Eurogruppenchef prangert die EU an

Er sollte einen Ausblick auf die Perspektiven der Eurozone nach dem Brexit – und vor den Wahlen in Frankreich und Deutschland – geben. Stattdessen sagte Eurogruppenchef Dijsselbloem, was alles nicht geht.

Hier ein paar Zitate aus Dijsselbloems Rede beim Jahresempfang des Brüsseler Thinktanks Bruegel:

“The EU has failed to deliver on its main tasks…. We were unable to guarantee to our people prosperity and security…. The EU has not been part of a solution to [angry voters’] problems.… We expanded the EU without at the same time strengthening it. We started projects without finishing them.”

Der Niederländer habe “Selbst-Flagellation” betrieben, was so viel wie Selbst-Auspeitschung heißt, schreibt das Internet-Portal “Politico” in seinem Newsletter.

Gleichzeitig ließ Dijsselbloem jede Vision für die Zukunft vermissen. Trotz Brexit soll die Eurozone nicht vertieft werden. Nur die Bankenunion soll noch kommen – bis 2024, ohne gemeinsame Einlagensicherung.

Offenbar ist der Chef der Eurogruppe in eine tiefe Depression verfallen – was nicht nur mit dem Brexit, sondern auch mit dem Vormarsch der Rechtspopulisten in seiner Heimat zusammenhängen dürfte.

Die ausländerfeindliche Wilders-Partei liegt in den neuesten Umfragen vorn, die Niederlande haben sich immer noch nicht von den Folgen eines verlorenen EU-Referendums im Frühjahr erholt…

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2 Responses to Eurogruppenchef prangert die EU an

  1. Peter Nemschak 7. September 2016 at 10:18 #

    Eine generelle Vertiefung der EU wäre wider den nationalistischen Zeitgeist, der derzeit durch die Lande weht. Selektiv (kein one-size fits all) muss die Zusammenarbeit dort intensiviert werden, wo sie sich relativ kurzfristig rechnet. Wie das deutsche Sachverständigengutachten zur Währungsunion treffend bemerkte, wäre eine Zwangsvertiefung (Stichwort: Transferunion) kontraproduktiv und würde dem europäischen Einigungsprozess mehr schaden als nützen. Wenn Dijsselbloem mit seinem Latein am Ende ist, werden sich andere finden und weitermachen. Niemand ist unersetzbar, auch die von vielen gehasste Merkel und der unbeliebte Hollande nicht. Das Volk braucht zur eigenen Entlastung wie schon zu biblischen Zeiten Sündenböcke und will neue Gesichter sehen. Das wird sich wohl machen lassen. Sozialpsychologie/psychiatrie sollte derzeit ein gutes Geschäft sein.

  2. GS 7. September 2016 at 23:21 #

    ebo, mal die Wahlumfragen für die nächste niederländische Parlamentswahl (in einem halben Jahr) gesehen? Dijsselbloems Sozis stehen vor dem Verlust von 75 % (!!!) ihrer Mandate. Und die Niederländer haben Verhältniswahl. Dass der frustriert ist, ist völlig klar…

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