Frankreich-Bashing

Das Frankreich-Bashing in den deutschen Medien geht munter weiter. Im „Handelsblatt“ ist heute die „Grande Nation ganz klein“. Noch-Chefredakteur Steingart („Deutschland – Der Absturz eines Superstars“) liefert in seinem Newsletter folgende tiefschürfende Analyse:

„Sechs Monate nach Amtsantritt blickt Frankreichs Staatspräsident François Hollande in den ökonomischen Abgrund: Der Leistungsabfall des Landes zwingt ihn zu einer politischen Wende. Die Arbeitslosigkeit ist doppelt so hoch wie ein Deutschland, die Exportwirtschaft nicht halb so stark.“

Wo der „ökonomische Abgrund“ sein soll, erläutert er nicht. Frankreich wächst immer noch, es hat keine Risikobanken wie die Deutsche, und das Handelsdefizit ist vor allem den deutschen Exporten geschuldet. Wenn Paris in den „Abgrund“ schaut, dann Berlin auch.  Tut es aber nicht: der 10-Jahres-Spread lag heute morgen bei 0,74 Basispunkten, Tendenz fallend. Zum Vergleich: In Spanien liegt er bei 4,51.

Bezeichnend auch ein Hintergrund von dpa. In einer Grafik über „Deutschland und die Euro-Krisenstaaten“ wird Frankreich in einer Reihe mit Griechenland oder Spanien genannt. Die Niederlande fehlen, obwohl dort die Wirtschaft schrumpft. Auch Belgien wird nicht aufgeführt, obwohl der Schuldenstand dort mit der 100-Prozent-Marke flirtet (Frankreich 90, Spanien 86, Deutschland 81 – erlaubt sind 60).

Fakt ist: Der „Euro-Krisenstaat“ Frankreich ist Euro-„Retter“ Nummer zwei, gleich nach Deutschland. Gemeinsam mit Italien zahlt Paris sogar mehr in den ESM ein als Berlin. Pro Kopf leistet Luxemburg den größten Beitrag. Mehr zur Lage in Frankreich (und Deutschland) hier.

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