländern vor den Wahlen Wahlgeschenke verteilt. Das Ausmaß der italienischen Bankenkrise, welche Banken akut betroffen sind, wird man Ende Juli nach den Stresstests sehen. Dann wird auch feststehen, was auf die Gläubiger zukommen würde, wenn man die Regeln strikt umsetzt. Ironie bzw. “Gerechtigkeit” des Schicksals: jene Italiener, welche mit dem Geld hinterzogenener Steuern Bankanleihen gekauft haben und nun verlieren würden, hätten ihre Steuern verspätet, aber nun doch entrichtet. Italiener sind dafür bekannt, dass sie ihrem Staat lieber Geld leihen als Steuern bezahlen. Ich rechne mit einem Kompromiss.

    • Hermann 13. Juli 2016 at 11:13 #

      ” Die Strafen für Spanien und Portugal werden eher symbolischen Charakter haben.”
      Wovon träumen Sie eigentlich nachts?
      Spanien und Portugal werden genauso ausgeblutet wie Griechenland. Nicht umsonst lädt Merkel Jugendliche aus den südlichen Ländern ein, eine Ausbildung in D zu absolvieren, obwohl hier nicht alle Jugendlichen eine Ausbildungsstelle erhalten. Zu welchem Zweck wohl?

      • Peter Nemschak 13. Juli 2016 at 13:22 #

        Von Ausbluten kann doch keine Rede sein. Der Süden Europas war lange vor Merkel und dem Euro eine strukturschwache, politisch korrupte und wirtschaftlich zurückgebliebene Region. Daran konnten auch Geldspritzen aus dem Norden wenig helfen. Die Probleme im Süden sind hausgemacht und müssen vorrangig vor Ort gelöst werden. Weder Deutschland noch die EU können die korrupte Verwaltung der Stadt Rom und den Klientelismus in Griechenland und Spanien ändern. Daher hat sich der EURO zunehmend zum Klotz am Bein der Staaten entwickelt. Die Hoffnung, dass der EURO zur Entwicklung des Südens beitragen wird, hat sich nicht erfüllt. Das billige Geld ist nicht in Investitionen sondern in Spekulation, Korruption und öffentlichen Konsum geflossen. Daraus muss man Konsequenzen für die Zukunft ziehen. Ein Umverteilungseuropa im großen Stil zwischen den Regionen ist politisch unrealistisch. Daher wird man sich geordnete Ausstiegsmöglichkeiten aus dem EURO überlegen müssen. Hat aus Ihrer Sicht Professor Sinn, der die hohen Target-Salden zuungunsten des Nordens kritisiert hat, recht oder nicht?

      • ebo 13. Juli 2016 at 13:46 #

        Bitte nicht immer diese Klischees. In Frankreich lag das Pro-Kopf-Einkommen lange höher als in Deutschland. Die Italiener sind im Durchschnitt reicher als viele Deutsche – wegen Haus- und Wohnbesitz. Aus Griechenland kamen schon in den 50er legendäre Milliardäre, J. Onassis ist Ihnen doch noch ein Begriff? Demgegenüber lag das “protestantische”, “pragmatische” Großbritannien bis zum EU-Beitritt am Boden, weit abgeschlagen hinter Frankreich. Wie man sieht, hat die EU den Briten genutzt, der Euro hingegen hat Frankreich und vor allem Italien geschadet.

      • Skyjumper 13. Juli 2016 at 14:17 #

        @ ebo

        Wenn schon gegen Klischees, dann bitte keine neuen implizieren. Das Durchschnittseinkommen von Deutschen und Franzosen unterscheidet sich derzeit um knapp 1.000,- € zugunsten des deutschen Durchschnittseinkommen. Pro Jahr! Rechnet man in Kaufkraftparitäten reduziert sich die Differenz auf nahezu Null.
        Das Italiener im Durchschnitt reicher sind ist gleichfalls ein Thema welches mit Vorsicht behandelt werden sollte. So werden bspw. Privatrentenansprüche in der Regel bei der Ermittlung der Vermögen nicht kapitalisiert. Da Italiener eher in Immo’s, Deutsche dagegen eher in Rentenverträge investieren ist hier bereits von vornherein ein Ungleichgewicht.

        Zu Ihrer Betrachtung Großbritannien fällt mir ein: Offenbar hilft der Binnenmarkt allen, der Euro dagegen schadet allen. Und nun? Lassen wir dieser Erkenntnis Konsequenzen folgen und schaffen den Euro endlich wieder ab?

      • ebo 13. Juli 2016 at 14:34 #

        @Skyjumper. Ja, heute haben die Deutschen etwas mehr in der Tasche, das war um das Jahr 2000 aber noch nicht so (vor dem Euro). Was die Italiener betrifft, da streiten sich die Gelehrten. Im Unterschied zu den Deutschen legen viele ihr Geld in Staatsanleihen an. Deshalb ist auch der Schuldenstand des italienischen Staats mit Vorsicht zu genießen; Italien ist weniger im Ausland verschuldet als bei seinen eigenen Bürgern. Was UK betrifft: Ohne Binnenmarkt werden sich die Briten noch ganz schön umschauen!

      • Skyjumper 13. Juli 2016 at 17:25 #

        @ ebo

        Primär ging es mir auch genau darum, klar zu machen dass die von Ihnen angesprochenen Punkte bei einer Beurteilung/einem Vergleich mit Vorsicht zu geniessen sind solange man die Statistik nicht selbst gefälscht hat.

        Zum Einkommen Franzosen vs. Deutsche lassen Sie mich aber noch anführen, dass Sie “nur” nominal Recht haben mit Ihrer Aussage. Sowie Sie die Kaufkraftparität hinzuziehen lagen die Franzosen auch schon 1999 geringfügig hinter den Deutschen. Aber wir sprechen bei den beiden Ländern eh über Minimalabweichungen zueinander.

        UK: Ja, natürlich werden die Briten ohne Binnenmarkt (wenn es denn wirklich dazu kommt) Einbußen haben. Allerdings weniger als uns vielfach der Eindruck vermittelt werden soll, bzw. es die deutsche Sichtweise nahelegt. In Deutschland würde uns das nämlich härter treffen da DE noch eine Industriequote von rund 22 % hat.

        Ein Nachteil der Briten aus den letzten Jahren generiert sich nämlich nun unversehens wieder zum Vorteil. Im Gegensatz zu 2000, wo die Industrie noch einen Anteil von 20 % am britischen BIP hatte, liegt diese Quote aktuell nur noch bei (sehr niedrigen) 9 %. Entsprechend gering werden auch Auswirkungen einer etwaigen Schwächungen der britischen Industrie auf die britische Gesamtwirtschaft sein. Worauf es für die Briten wirklich ankommt ist der Finanzsektor. Wenn die EU den torpedieren sollte bekommen die Briten ein wirkliches Problem (aber auch die EU).

  6. kaush 13. Juli 2016 at 10:56 #

    “Damit sichern sie aber nicht etwa Stabilität, sondern schaffen neue Unsicherheit.”

    Ich würde das Gegenteil behaupten.

    Diese EU und dieser Euro überleben nicht. Das ist mit diesem Personal absolut sicher.

    Beim Thema Wachstum, muss ich an ein Lied von Saltatio Mortis denken:

    Wachstum über alles

    • Hermann 13. Juli 2016 at 11:21 #

      Ich bin eine andere Generation als Du, geb 1953, kann mit diesem Video nichts anfangen. Ich gebe Dir allerdings recht, weder Euro noch EU werden überleben. Und der Überlebenskampf wird immer hektischer vorangetrieben. Schließlich müssen sich die Granden ja ihre Pfründe sichern.

  7. S.B. 13. Juli 2016 at 11:26 #

    “Mutti” Merkel gibt defacto schon wieder eine – konkludente – Sparer-Garantie ab, damit die Deutschen bloß nicht “besorgt” zur Bank rennen und ihr Geld abheben. http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/07/13/merkel-es-gibt-keine-neue-euro-krise-wegen-italien/

    Gut, wenn das schon erledigt ist… 😉

    • Claus 13. Juli 2016 at 12:12 #

      O-Ton Merkel: „Ich bin sehr überzeugt, dass diese Fragen, die dort zu entscheiden sind, gut gelöst werden können.“ (!)
      Oh, oh – “sehr” und “gut” lassen aber garnichts Gutes vermuten!

  8. Hermann 13. Juli 2016 at 15:20 #

    @Peter Nemschak
    Natürlich wird der Süden ausgeblutet. Und Aussagen wie “politisch korrupt” und “wirtschaftlich zurückgeblieben” lasse ich nicht gelten.
    Korrupt trifft auch bes. auf Luxemburg und Deutschland zu. In D wird allerdings durch die Staatsmedien der Haß der Bevölkerung auf Arbeitslose und Südländer gelenkt. Die Steuerhinterzieher werden doch nicht erwähnt. Oder sollte ich etwas überlesen haben?
    Was die Wirtschaftlichkeit angeht, gerade der Süden bezieht seine Einnahmen überwiegend aus Tourismus und landwirtschaftlichen Produkten. Diese mit Nationen wie z.B. Deutschland als Industriestandort, Luxemburg, neben Frankfurt, als Finanzzentrum und Steuerparadies unter ein Fehlkonstrukt wie den €uro zu vereinen, war der größte Fehler. Wie kann ein Land mit Tomaten, Oliven, Offenherzigkeit gegenüber Touristen gegen Schwerindustrie mit Lohndumping anstemmen?
    Machen Sie sich einmal schlau. Deutschland ist Dank seines Exportüberschusses (dank entsprechend niedrigen Löhnen) für die Misere im Süden verantwortlich. Da kann die schwarze Null in seinem Rollstuhl noch so grinsen. Auch er trägt Mitverantwortung an der Verelendung und Verarmung der dortigen Bevölkerung.
    Jugendliche, die ihre Heimat aufbauen könnten, werden nach Deutschland gelockt. Und hier werden sie Leiharbeitsfirmen oder menschenverachtenden Werksverträgen ausgeliefert.
    Mich kotzt diese EU einfach nur an. Ich entschuldige mich für den harten Ausdruck.
    Alle europäischen Nationen waren unter der EWG mit eigener Währung und Unabhängigkeit von Brüssel besser bedient.

  9. Peter Nemschak 13. Juli 2016 at 16:09 #

    @ebo Deutschland haben die (von manchen verhassten) Schröderschen Reformen wirtschaftlich sehr weitergeholfen. Die Früchte erntet heute die Regierung Merkel zum Verdruss der Linken. Das hat mit dem Euro nichts zu tun. Frankreich könnte heute wirtschaftlich besser dastehen, wenn es entsprechende Reformen durchzieht. Wenn nicht, wird es weiter hinter Deutschland zurückfallen und ewig in der Rolle des Juniorpartners bleiben. Die Zukunft wird zeigen, welches Wirtschaftsmodell sich in Europa durchsetzen wird. Im übrigen ist nicht gesagt, ob Großbritannien vom Binnenmarkt ausgeschlossen wird. Die Gretchenfrage wird sein, wie das Thema Binnenmigration gelöst wird. Ich könnte mir vorstellen, dass das UK und die Schweiz eine ähnliche Regelung mit einer Notbremse anstreben werden. Umgekehrt werden die Mitgliedsstaaten der EU soziale Anreize für Binnenmigration weitgehend einschränken. Hier wird sich ein Kompromiss finden lassen. Jedenfalls hat weder die EU noch Großbritannien ein Interesse daran, die wechselseitigen Wirtschaftsbeziehungen einzuschränken. Die von manchen erhoffte Sozialunion sehe ich allerdings in den nächsten Jahren nicht kommen. Zu unterschiedlich sind die wirtschaftlichen Voraussetzungen in den Mitgliedsländern. Die reicheren Länder wollen für die ärmeren nicht zahlen. Das hat sich seit der Krise deutlich gezeigt. Der Kreis der Euroländer wird vermutlich kleiner werden, manche Mitgliedsländer werden sich stärker als andere integrieren. Die Lehre der letzten Jahre: es gibt kein “one size fits all” was Integration betrifft.

    • Hermann 13. Juli 2016 at 17:10 #

      Ich profitiere als Hartzer auch von den Schröderschen Reformen. Habe jetzt noch 11,47€ für den Rest des Monats.
      Geholfen haben eben diese Reformen nur den geldgierigen Großunternehmern und Aktionären.
      Von welcher Fraktion sind Sie eigentlich? Sicher von Beruf Sohn. Oder haben Sie ein Unternehmen geerbt? Profitieren Sie von ausbeuterischen Niedrigstlöhnen? Ein Arbeitnehmer, entlohnt(allein der Begriff “Lohn” ist schon ein Hohn) entsprechend der von Ihnen gelobten Reformen, sind Sie jedenfalls nicht.
      “Frankreich könnte heute wirtschaftlich besser dastehen, wenn es entsprechende Reformen durchzieht.”
      Klar, auch die Arbeiter in Frankreich ausbeuten! Niedrigstlöhne! Zweitjob! Flaschensammeln bei Renteneintritt!
      Schröder und Maschmeyer sei tausendfacher Dank geschuldet.
      Und was Merkel anbelangt. Ihre Regierung hat die Situation noch verschärft. Sie und die CDU (wofür steht das C nochmal? Ist mir entfallen) haben die Zahlungen in die Rentenversicherung für Arbeitslose eingestellt.
      Nennen Sie mir die Früchte, abgesehen von geschönten Arbeitslosenzahlen, die A. Merkel heute erntet.

    • alex 13. Juli 2016 at 20:22 #

      @P. Nemschak: wenn sie schreiben, dass die Schröderschen Reformen nichts mit dem Euro zu tun haben, dann zeigt dies nur, dass sie das Funktionieren einer Währungsunion nicht im Ansatz verstehen, eigentlich erstaunlich bei ihrer Berufslaufbahn (wenn es stimmen, dass sie Banker waren). Ich möchte sie anregen, einmal darüber nachzudenken, was in einer Währungsunion passiert, wenn die jeweiligen Länder dieser Union ihre Gesamt-Lohnentwicklung nicht an die jeweilige nationale Produktivitätsentwicklung koppeln. Genau das Ergebnis (divergierende Wettbewerbsfćhigkeit) können wir nämlich seit Jahren beobachten. Warum das so ist werden sie sicher selber herausfinden können, wenn sie nur etwas nachdenken bzw. es wollen.

  10. Winston 13. Juli 2016 at 17:15 #

    Der Fall Italien gibt wirklich Rätsel auf. Italien müsste wie kein anderes Land in der EZ wissen, das der Euro nicht funktionieren kann. 1992 trat Italien aus dem EWR aus, zusammen mit UK aus genau diesem Grund. 1995 erzielte Italien den höchsten Exportüberschuss seiner Geschichte und die Wirtschaft brummte, Italien überholte sogar BIP mässig UK, trat dann 1996 trotzdem und aus unerklärlichen Gründen dem EWR wieder bei und kurz danach dem Euro, das italienische Desaster nahm dann ihren Lauf, bis heute. Die italienischen Wirtschaftsdaten seit 1998, technische Einführung des Euros, sind ein einziges Horrorkabinett. Als Berlusconi 2011 den Euro in Frage stellte, wurde er sofort fallen gelassen und durch den Euro Turbo Monti ersetzt, dieser brach der italienischen Binnennachfrage das Genick. Die italienische Binnennachfrage macht 75% des italienischen BIP’s aus, dies ist die Hauptursache der italienischen Banken und Wirtschaftskrise.

    Und jetzt kommts, der EWR war wesentlich flexibler als der Euro. Entweder sind die Italienische Politiker Ökonomisch total umnachtet oder schlicht und einfach Dumm, anders ist das nicht zu erklärten. Das Krisenmanagement der italienischen Politiker bezüglich Migranten, Banken und Wirtschaftskrise kann man nur noch als Surreal bezeichnen.

    • Peter Nemschak 13. Juli 2016 at 18:51 #

      Frage: warum soll der EURO Italien deindustrialisiert haben, während das für Deutschland nicht der Fall war?

      • Skyjumper 13. Juli 2016 at 22:28 #

        Weil Italien früher zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit seiner Industrie die Währung abgewertet hat, was seit der Euroeinführung nicht mehr geht. Der Euro ist viel zu stark für die italienische Wirtschaft. Und weil Deutschland im Gegenzug (erzwungen durch die Wiedervereinigungsfolgen) im Zuge der Agenda 2010 gleichzeitig eine “innere Abwertung” durchgezogen hat indem die Produktivitätssteigerungen nicht in Lohnerhöhungen, sondern in niedrigeren Preisen, umgesetzt wurde.

        Um das ganze nicht zu einseitig zu betrachten muss man hinzufügen, dass in Italien noch der Sonderfaktor “Textilindustrie” hinzukommt. Diese ist seit dem Wegfall des eisernen Vorhangs im permanenten Niedergang begriffen, was mit dem Euro nichts zu tun hat. Früher extrem stark, ist sie heute nur noch ein Schatten ihrer selbst. Und die Arbeitsplätze die es dort noch gibt dürften mit die am schlechtesten bezahlten Stellen in Europa sein.

      • Winston 13. Juli 2016 at 23:27 #

        1. Italien ist “noch” nicht deindustrialisiert. Problem Italiens ist, das es wenig Grosskonzerne hat, dafür extrem viele KMU’s die hauptsächlich vom Binnenmarkt leben und weniger vom Export. Italien ist immer noch zweit grösste Manufaktur Nation Europas hinter Deutschland, trotz Krise.

        2. Der Euro ist für Deutschland ca. 20-30% unterbewertet für Italien ca. 25% überbewertet.
        Beispiel: Deutschland kehrt zur DM zurück und Italien zur Lira. Die DM wertet ggü. der Lira um 25% auf. Das bedeutet z.B das ein VW Golf in Italien 25% mehr kostet als ein ähnliches italienische Produkt z.B den Alfa Romeo Giulietta, des Absatz vom VW Golf in Italien sinkt der der Giulietta steigt, obendrauf wird der Giulietta in Deutschland billiger, das ist nur ein Beispiel. Eine 25% innere Abwertung ist politisch nicht durchführbar, genau so wie Transferzahlungen, deshalb gehört der Euro abgewickelt. Deutschland würde sich mehr auf die Binnennachfrage konzentrieren, das käme vor allem der Arbeiterschaft zu gute kommen, Wohlstand und Zufriedenheit würden zunehmen. Die Menschen waren vor der Euroeinführung viel zufriedener als heute mit dem Euro, auch in Deutschland, obwohl Deutschland damals nicht so ein gigantischer Exportüberschuss hatte. Noch nie waren die Völker Europas seit 1945 so zerstritten wie heute.

        Wenn sie meinen das die Lira die einzige Währung war die ggü der DM abgewertet hat liegen sie falsch, die DM hat ggü fast allen Staaten aufgewertet ausser Japan und seinen Satellitenstaaten, Österreich und Benelux Staaten. Je mehr man exportiert desto höher die Nachfrage der entsprechender Währung, Folge die Währung wertet auf, der Handel gleicht sich wieder aus, das ganze nennt sich Währungsmechanismus. Schauen sie mal auf die Handelsbilanz Deutschlands vor 1998, diese pendelte bei +-0% manchmal drüber manchmal darunter, nennt sich ausgeglichene Handelsbilanz.
        Wenn man sich heute die Handelsbilanzen verschiedener Staaten anschaut, nicht nur die Deutsche, merkt man das da irgendwas gewaltig schief läuft. Bretton Woods lässt grüssen. Dazu macht sich Europa durch seine Exporthybris total abhäng von den USA.

      • Winston 13. Juli 2016 at 23:45 #

        Dazu ist eine frei floatende Währung sehr liberal. Deshalb waren ja auch Milton Friedman so gegen den Euro und auch Rüdiger Dornbusch. Friedman und Dornbusch waren alles andere als Linke Ökonomen, wie Stiglitz oder Krugman, kamen allerdings zum selben Schluss.
        Schade das Friedman und Dornbusch gestorben sind, ihre Meinung heute zum Euro hätte mich sehr interessiert.

    • mister-ede 16. Juli 2016 at 12:36 #

      Ich denke schon, dass eine Gemeinschaftswährung funktionieren kann und dann auch Vorteile bringt. Ich würde deshalb eher dafür werben, den Euro funktionsfähig zu machen, anstatt ihn abzuschaffen.

  11. Winston 13. Juli 2016 at 17:37 #

    Finnland könnte die Euro-Zone verlassen

    http://www.wiwo.de/politik/konjunktur/denkfabrik-finnland-koennte-die-euro-zone-verlassen/13841760.html

  12. kaush 13. Juli 2016 at 19:07 #

    Kaffeesatzleserei von H. Sinn… David Cameron könnte der nächste Nationaltrainer von England werden.

    • Hermann 14. Juli 2016 at 10:52 #

      Hans Werner Unsinn ist der Erich von Däniken der Wirtschaft.

  13. Winston 13. Juli 2016 at 22:32 #

    Ops

    Boris Johnson als neuer UK Aussenminister ernannt. :-)))))))))))))))

    http://www.reuters.com/article/us-britain-eu-johnson-idUSKCN0ZT2FV

    @ kaush

    Von Sinn kann man halten was man will, bezüglich seiner Euro-Exit These liegt er alles andere als alleine da, das gleiche gilt für Henkel. Die Handelsungleichgewichte aufgrund einer überbewerteten Währung kann man nur durch eine äussere Abwertung, nicht möglich oder durch eine innere Abwertung ausbügeln, das heisst Lohnkürzungen. Das ganze dauert Jahren, im Fall von Griechenland mehrere Jahrzehnte.
    Eine innere Abwertung ist allerdings Suboptimal, da es die Binnennachfrage zerstört.
    Finnland hat seine Staatsquote massiv erhöht und trotzdem verharrte Finnland 3 Jahre lang in einer Rezession und wird vermutlich demnächst wieder in einer Rezession zurück fallen. Das britische Pfund hat mehr als 10% abgewertet, gift für die Finnische Papierindustrie. UK ist grösster importeur von finnischen Papierprodukte. Auf der anderen Seite frohlocken die Papierproduzenten in UK, das wissen natürlich die Briten, deshalb sind sie so locker drauf. :-)) UK ist nettoimporteur von EU Waren im Wert von 120 Mrd. €. UK zu sanktionieren hätte ungefähr die selbe Auswirkung als wenn ALDI von seinen Kunden 10 € verlangen würde damit sie den Laden betreten können, in anderen Worten ein nonsens im Quadrat, auch das wissen die Briten.

  14. CHS 13. Juli 2016 at 23:49 #

    Und ich frage erneut: Wann wird Deutschland endlich für seine zerstörerischen Leistungsbilanzüberschüsse zur Verantwortung gezogen? Von den prominenten Regelfetischisten pocht gegenüber Deutschland niemand auf die Einhaltung der “Regeln”. Hier wären in der Tat hohe Strafzahlungen mehr als angebracht. Die deutsche Wirtschaftspolitik ist hauptverantwortlich für den katastrophalen Verlauf der Währungsunion. Diese gehört umgehend aufgelöst, da sie nunmehr nicht mehr zu retten ist. Ein auseinanderbrechen der EU ist wahrscheinlich, was den Kontinent in längst überwunden geglaubte Steinzeiten zurückkatapultieren wird, mit allen unangenehmen Nebenwirkungen. Der Deutsche wird sich noch wundern, wenn er endlich bemerkt, wie die großen Volksparteien das Land und die Gesellschaft systematisch zerstört haben mit ihrem dogamtischen Glauben an den “freien Markt” (längst bewiesen – er ist in großen Teilen eine Illusion) und den “Homo Ökonomicus”, bar jeder Vernunft und in völliger Unkenntnis über das Funktionieren des Kapitalismus.
    Nur ein kleiner Tipp: Wir leben nicht in einer sozialen Markwirtschaft, sondern in einem (pervertierten) Kapitalimus, der in Wirklichkeit (hauptsächlich) eine dezentrale private Planwirtschaft ist. Einige Großkonzerne kontrollieren den überwiegenden Teil der Gesamtwertschöpfung vom Rohstoff bis zum Endprodukt. Ich schreibe das ohne Wertung. Das kann so funktionieren, wenn man die Realitäten endlich anerkennt und keine Politik betreibt, die von völlig anderen Voraussetzungen ausgeht. Wer hier dauernd von ‘Wettbewerb’ schwadroniert oder man müsse sich den ‘Märkten’ andienen, der lebt fürwahr hinter dem Mond.

  15. mister-ede 13. Juli 2016 at 23:54 #

    Wenn man noch bedenkt, dass Spanien und Portugal grob 20 Mrd. an Zinsen alleine für jene Verbindlichkeiten zahlen, die u.a. von deutschen Banken im dortigen Finanzsektor verzockt wurden, ist eine Bestrafung dieser Länder einfach nur pervers.

    Und ich frage mich, was das Ziel dieser deutschen Politik sein soll. Portugal und Spanien werden damit unnötigerweise zusätzlich klein gehalten und spitzer formuliert läuft das auf eine Art Kolonialisierung dieser Länder hinaus. Nicht im Sinne einer militärischen Unterwerfung, aber Banken sind ja bekanntlich mächtiger als stehende Armeen.

    Dass in anderen EU-Ländern einige Bürger die EU als Verkörperung eines Vierten Reiches ansehen, ist dehalb für mich mittlerweile nicht mehr wirklich verwunderlich. Als bekennenden Fan des europäischen Einigungsprozesses macht mich diese Entwicklung aber unendlich traurig. Wir müssen wohl anerkennen, dass Deutschland nicht mehr Teil der Lösung, sondern inzwischen Teil des Problems ist.

    Beste Grüße,
    Mister Ede

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