Schäuble betet die “Deutsche” gesund

Es ist der klassische Schuss ins eigene Bein: Mit seiner Bemerkung, er mache sich um die Deutsche Bank “keine Sorge”, hat Finanzminister Schäuble die Angst vor einer neuen Bankenkrise angeheizt.

Das “Banken-Beben” (Handelsblatt) dreht sich nämlich vor allem um die “Deutsche”. Nach einem Crash an der Börse musste sie am Montag Abend sogar beteuern, die Liquidität sei nicht in Gefahr.

Heute geht es an der Börse zwar wieder aufwärts. Doch das ist wohl vor allem auf Gerüchte um einen möglichen Schulden-Rückkauf zurückzuführen. Fundamental ändert es nichts.

Und politisch auch nicht. Wenn der mächtigste Finanzminister Europas sich gezwungen sieht, das größte Bankhaus Deutschlands gesundzubeten – noch dazu live bei “Bloomberg” – , ist etwas faul.

Ich bin mal gespannt, ob sich die EU-Finanzminister über den Problemfall beugen werden – sie treffen sich am Freitag in Brüssel. Stargast: Dr. Schäuble! – Mehr zur neuen Bankenkrise hier

Lesetipp:  Nicht reformwillig

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6 Responses to Schäuble betet die “Deutsche” gesund

  1. Claus 10. Februar 2016 at 11:51 #

    Darf man vermuten, dass bei dem Treffen auch die höhere als 3 Mrd. Euro und damit nach Ansicht der türkischen Regierung „angemessene“ EU-Dotierung der türkischen Rückhaltebemühungen thematisiert und beschlossen wird?
    Und zugleich Schäuble’s europäischer „Benzin-Soli“ (fahre zum Glück Diesel!) für die Kosten der Einwanderung? Immerhin möchten wir ja gern an der „schwarzen Null“ für 2016 festhalten, soviel Haushaltsdisziplin muss sein!
    Aber weitere Ankündigungen bitte erst im März nach den Landtagswahlen!

    • ebo 10. Februar 2016 at 11:53 #

      @Claus Nein, derzeit reden die Finanzminister nur über die 3 Mrd., aber das wird sicher noch mehr 🙂

  2. Peter Nemschak 10. Februar 2016 at 11:58 #

    Die Reaktion mancher Medien auf die Aussage von Schäuble war zu erwarten. Schäuble mag ein erstklassiger Finanzminister sein, mit den Märkten hat er keine Erfahrung (siehe Griechenland 1). Da sollte er Weidmann fragen, bevor er so etwas von sich gibt. Die Medien sollten sich die Mühe machen, die schriftliche Darstellung der Deutschen Bank zu analysieren und zu bewerten. Die ausschüttungsfähigen Reserven für die Cocos liegen mit 1 Mrd. Euro fast dreimal so hoch wie die im April dafür benötigten 350 Millionen Euro. Unmoral kann aus guten Gründen strafrechtlich nicht geahndet werden, aber der Fall Deutsche Bank zeigt, dass sie sich nicht rechnet. Das ist die kaufmännische Analogie zur Aussage von E.Durkheim, einem französischen Soziologen des frühen 20.Jhdts, dass jede strafrechtliche Verurteilung eine Bestätigung dafür ist, dass eine Norm noch Gültigkeit besitzt.

    • alex 10. Februar 2016 at 20:03 #

      P. Nemschak: Das Wohl und Wehe der Deutschen Bank ist fast zur Hälfte von den extrem volatilen Bewertungen von Derivaten und den Bonitäten der Vertragspartner, mit denen sie die Wetten eingegangen ist, abhängig. Bei einer weiteren Abkühlung der Aktienmärkte wird der Wert „derivativer Finanzinstrumente“ deutlich überproportional fallen. Das Geschäftsmodell der Deutschen Bank ist nicht haltbar, da die „Investments“ in Aktien, vergleichbare Assets und damit verbundenes Wetten in Derivaten realwirtschaftlichen Grundlagen entbehren (Beispiel:. der DAX konnte von einem Tief von 4973 Punkten Anfang 2008 auf ein zwischenzeitliches Hoch von 12.347 steigen, wobei das BIP der Euroländer aber im gleichen Zeitraum um nur ca. 1% gewachsen ist?) und den Wert vorhandener Deposite um das cca. 100xf-ache übertreffen. Wie hochriskant die Deutsche Bank gegenüber Derivaten exponiert ist wurde Ende 2014 bekannt (hier nachzulesen: http://www.zerohedge.com/news/2014-04-28/elephant-room-deutsche-banks-75-trillion-derivatives-20-times-greater-german-gdp): Sie übertrifft das BIP von Deutschland um das 20-fache, das der Eurozone um das 5,5-fache – tolle Aussichten! Ich wundere mich nicht, dass Schäuble meint kommentioeren zu müssen und die Deutsche Bank sich genötigt sieht ihre Liquidität öffentlich zu beteuern. Beiden ist nicht zu glauben, wenn man sich die Kernzahlen der DB einmal näher ansieht.

      • Peter Nemschak 11. Februar 2016 at 07:32 #

        Sie ü ersehen, dass man mit Derivativen Positionen in beide Richtungen eingehen kann: long und short. Bei einer short-Positionen gewinnen Sie bei fallenden Kursen, bei einer Long-Position bei steigenden Kursen, wobei die Bank außer im Eigenhandel zum größten Teil Intermediär für ihre Kunden ist.

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