May lernt Merkeln

Einen Monat nach dem Brexit-Votum kommt die neue britische Premierministerin May am Mittwoch zu ihrem Antrittsbesuch nach Berlin. Paris folgt am Donnerstag, Brüssel muss warten.

Das sagt viel über die Prioritäten der Briten: Sie haben sich nicht geändert. Genau wie unter Ex-Premier Cameron bleibt Kanzlerin Merkel die wichtigste Ansprechpartnerin – und wohl auch die gnädigste.

Denn im Gegensatz zu den drei EU-Granden Juncker, Tusk und Schulz und auch zu Frankreichs Hollande, hat es Merkel überhaupt nicht eilig mit dem Brexit, im Gegenteil.

Die Kanzlerin denkt merkantilistisch – ihr geht es darum, den britischen Exportmarkt für deutsche Produkte offen zu halten. Dafür muss der EU-Binnenmarkt möglichst lange offen bleiben.

May hat ganz ähnliche Interessen, schließlich war sie gegen den Brexit. Auch sie will möglichst vollen Zugang zum Binnenmarkt. Jetzt muss sie nur noch das Merkeln lernen.

Das sollte keine Problem sein: Das Aufschieben und Lasten abwälzen beherrscht May offenbar schon jetzt wie Merkel. So soll der EU-Austrittsantrag nicht vor 2017 kommen.

Eigentlich müsste Merkel sie dafür zusammenstauchen. Die EU-Position ist ja, “so schnell wie möglich” mit den Brexit-Verhandlungen zu beginnen. Doch kümmert das das neue May-Merkel-Duo?

Nö, glaube ich nicht…

 

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14 Responses to May lernt Merkeln

  1. Peter Nemschak 19. Juli 2016 at 22:35 #

    Seien wir froh, dass beide Damen am Boden der wirtschaftlichen Realität stehen und den BREXIT unaufgeregt angehen. Mit Moralisieren ist noch niemand satt geworden. Es ist ein Geschäft für Intellektuelle und Weltverbesserer.

    • astras 20. Juli 2016 at 20:01 #

      Haha. Zum Glück sind sie ja weder das eine noch das andere 🙂

  2. kaush 20. Juli 2016 at 06:52 #

    “Eigentlich müsste Merkel sie dafür zusammenstauchen.”

    Für was? Dafür das May versucht, den britischen Wählerwillen bestmöglich für Großbritannien umzusetzen?

    Und handelt Merkel nicht in Deutschem Interesse, wenn sie versucht, keinen großen schaden für Deutschland aus dem Brexit entstehen zu lassen?

    „Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden…”

    • ebo 20. Juli 2016 at 10:28 #

      @kaush Noch ist UK Mitglied der EU und damit an Loyalitätspflichten gebunden. Und noch ist DE das stärkste EU-Mitglied; Merkel müsste deshalb EU-Politik vertreten und nicht nur deutsche Export-Interessen.

      • alex 20. Juli 2016 at 14:56 #

        Merkel bedient in erster Linie Interessen der dt. Industrie, in zweiter Linie die politischen Interessen der USA/Nato. Die EU ist ihr schnurpsegal, sogar Frankreich keinen vertieften Gedanken wert, Schäble will Frankreich gar fiskalisch aus Berlin heraus kontrollieren! Und wenn das in Berlin so weiter läuft, wird der (Zer)Riss der EU genau durch dieses Kerneuropa gehen. Leider und letzendlich auch zum dt. Nachteil.

    • Peter Nemschak 20. Juli 2016 at 10:33 #

      Ihrer Logik, der ich voll zustimme, folgend, müssen die beiden Damen den wirtschaftlichen Schaden aus dem BREXIT für ihr jeweiliges Land möglichst gering halten, d.h. den BREXIT de facto ungeschehen machen. So eine Situation entsteht, wenn man die Unvernunft und Launen des Volkes herausfordert, wie es Cameron getan hat. Direkte Demokratie gehört, etwas salopp gesagt, ins Fußballstadion.

      • S.B. 20. Juli 2016 at 11:53 #

        @Peter Nemschak: Ihrer Logik nach müssten die Südländer inkl. Frankreich mithilfe von EU und Euro wirtschaftliche Schlaraffenländer sein. Sind sie aber nicht; das Gegenteil ist der Fall. Wie lautet denn hinsichtlich dieses bereits erwiesenen Sachverhalts Ihre These?

        “…müssen die beiden Damen den wirtschaftlichen Schaden aus dem BREXIT für ihr jeweiliges Land möglichst gering halten, d.h. den BREXIT de facto ungeschehen machen.”

        Das ist so nicht richtig. Es gibt keinen wirtschaftlichen Schaden und es wird auch keinen geben. Die beiden Damen handeln jetzt schlicht so, wie sie vor EU und Euro im Interesse ihrer Wirtschaften schon gehandelt hätten und die damals tatsächlich Verantwortlichen gehandelt haben. Und auch damals schon gab es eine hochentwickelte wirtschaftliche Zusammenarbeit, die sich selbstverständlich auch im Rahmen von EWG und Ecu weiterentwickelt hätte. Nur eben ohne die politische Fremdbestimmung durch die EU. An dem Punkt sind D und GB nun defacto wieder angekommen. Und so ist es auch richtig.

      • Skyjumper 20. Juli 2016 at 22:25 #

        “Direkte Demokratie gehört, etwas salopp gesagt, ins Fußballstadion”

        Und “Demokraten” die nur so tun als ob sie Demokratie wollten, gehören, sehr salopp gesagt, in die tiefsten Katakomben des Fussballstadions.

        Es ist besser das Volk muss die eigenen Launen und Unvernunft ausbaden als die (meist noch ausgeprägteren) Launen und Unvernünftigkeiten der Politiker.

  3. S.B. 20. Juli 2016 at 09:38 #

    D ist nun einmal unbestritten ein Land, das zum großen Teil von Export lebt. GB stand 2015 an dritter Stelle bei den deutschen Ausfuhren (http://www.dihk.de/ressourcen/downloads/laender-ranking-2015-vorl.pdf/at_download/file?mdate=1459330509382). Da darf es natürlich keine größeren Einbrüche geben, wenn wirtschaftlich nichts ins Wackeln kommen soll. Und das wird der wichtigste Punkt für Merkel sein.

    Frau May nutzt ihrerseits mit der Wahl des Zeitpunktes des Austrittsantrages, auch nur die rechtlichen (vertraglichen) Möglichkeiten aus, die sich ihr bieten. Das kann man ihr nicht verdenken, denn auch ihr Hauptaugenmerk wird es sein, die Auswirkungen des BREXIT auf die heimische Wirtschaft so gering wie möglich zu halten.

    Im Grunde ist das ein sehr schönes Beispiel dafür, dass der (friedliche) Handel der wichtigste Anknüpfungspunkt in der Kooperation von Ländern ist. Eine generelle politische Integration (= Gleichmacherei) in einem übergeordneten politischen Konstrukt wie der EU, ist dafür keineswegs erforderlich.

    • Skyjumper 20. Juli 2016 at 22:34 #

      “GB stand 2015 an dritter Stelle bei den deutschen Ausfuhren”

      Und nicht nur das. GB ist insgesamt gesehen innerhalb der EU ein gewaltiger Nettoimporteur mit einem Aussenhandelsdefizit von 120 Mrd. € (davon ~ 50 Mrd. mit DE). Auch die anderen EU-Länder würden das deutlich spüren wenn GB zukünftig woanders einkaufen würde/müßte. Und wenn man in diesem Zusammenhang von “Ländern” spricht, meint dass wie so oft natürlich in erster Linie die Arbeitnehmer die dann nichts mehr zu arbeiten haben.

      Den Binnenhandel mit GB aus verletzten EU-Eitelkeiten heraus zu zerstören wäre absolut kontraproduktiv.

      • S.B. 21. Juli 2016 at 08:55 #

        “Den Binnenhandel mit GB aus verletzten EU-Eitelkeiten heraus zu zerstören wäre absolut kontraproduktiv.”

        Ich meine, das ist den EU-Betonköpfen völlig egal. Die leben in ihrem selbst erfundenen EU-Zwangs-Integrations-Kosmos unter ihrer von Honecker einfallslos abgeschauten Losung “Vorwärts immer, rückwärts nimmer.” Mit diesen “Eliten” ist EUropa genauso hoffnungslos verloren, wie es der Ostblock bis 1989 mit den seinigen war.

  4. Peter Nemschak 20. Juli 2016 at 19:08 #

    alex Wen meinen Sie mit “Frankreich” ?

    • alex 21. Juli 2016 at 09:28 #

      @Peter Nemschak: Ich meine dieses Frankreich: https://de.wikipedia.org/wiki/Frankreich

      • Peter Nemschak 21. Juli 2016 at 14:28 #

        Es muss Ihnen klar sein, dass es auch in Frankreich durch die derzeitige Politik der dortigen Politik Gewinner und Verlierer gibt.

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