Dutzende Leichen vor Libyen – na und?

War da nicht mal ein EU-Sondergipfel zur Flüchtlingskrise auf Malta, der sich speziell mit Libyen befasste? Muss schon lange her sein. Denn heute reagiert die EU nicht mal mehr auf Horror-Meldungen.

So berichtet der Rote Halbmond jetzt davon, dass mindestens 74 Leichen, vermutlich Flüchtlinge, an der libyschen Küsten angespült wurden. Im Guardian findet man eine Meldung, sonst fast nichts.

Auch das gekenterte Boot wurde gefunden – es hatte keinen Motor. Offenbar haben die Schlepper den Motor bewußt über Bord geworfen, was für die Menschen wohl den sicheren Tod bedeutete.

Die EU, die sonst jedes tote Erdbebenopfer  betrauert, hat sich zu dieser neuen Tragödie nicht geäußert. Die Lage der Flüchtlinge interessiert nicht mehr, es geht nur noch um Abschottung.

Doch auch dazu gibt es schlechte Nachrichten. Die libysche Regierung weigert sich nämlich, wie von der EU verlangt Bootsflüchtlinge zurückzunehmen. Das war aber der Kern des Gipfel-Deals.

Zu allem Unglück kommt nun auch noch ‚raus, wie schlecht es um den EU-„Partner“, die libysche Einheitsregierung, steht. So wird das Innenministerium von Milizen beherrscht.

Und das Verteidigungsministerium hat keine oder kaum Kontrolle über die eigenen Soldaten. Das steht übrigens in einem EU-Report. Er wurde bereits vor besagtem EU-Gipfel auf Malta verfasst.

Dummerweise ist er seitdem geheim geblieben…

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10 Responses to Dutzende Leichen vor Libyen – na und?

  1. Marc 21. Februar 2017 at 16:58 #

    Werte verloren und Deal geplatzt – Die EU will wohl mit aller Macht das Katastrophenjahr 2016 toppen. Sie ist auf einem guten Weg.

    • Peter Nemschak 21. Februar 2017 at 18:11 #

      Wollen Sie die Tore nach Europa für die Migranten aus Afrika öffnen? Welcher Staat der EU will diese Menschen aufnehmen? Mittlerweile sollte den Migranten bewusst sein, dass sie in Europa nicht erwünscht sind.Es wird in Zukunft noch viel mehr Tote geben, da es so aussieht, dass unser Jahrhundert eines der failed states sein wird. Staatlichkeit in manchen Gegenden Afrikas und in der arabischen Welt herstellen müssen primär die Menschen vor Ort. Eine Migration nach Europa kann nicht die Lösung sein.

      • ebo 21. Februar 2017 at 18:13 #

        Zu dumm nur, dass Europa aktiv mitgeholfen hat, aus Libyen einen „filed state“ zu machen… Unds nun kooperiert die EU mit einem „failed government“!

      • Marc 22. Februar 2017 at 10:47 #

        Was ich niemals verstehen werde, ist, weshalb 2014 die Flüchtlingshilfe drastisch gekürzt wurde. In meinen Augen ist das zusammen mit Muttis Willkomensaufruf die Ursache des Sogs aus denn überfüllten Flüchtlingslagern nach Europa gewesen.

        Ich bin also für eine Hilfe vor Ort. Es ist besser für die Menschen und es verursacht weniger Kosten für uns. Eigentlich eine Win-Win Situation, die leider aufgrund ideologischer Scheuklappen nicht gesehen werden kann.

    • Anonymous 22. Februar 2017 at 13:03 #

      In den Geschichtsbüchern wird nur ein Satz stehen: Versuch einer politischen Organisation ohne eigene Exekutive: keine Chance.

      UN.

      EU.

      Es gibt genau so viele Gesellschaftsentwürfe, wie es unabhängige, funktionierende Nuklearwaffenprojekte gibt.

      Das nächste ist Nordkorea.

      Wenn die vor Helgoland auftauchen und dort dem grimmigen Widerstand der deutschen Heringsflotte entgegensehen, werden wir Stimmen hören, wir dürften uns keinesfalls abschotten.

  2. S.B. 21. Februar 2017 at 21:01 #

    „Eine fürchterliche Welt.“ Das sagte meine Großmutter, die letztes Jahrhundert beide Weltkriege miterleben musste, Anfang des 21. Jahrhunderts. Und da war es noch lange nicht so schlimm wie derzeit. Ich konnte das damals noch nicht nachvollziehen, war gerade mit dem Studium fertig und habe angefangen zu arbeiten. Jetzt weiß ich, was sie meinte.

  3. Peter Nemschak 21. Februar 2017 at 21:11 #

    @ebo Libyen war schon unter dem Terroristen Gaddafi (Lockerbie, Unterstützung rechtspopulistischer Parteien in Europa) ein failed state. Nur keine Nostalgie ! In Afrika und anderen Teilen der Welt werden sich Staaten erst bilden müssen. Noch nie ist die Staatenbildung ohne große Menschenopfer erfolgt, auch seinerzeit nicht in Europa. Erst wenn diese erfolgt ist, kann sich Demokratie entwickeln.

    • DerDicke 22. Februar 2017 at 06:46 #

      Wenn man den Menschen über die Religion stellt kann sich Demokratie entwickeln. So lange die Geschichten über Menschen welche (vielleicht) vor 2000 Jahren gelebt haben wichtiger sind als alles andere gibt es auch nichts anderes.
      Europa ist dank der Aufklärung und der Säkularisierung in seinem jetzigen Zustand. Noch vor wenigen hundert Jahren haben auch hier die Scheiterhaufen gebrannt und es wurde zum heiligen Krieg gerufen.
      Man kann über Hussein, Gaddafi, Assad sagen was man will – es waren bzw. sind säkulare Machthaber. Sie versuch(t)en die Religion klein zu halten und vom Staat zu trennen – genau das Gegenteil dessen was der Sultan der Türkei gerade vorantreibt.
      Und deswegen ist auch die Türkei demnächst ein demokratiefreier failed State auf Shariabasis.
      Der Islam benötigt eine Aufklärung. So lange Religion bei dessen Gläubigen nicht als Privatsache begriffen wird sind sie nicht mit unseren Werten und unserer Lebensart kompatibel.
      Und zum Thema – wurden die Abholschiffe die den Transfer nach Europa bisher durchgeführt haben etwa stillgelegt oder sind sie nur überlastet?

      • Peter Nemschak 22. Februar 2017 at 08:59 #

        Der Missbrauch von Religion für politische Zwecke ist nicht neu. Der Dreißigjährige Krieg bei uns hat in der Endphase wenig mit Religion, aber viel mit Macht zu tun gehabt. Die gute Nachricht, auch er war nach dreißig Jahren zu Ende, die schlechte Nachricht, er hat zu einer Reduktion der Bevölkerung Mitteleuropas um ein gutes Drittel geführt. Sein politisches Erbe, die westfälische Ordnung souveräner Staaten bestimmt noch heute das Verhältnis der Staaten zueinander.

  4. Anonymous 22. Februar 2017 at 12:57 #

    >>“Die EU, die sonst jedes tote Erdbebenopfer betrauert,…“

    Trauer ist gratis, Wiederaufbau kostet.

    Warum nehmen sich die ausgebebten Dorfitaliener nicht einfach ne schicke Wohnung in Molenbeek? Dort ist Christianisierung gefragt.

    >>“Die libysche Regierung weigert sich nämlich,…“

    Wieviele Häuserblöcke befehligt die eigentlich gerade?

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