So “erfolgreich” sind “wir” in Brüssel

Wieder ein schöner Erfolg für die deutsche Wirtschaft: Berlin übernimmt die Position der Autolobby – und blockiert in Brüssel strengere Abgastests. Es ist nicht die einzige gute Nachricht im deutschen EUropa.

Kurz zuvor war schon zu lesen, dass nun endlich auch die von Berlin gewünschte Gaspipeline North Stream II nach Russland voran kommt: Deutsche und andere Konzerne stellen Milliarden bereit.

Das widerspricht zwar frontal der EU-Position, die Abhängigkeit von russischem Gas zu verringern. Es widerspricht auch den Interessen das Gas-Transitlandes Ukraine. Aber egal, Germany rules!

Und auch aus Griechenland erreichen uns gute Nachrichten: Ein von Deutschen geführtes Konsortium soll den Hafen von Thessaloniki übernehmen, der im Rahmen des Bailouts zum Verkauf steht.

Zuvor hatte der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport bereits die besten Regionalflughäfen in Hellas erworben. Ein echtes Win-Win-Geschäft: Fraport erbeutet die Sahnestücke, Schäuble muss weniger zahlen.

Denn die Privatisierungs-Erlöse senken den Betrag, den die Gläubiger an Griechenland finanzieren müssen. Wobei die Gläubiger mal wieder mit Krediten knausern. Aber egal, für “uns” läuft es rund…

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8 Responses to So “erfolgreich” sind “wir” in Brüssel

  1. Peter Nemschak 25. April 2017 at 12:07 #

    Betrachten wir es gelassen. hinter der Autolobby, nicht nur in Deutschland, gibt es tausende Arbeitsplätze. Das Leben ist ein trade-off zwischen verschiedenen Zielsetzungen. Wollen sie etwa bestreiten, dass die Privatisierungen in Griechenland schlecht für die wirtschaftliche Effizienz sind? Offenbar sind sie ein Befürworter versteckter Arbeitslosigkeit.

  2. Dixie Chique 25. April 2017 at 13:59 #

    Es fällt schwer Ihre sinnwidrigen Hüftschusskommentare gelassen zu nehmen oder überhaupt inhaltlich zu verstehen. Offenbar befürworten Sie versteckte Despotie und wünschen sich eine US of E unter preußischer Pickelhaube. Aber wo genau verstecken sich denn Arbeitslose in griechischen Häfen??

    • Peter Nemschak 25. April 2017 at 16:06 #

      Die versteckten Arbeitslosen befinden sich in Staatsindustrien und Bürokratien, welche nicht dem Wettbewerb ausgesetzt sind. Griechenland stellt dabei keine Ausnahme dar. Im Zuge der Privatisierung fallen Arbeitspätze auf allen Management- und Mitarbeiterebenen weg, welche bereits vor der Privatisierung wenig oder keinen Mehrwert für ein Unternehmen dargestellt haben. Bei der Privatisierung der österreichischen Telekom, um ein Beispiel zu nennen, wurden allein auf Managementebene mehr als 600 Posten frei, deren Kosten vom Staat übernommen werden mussten, um das Unternehmen wettbewerbsfähig zu machen. Diese Posten werden in Zukunft nicht mehr nachbesetzt. Ziel der Privatisierung ist es, dem meritokratischen (Leistungs-) Prinzip Vorrang gegenüber dem parteipolitischen zu geben. Letztlich entstehen dadurch konkurrenzfähige, wachsende Unternehmen, die zusätzliche Arbeitskräfte einstellen. Ein positives Beispiel wäre die Privatisierung der fast konkursreifen Verstaatlichten Industrie in Österreich in den 1980-iger Jahren. All das hat nichts mit Despotie sondern mit Marktwirtschaft zu tun. Nachhaltige Reallohnsteigerungen setzen ein Produktivitätswachstum voraus.

      • Dixie Chique 26. April 2017 at 10:50 #

        Ihr betriebswirtschaftstheoretischer Exkurs in Ehren, aber bei der nunmehr sieben Jahre währenden Fledderei Griechenlands von Meritokratie zu schwadronieren ist dann doch irgendwie süß. Fehlt nur noch, daß Sie mir mit dem sicher schon bald einsetzenden und alles wieder gutmachenden trickle-down-Effekt kommen.
        Mit Verlaub, Sie haben unser Zeitalter der Ivy-League-Krawattenpiraten noch nicht einmal ansatzweise verstanden. Vor 30 Jahren, als solche Dinge noch in überschaubareren Maßstäben und mit erheblich geringeren Gewinnmargen abliefen, hätte man noch von “legalem Diebstahl” geraunt. Inzwischen laufen die Dinge aber offen illegal, denn von einer Justiz ist weit und breit nichts mehr zu vernehmen. Und es geht hier inzwischen um eine sehr lange Reihe von aufoktroyierten und gefälligst zu schluckenden Verfassungsbrüchen. Davon kann auch Portugal einige traurige Fados singen. Buddeln Sie doch mal spaßeshalber im anhaltenden, von der Presse jedoch komplett “übersehenen” GR-Siemens-Skandal. Dann können wir uns weiter über schützende Hände (Despotie..) und unsichtbare Hände (Markt..) unterhalten.

      • Oudejans 26. April 2017 at 11:24 #

        >>”Ivy-League-Krawattenpiraten”

        Knackiger Begriff.

  3. Baer 26. April 2017 at 10:20 #

    Und Produktivitätssteigerung setzt sehr häufig Arbeitsplätze frei,was für ein Unternehmen vordergründig gut sein kann,für das Gemeinwesen mit höheren Sozialkosten aber schlecht.

    • Peter Nemschak 26. April 2017 at 11:38 #

      Sie müssen die Sozialkosten auch verdienen. Ein wachstumsfreundliches Umfeld schafft Arbeitsplätze. Man muss die Entwicklung dynamisch betrachten. Hohe Abgaben auf Arbeit vernichten Arbeitsplätze.

  4. Winston 27. April 2017 at 04:34 #

    Apropos Fraport.
    Für Griechenland war vor der Übernahme der 15 Griechischen Flughäfen kein Geld da.
    Jetzt auf einmal öffnen sich die Schatullen, die Modernisierung der 15 Flughäfen übernimmt die Europäische Kommission.
    Was in Griechenland abgeht erinnert sehr stark an die DDR. Mit dem Unterschied das in Griechenland keine Transferzahlungen fliessen. Man band die Ost-Mark an die DM, danach wertete die DDR-Mark praktisch over-night um ca. 350% auf, danach war die DDR Industrie Tod, Ost Deutsche Produkte hatten kein Markt mehr, weder im Inland noch im Ausland, die DDR-Mark war zu teuer. Zerschlagung und Filetierung der Ost Deutschen Industrie nahm seinen Lauf. Das brauchbare würde fürn Appel und nem Ei übernommen und da war einiges, Ost Deutschland war die Fortgeschrittenste Volkswirtschaft in den sogenannten Warschauer Pakt Staaten. Der Rest wurde abgewickelt. Millionen von Ost Deutschen verloren ihre Arbeitsstelle, man speisste sie mit einem Zückerschen ab, Sozielleistungen. Die West Deutsche Industrie gewann praktisch over-night 18 Mio. Konsumenten/Verbraucher. Die Treuhandanstalt Schloss 1994 mit Schulden in der höhe von ca. 270 Mrd.DM Kohl bleb an der Macht und wurde nochmals Bundeskanzler.
    Praktisch eine Annexion der DDR durch West Deutschland in einer Höchst brutaler und radikaler Art. Wären keine Transferleistungen geflossen hätte es Tote gegen und nicht wenige. In der Euro-Zone passiert praktisch das gleiche, ausgenommen die Deutschen Satelitten Staaten (B, Ö, NL, LUX) aber in Zeitlupe und OHNE Transferzahlungen.

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