Hat Ihr Abgeordneter auch ein Phantombüro?

Der Skandal hat keine großen Wellen geschlagen. Dabei ist es schon bizarr, dass viele Europaabgeordnete Spesen für Wahlkreisbüros kassieren, die nur auf dem Papier existieren – und das auch noch ohne Belege.

Manche Büros entpuppen sich bei näherer Betrachtung sogar als ständiger Wohnsitz und/oder privates Eigentum des Abgeordneten. Es sind “Phantombüros”.

Darunter sind auch prominente Deutsche wie der CSU-Politiker und EVP-Fraktionschef Weber sowie die AfD-Abgeordnete von Storch.

Doch obwohl der “Stern” und andere große Medien über diesen Spesen-Skandal berichtet haben, hält sich die Aufregung in engen Grenzen.

Ob es daran liegt, dass sich die deutschen Abgeordneten einig sind, dass alles in bester Ordnung sei – und es unzumutbar wäre, Spesen und Mietkosten zu belegen?

Oder vielleicht daran, dass viele Bürger gar nicht wissen, wer sie im Europaparlament repräsentiert – und wo die entsprechenden Wahlkreisbüros sind?

Das muss nicht so bleiben. Denn nun gibt es eine Website, auf der man nachprüfen kann, ob ein MEP ein Büro unterhält, wo es liegt und ob dafür Kosten ausgewiesen wurden.

Man kann auf eine Europakarte klicken und die 96 deutschen Abgeordneten überprüfen. Wer etwas für Transparenz tun möchte, kann sich danach auch an “seinen” Abgeordneten wenden.

Eine gute Sache, denn von selbst wird diese Selbstbedienung wohl nicht verschwinden. Die Website steht hier

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2 Responses to Hat Ihr Abgeordneter auch ein Phantombüro?

  1. Claus 27. Juni 2017 at 17:40 #

    Die steuerfreie Gewährung bzw. Entgegennahme von pauschalierten „Aufwandsentschädigungen“ ohne Belege – ein weiteres Beispiel, wie weit sich „Volksvertreter“ schamlos über ihr Volk erheben.
    Was in keinem ordnungsgemäß geführten Wirtschaftsunternehmen auch nur denkbar wäre – in den Parlamenten in Brüssel wie auch in D ist es selbstverständlich.

    • Peter Nemschak 27. Juni 2017 at 19:17 #

      Bisher war und möglicherweise nach wie vor ist die Praxis in unterschiedlichen Spielarten in Europa weit verbreitet. In Frankreich wurde mit Macron mit dieser Praxis, die in der Vergangenheit zum Exzess getrieben wurde, Schluss gemacht. Der politische Zeitgeist wird dafür sorgen, dass auch anderswo die Normen sich ändern werden. Auch Unternehmen kennen das leidige Problem überhöhter und nicht betriebsnotwendiger Spesenabrechnungen. Darüber sind schon viele gestolpert, die eigentlich wegen anderer Vergehen (Korruption) oder schlichter Unfähigkeit hätten entfernt werden sollen.

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