Die Lehren aus dem Bankencrash sind vergessen

Kaum dass es in Euroland wieder (etwas) besser geht, werden die Lehren aus dem großen Bankencrash 2008 verdrängt. Dabei bauen sich schon wieder neue Risiken auf.

Erst gab die EU-Kommission bekannt, dass sie ihre Pläne zum Trennbankensystem aufgibt. Giganten wie die Deutsche Bank dürfen also weiter im Investmentbanking zocken – und die Einlagen ihrer Sparer als “Sicherheit” hinterlegen.

Es habe keine Hoffnung auf eine Einigung im Ministerrat gegeben, heißt es zur Begründung. Und ich dachte immer, Ex-Finanzminister Schäuble wolle die Risiken im Bankensektor reduzieren…

Genau in die andere Richtung zeigt auch ein weiterer Vorstoß der EU-Behörde. Sie will den Handel mit “securitised loans” wiederbeleben. Er hatte zum Crash beigetragen und war danach auf Eis gelegt worden.

Der Moment ist “günstig”. Denn es bauen sich gerade neue Risiken auf – diesmal mit Krediten beim Autokauf. Die Lobbykritiker von CEO warnen schon vor einem “Carmageddon”.

Offenbar haben Banken- und Autolobby ganze Arbeit geleistet. Und das nicht nur in EUropa. In den USA wurden gerade Sammelklagen gegen Banken verboten – die Wall Street jubelt…

P.S. Hier noch die (originelle) Begründung des Verhandlungsführers im Europaparlament, O. Karas:  “Was Gift war, wollen wir zur Arznei machen”, sagte er. “In der amerikanischen Subprime-Krise haben wir gesehen, wie Überdosierung und fehlende Regeln Verbriefungen zu Brandbeschleunigern gemacht haben. Jetzt ziehen wir neue, klare und strenge Regeln ein, damit Verbriefungen wieder eine sinnvolle volkswirtschaftliche Aufgabe übernehmen können”, so Karas.

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7 Responses to Die Lehren aus dem Bankencrash sind vergessen

  1. Hella-Maria Schier 25. Oktober 2017 at 13:36 #

    Feiges korruptes Politikerpack.

  2. Peter Nemschak 25. Oktober 2017 at 19:48 #

    Das Trennbankensystem ist keine notwendige Bedingung zur Vermeidung von Bankenkrisen. Securitised Loans sind nicht per se gefährlich. Es kommt darauf an, was securitised wird. Hier wäre eine differenzierte Betrachtung angebracht, die den Rahmen dieses Blogs sprengen würde.

  3. Matti Illoinen 26. Oktober 2017 at 11:17 #

    Habe ich was verpasst? Wem geht es etwas besser, doch wohl nur dem 1 Prozent? Der Süden Europas mit Sicherheit nicht, und der Norden, fragen Sie doch einmal die 15 Mio. Menschen alleine in Deutschland, welche als prekär Beschäftigte Vollzeit mit nicht mehr als auf Hartz IV Niveau ausgebeutet werden? Oder fragen sie doch einmal die ca. 20 Mio. zukünftigen Rentner in Deutschland, denen das reiche Deutschland nicht bereit ist, eine Armutsrente nicht höher als auf Grundsicherungs-Niveau zu zahlen?

    • Peter Nemschak 26. Oktober 2017 at 12:31 #

      Dass das Sozialversichrungssystem reformiert gehört, ist unbestritten. Nicht nur dem 1% geht es besser. Sonst wären die Wahlen anders ausgefallen.

  4. wolli 26. Oktober 2017 at 19:28 #

    Hier gibt es einen interessanten Beitrag zu den EU zertifizierten Verbriefungen.
    STS Sicher, Transparent, Standardisiert.
    Und wer bewertet diese “securitised loans”? Die verkaufenden Banken selber.
    Dann kann es ja nur noch ……..
    http://www.fabio-de-masi.de/de/article/1498.radiofeature-steuert-die-eu-auf-eine-neue-finanzkrise-zu.html

    • Peter Nemschak 26. Oktober 2017 at 21:00 #

      Nicht die Verbriefung ist das Problem ,sondern das was verbrieft wird. Wenn Sie Kredite verbriefen, die nur dann zurückgezahlt werden können, wenn die Immobilienpreise ewig steigen, haben Sie ein Problem. Dieses Problem hätte eine Bank auch dann, wenn sie so einen Kredit auf ihrer Bilanz behalten und nicht verbriefen würde. Hier gilt das Hausverstandsprinzip: aus nichts wird nichts. Daran kann eine Finanzierungstechnik nichts ändern. “Normale” kreditwirtschaftlich nachvollziehbare Kredite, bei denen der Kreditnehmer entsprechende Eigenmittel und Einkommen nachweisen konnte, haben die Krise überlebt, auch wenn sie verbrieft waren.

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