Frankreich will Schulden-Deal – “unbedingt”

Das kann lustig werden. Während Finanzminister Schäuble es kategorisch ablehnt, jetzt über Schulden-Erleichterungen für Griechenland zu sprechen, fordert Frankreich einen Beschluss – und zwar subito.

“Ich bin absolut entschlossen, heute eine Einigung über die Schuldenfrage zu finden”, sagte der französische Wirtschaftsminister Le Maire bei seiner Ankunft in der Eurogruppe in Luxemburg.

Dazu müsse sich jeder bewegen, so Le Maire. Vom IWF, der früher sogar einen Schuldenschnitt forderte, erwarte er einen “positiven” Vorschlag. Was er von Schäuble erwartet, sagte er nicht.

Vielleicht, dass er mal nicht “Nein” sagt? Und dass er nicht wieder windige Berechnungen für die nächsten 40 Jahre vorlegt, die darauf hinaus laufen, einfach nichts zu tun, wie beim letzten Mal?

Frankreich hat immerhin “seine Hausaufgaben” gemacht und einen Wachstumsplan für Griechenland vorgelegt. Darauf könnten auch Entlastungen bei den Schulden aufbauen. Zitat:

My proposal, the French proposal is of course still on the table and I am here in Luxembourg with a full determination to find an agreement for the Greek people. I am really eager to find an agreement because it is in the interest of all the parties, all European parties. And I really want to switch from a day to day management crisis of the Greek debt to a long term perspective for the Greek people and for all European countries.

Da bin ich mal gespannt, was von diesem Vorschlag nach der Eurogruppe übrig bleibt! Es wird wohl auch eine Bewährungsprobe für die deutsch-französische Zusammenarbeit. Angeblich läuft ja alles super…

P.S. Wie erwartet, hat Le Maire den Mund zu voll genommen. Sein Wachstumsplan wurde nur in die Fußnoten des Eurogruppen-Beschlusses aufgenommen – zur weiteren Beratung. Eine langfristige Perspektive für Griechenland gibt es immer noch nicht…

Siehe auch ” Schuldendrama wird zur Farce” und “Schäubles Schuldenfalle”

Auch interessant:

, , , ,

9 Responses to Frankreich will Schulden-Deal – “unbedingt”

  1. Peter Nemschak 15. Juni 2017 at 18:12 #

    Frankreich könnte mit gutem Beispiel vorangehen und auf seinen Anteil an den Forderungen gegenüber Griechenland verzichten. Forsch wie sich Le Maire gibt, braucht man sich wenig Sorge um die baldige Bildung einer Opposition in Frankreich zu machen.

    • ebo 15. Juni 2017 at 18:18 #

      Le Maire will ein Problem lösen, Schäuble will es verschleppen (wie seit 2010, er war ja immer dabei)

      • Peter Nemschak 15. Juni 2017 at 18:22 #

        Die Lösung heißt: den Euro verlassen.

      • ebo 15. Juni 2017 at 18:29 #

        Okay, das haben Sie jetzt zehnmal geschrieben, das reicht.

      • Peter Nemschak 15. Juni 2017 at 20:03 #

        Warum wollen Sie Griechenland unbedingt im Euro mitschleppen? Doch nicht aus ökonomisch vernünftigen Überlegungen.

    • bluecrystal7 15. Juni 2017 at 18:48 #

      Herr Nemschak: Offensichtlich können Sie sich für den GREXIT begeistern, aber der steht jetzt leider NICHT MEHR zur Debatte! Auch wenn es Herr Schäuble will! Immer noch….

  2. bluecrystal7 15. Juni 2017 at 18:34 #

    Oh je… Es ist wie zu erwarten war, dass übliche Trauerspiel, welches ein gewisser Herr Schäuble hier anzieht. Er will jegliche Lösung für Griechenland auf die lange Bank schieben!

    Dazu auch ein passender Kommentar in SPON:

    Vor Eurogruppen-Gipfel:

    Wie Schäuble den Griechen (mal wieder) den Puls hochtreibt…

    Kurz vor dem wichtigen Eurogruppentreffen ist Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bei einer Konferenz ins Plaudern gekommen. Das kam allerdings in Griechenland gar nicht gut an.

    „In Griechenland schlug dagegen eine andere, fast beiläufige Äußerung von Schäuble hohe Wellen. Bedauerlicherweise versuche Griechenlands Premierminister Alexis Tsipras immer wieder, direkt mit Bundeskanzlerin Angela Merkel über Griechenlands Schulden zu verhandeln. Tsipras rufe dauernd im Kanzleramt an, Merkel müsse das aber abwehren, so Schäuble. Zuständig für das Thema seien ja schließlich er selbst und der griechische Finanzminister Euklidis Tsakalotos.“ (…) Den letzteren Verdacht dementierte ein Regierungssprecher pikiert: Es sei „Wolfgang Schäuble, dem wir nicht trauen“.

    ➡http://m.spiegel.de/wirtschaft/soziales/griechenland-gipfel-athen-wirft-wolfgang-schaeuble-provokation-vor-a-1152120.html

    • bluecrystal7 15. Juni 2017 at 18:36 #

      Oh sorry, Typo! Ich meinte eigentlich *abzieht


  3. Alexander 15. Juni 2017 at 19:29 #

    Aus der taz:

    ‘Um ein anderes Konzept durchzusetzen, muss sich Macron explizit gegen Deutschland stellen. Für eine derartige Konfrontation bräuchte er aber einen Finanzminister, der wirtschaftspolitisches Fachwissen mitbringt. Stattdessen hat er Bruno Le Maire ausgewählt. Dieser Berufspolitiker hat zwar schon alle möglichen Themen betreut, unter anderem war er Minister für Landwirtschaft und Fischerei – aber mit Wirtschaftspolitik hat er sich nie befasst. Le Maire hat keine Chance gegen Finanzminister Schäuble und die anderen schwäbischen Hausfrauen aus Deutschland.’

    ‘In Frankreich gibt es keinen „Reformstau“. Das ist eine deutsche Erfindung. Die Stundenproduktivität ist in Frankreich höher als in Deutschland. Nicht die Franzosen müssen liefern – sondern die Deutschen.’

    ‘[…] Welche Chancen hat Macron also?

    Gar keine.[…]’

    http://taz.de/Heiner-Flassbeck-ueber-Macrons-Politik/!5416608/

Powered by WordPress. Designed by WooThemes