Schäubles kalkulierter Wortbruch

Peinlich für Finanzminister Schäuble: Der IWF sieht kaum noch eine Chance, in das laufende Griechenland-Programm einzusteigen. Die von der EU entworfenen Szenarien seien nicht glaubwürdig.

Die Experten hätten noch einmal alles durchgerechnet, berichtet “Kathimerini”. Dabei seien sie zu dem Schluß gekommen, dass die griechischen Schulden nicht tragfähig sind – unter keinem Szenario.

Demgegenüber hatte Schäuble behauptet, die Schuldenlast könne noch tragbar (gerechnet) werden – wenn das Wachstum anzieht und Athen bis zum Jahr 2060 fleißig Überschüsse erwirtschaftet.

Doch aus Sicht des IWF ist das ein frommer Wunsch. Die Chance, dass der Währungsfonds doch noch in das Programm einsteigt, wie Schäuble fordert, seien “begrenzt”. Zu gut deutsch: Sie gehen gegen Null.

Letztlich dürfte der Ausgang des Schuldendramas von der Bundestagswahl abhängen, so “Kathimerini” weiter. Wenn die neue deutsche Regierung zu Konzessionen bereit ist, könne der IWF noch einmal umdenken.

Und wenn Schäuble Finanzminister bleibt? Dann müssen die Griechen wohl ohne den IWF auskommen. Der CDU-Mann hätte dann zwar sein Wort gebrochen, den Währungsfonds doch noch an Bord zu holen.

Aber wen kümmert das noch nach erfolgreicher Wiederwahl?

Siehe auch “Das Schuldendrama wird zur Farce”

 

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6 Responses to Schäubles kalkulierter Wortbruch

  1. Peter Nemschak 18. Juli 2017 at 08:53 #

    Schuldennachlass als Abschiedsgeschenk vom Euro – nach den Bundestagswahlen. Vielleicht gibt es dann auch keine Syriza-Regierung mehr.

  2. Dixie Chique 18. Juli 2017 at 09:03 #

    Die Griechen sind nicht kreditwürdig.
    Die Deutschen sind nicht demokratiefähig.

    Die innere Abscheu, im einen Fall gegen die “moderne Wirtschaft” und im anderen Fall gegen das Recht “kleiner Leute” auch mal etwas zu sagen haben zu dürfen, ist jeweils tief in der kollektiven Psyche, wenn nicht sogar in der DNA verwurzelt.
    So einen Widerspruch kann kein noch so wohlmeinender Vertrag, kein klärendes Gespräch, kein Kompromisswille, kein Computerzeitalter und schon gar kein Scheiss-IWF auflösen. Und Zwang erst recht nicht. Niemals.

    Ja, dieses Argument ist verallgemeinernd und biologistisch. So what?

    • hintermbusch 18. Juli 2017 at 13:56 #

      @ Dixie Chique
      “dieses Argument ist verallgemeinernd und biologistisch.”
      Es ist gar nicht so verallgemeinernd. Letztlich geht es um relativ schwache Dispositionen in jedem Individuum, die aber im Kollektiv zu sehr starken Werturteilen führen. Das ist der Grund, warum der einzelne Grieche nach Deutschland emigrieren und sich dort assimilieren kann.
      Es ist auch nicht biologistisch. Es geht vielmehr um soziokulturelle Prägungen, die für jedes Volk einen Sinn haben und ihm auch einen Sinn geben:
      https://hintermbusch.wordpress.com/2016/08/20/individuum-und-gesellschaft/
      Die griechische Art zu leben ist a priori nicht schlechter als die deutsche – und umgekehrt. Aber seit sie zusammengebunden sind, kümmern sie beide vor sich hin. Die Fixierung auf die Ökonomie gaukelt ihnen eine gemeinsame Sprache nur vor.

      • Peter Nemschak 18. Juli 2017 at 21:16 #

        @hintermbusch Ich stimme Ihnen voll zu. Der Vollständigkeit halber sollte man hinzufügen, dass unterschiedliche Arten zu leben einen unterschiedlichen materiellen Wohlstand nach sich ziehen. Warum ist das so schwer zu begreifen?

      • Dixie Chique 19. Juli 2017 at 13:04 #

        Danke fuer den überaus interessanten Link.
        Zwei spontane Assoziationen..:

        – “assimileren”, dieses Verb bereitet mir in diesem Zusammenhang Bauchschmerzen und Übelkeit. Warum? Fragen Sie die “Borg” und deren Zentralgehirn. Assimilitation, also die freiwillige Selbstassimilierung, ist mitnichten Voraussetzung für ein friedliches und fruchtbares Miteinanderauskommen soziokulturell grundverschiedener Individuen auf engem Raum. Dahinter verbirgt sich eben doch ein seltsamer Superioritätsgedanke.
        Wobei Eingeborene natürlich ein Recht haben, von Zugezogenen oder Urlaubenden die Einhaltung tradierter und anerkannter Gepflogenheiten einzufordern.

        – der zweite betrifft weniger dieses Thema, als das Plakat-Banner, das man gleich beim Öffnen des o.g. Links zu verarbeiten bekommt.. Es soll nämlich schon vorgekommen sein, dass diejenigen, die die Lösung für ein Problem in der Schublade parat haben, es zuvor selbst generiert haben.. das gehört nicht umsonst zum kleinen Einmaleins der unheilvollen Verschwörungspraktiker hüben wie drüben 🙂

        Ihrem letzten Satz hingegen stimme auch ich voll zu, auch wenn der Grad des daraus entstandenen Leides nicht vergleichbar ist.

        @ Herr Nemschak, Es ist nicht schwer zu begreifen, beruhigen Sie sich. Viel schwerer zu begreifen ist, dass Sie zur schnelleren Durchsetzung Ihrer Globalassimilierungs- und Umerziehungsphantasien schon mal die Beschneidung der ohnehin schon schwer erodierten Demokratie für wünschenswert halten und das Materielle über alles Andere stellen.

  3. hintermbusch 19. Juli 2017 at 14:20 #

    @ Dixie Chique
    “assimilieren”: das ist tatsächlich nicht als Zuckerschlecken gemeint, und war es in der Realität für Migranten nie, übrigens auch nicht für deutsche oder jüdische Migranten in den USA.
    “Plakat-Banner”: Sie dürfen mir gerne dort ihre Meinung über dieses Banner sagen. Ich habe es nicht als begeisterte Zustimmung aufgehängt und kann Ihnen dann noch mehr dazu sagen.

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