Falsch zitiert

Er sei ein linksradikaler  „Spar-Gegner“ und wolle, das Deutschland ewig zahlt: So oder so ähnlich stellen deutsche Medien den neuen griechischen Finanzminister dar.

Dabei ist das Zitat, das all dies belegen soll, aus dem Zusammenhang gerissen und sinnentstellt. Hier der Originaltext aus J. Varoufakis Blog – Frage und Antwort:

However, it was felt that such proposals inevitably likely to face a refusal, particularly German, since, in Berlin, we do not want a union of transfers …

I beg to differ. Whatever Germany does or says, it pays anyway. And in 2010, I felt that we had not, we Greeks, the moral right to accept money from German taxpayers, to pay our creditors. In reality, this money goes into a black hole, and we ask them is that they spend their money more wisely. Why ask Greece to borrow money from German taxpayers to repay the ECB? Because Jean-Claude Trichet, the worst central banker in history, has decided once? Let us be able that the EIB do the work for which it was created.

Jeder, der des Lesens mächtig ist, wird feststellen: Varoufakis fordert nicht etwa, dass Deutschland ewig zahlen soll. Im Gegenteil:

Auch interessant:  Der Brexit, eine Chance?

Er will das „schwarze Loch“ der „Euroretter schließen und dafür sorgen, dass das deutsche Hilfsgeld sinnvoller eingesetzt wird – damit Griechenland eines Tages wieder auf eigenen Beinen steht.

Aber das passt natürlich nicht zum fix gezimmerten Feindbild des linksradikalen „Spar-Gegners“… – Das ganze Interview steht hier, mehr hier

, ,

7 Responses to Falsch zitiert

  1. Peter Nemschak 28. Januar 2015 at 08:29 #

    Es liegt an der neuen griechischen Regierung, den Gläubigern ein Reformkonzept vorzulegen, das geeignet ist, Griechenland auf die Beine zu helfen. Die letzten Regierungen sind uns ein solches bisher schuldig geblieben und haben es vorgezogen, die Vorgaben der Troika halbherzig umzusetzen. Viel Zeit dafür hat Griechenland nicht. Die Wiedereinstellung nicht benötigter Beamter, wie im ersten Siegesrausch angekündigt, ist jedenfalls für ein glaubwürdiges Reformkonzept entbehrlich. Für Maßnahmen zur Eintreibung von Steuern und Herstellung von Steuergerechtigkeit und Maßnahmen gegen die Kapitalflucht benötigt Griechenland nicht die Zustimmung der EU. Damit kann die neue Regierung sofort beginnen, ebenso mit der Vorbereitung von Investitionsprojekten, die gemeinsam mit der EU finanziert werden können. Ich gehe davon aus, dass Syriza auch Konzepte gegen die Jugendarbeitslosigkeit fertig in der Lade hat. An international ausgebildeten Ökonomen besteht, wie wir nunmehr hören, in Griechenland kein Mangel.

    • ebo 28. Januar 2015 at 10:46 #

      Erstmal sollte die Gläubiger erklären, warum ihr „Reformkonzept“ die Schulden erhöht, das Wachstum abgewürgt und Griechenland auf den Status eines Entwicklungslands zurückgeworfen hat. Das war vor der Krise nämlich nicht der Fall.

      • Peter Nemschak 28. Januar 2015 at 11:05 #

        Anders herum. Griechenland braucht finanzielle Hilfe, um ein notwendiges Reformprogramm umzusetzen. Jeder Kreditgeber hat das Recht zu wissen, was er finanziert. Dass eine Reihe von griechischen Regierungen versagt hat, wird gerne verdrängt. Statt die Vorgaben der Troika halbherzig umzusetzen, hätte Samaras und seine korrupten Vorgänger ein Gegenkonzept anbieten können. Griechenland wird seit 1974, dem Ende der Militärdiktatur, schlecht verwaltet.

      • Tim 28. Januar 2015 at 11:27 #

        @ ebo

        Bist Du der Meinung, das kreditfinanzierte Wachstum Griechenlands „vor der Krise“ war sinnvoll und nachhaltig?

      • ebo 28. Januar 2015 at 12:50 #

        @Tim
        Stell diese Frage doch mal der Deutschen Bank, die die Blase befeuert hat und nach dem Crash von Merkel schadlos gehalten wurde. Fakt ist, dass es Griechenland selbst vor dem Euro besser ging als heute. Kein Land der Welt ist so stark abgestürzt wie GR unter der „Eurorettung“.

      • Tim 28. Januar 2015 at 13:02 #

        @ ebo

        Ich habe die Frage aber Dir gestellt, weil Du Dich oben entsprechend geäußert hattest. Der jetzige Zustand Griechenlands und der Schein-Aufschwung bis 2008 sind zwei Seiten ein und derselben Medaille, das wird ja immer gern unterschlagen.

        Da Griechenland zu weiteren Reformen wahrscheinlich nicht in der Lage ist, wäre ein Süd-Euro sicher die beste Lösung, aber dazu sind wahrscheinlich die EU-Eliten nicht in der Lage.

        Eine durch und durch europäische Situation.

  2. Peter Nemschak 28. Januar 2015 at 13:58 #

    @Tim und ebo siehe http://www.agenda-austria.at: Griechenland: Der Weg zurück ist keine Option. Hier findet Ihr die Erklärung, was in Griechenland seit Einführung des Euro passiert ist.

Powered by WordPress. Designed by WooThemes