GroKo gegen Erdogan 

In Frankreich haben wir gesehen, was ein TV-Duell ist. Dagegen war die Fernseh-Debatte zwischen Kanzlerin Merkel und SPD-Kandidat Schulz eine Schlaftablette. Zu Europa kam fast nichts.

Die GroKo lebt – diesen Eindruck hinterlässt das erste und einzige TV-Duell im deutschen Fernsehen. „Ich bin Frau Merkel dankbar“ sagte Schulz gleich mehrfach. Ironie? Nicht wirklich.

Denn der Herausforderer suchte den Konsens, statt anzugreifen. Nur in der Türkei-Politik wagte Schulz eine Attacke. Doch ausgerechnet da ist der SPD-Mann wenig glaubwürdig.

Schließlich hat die SPD immer für den EU-Beitritt der Türkei geworben. Und als Schulz noch Chef des Europaparlaments war, hat er die Politik der Kanzlerin bis ins Detail mitgetragen.

Merkel konnte den Angriff denn auch leicht abwehren. Sie verwies locker auf ihren Außenminister – und kündigte an, beim nächsten EU-Gipfel ein Ende der Beitrittsgespräche anzuregen.

Gemeinsam gegen Erdogan, das ist die News des Abends. Das war’s dann aber auch schon in Sachen EU.

Zu allen anderen heißen Eisen – Brexit, Griechenlandkrise, Polen – kam nichts. Wie es weiter gehen soll mit dieser gespaltenen “Union” war kein Thema.

Und wie es weiter gehen soll mit dem Euro und Frankreich, das kam auch nicht zur Sprache. Dabei entscheidet sich hier die Zukunft der EU, oder?

Beim TV-Duell Macron – Le Pen haben alle gezittert; heute hat man gegähnt…

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6 Responses to GroKo gegen Erdogan 

  1. Claus 4. September 2017 at 09:48 #

    “Denn der Herausforderer suchte den Konsens, statt anzugreifen”?
    Wo sollte der arme Herr Schulz aus Würselen denn auch angreifen, wenn existentielle wahlentscheidende Themen wie Innere Sicherheit, Risiken der Euro-“Rettung”, Altersarmut, unkontrollierte Einwanderung, Sparer-Enteignung durch Draghi’s Nullzinspolitik, Islamisierung, etc. etc. von seiner SPD in schönstem Einvernehmen mit der CDU (oder umgekehrt) zu verantworten sind? Was könnte er denn nach dem, was er in Brüssel bereits geboten hat, noch Glaubwürdiges über die Zukunft der EU sagen?
    So ist sie, die große Koalition, auf die auch gestern wieder in höflichem Umgang miteinander Kurs genommen wurde. Schön kuschelig regieren, auskömmliche Posten, Machterhalt, Stillstand. Alles, was die Parteifunktionäre schätzen.

  2. Peter Nemschak 4. September 2017 at 10:27 #

    BREXIT, Polen, Griechenland sind Europathemen und keine Themen für die deutsche Bundestagswahl. Nachdem es keine europäische Öffentlichkeit gibt fallen sie unter den Tisch. Mit Europathemen lässt sich bei nationalen Wahlen sichtlich nicht punkten. Dass es in Frankreich heißer hergegangen ist, beweist, dass Frankreich wie eh und je eine gespaltene Nation ist.

    • ebo 4. September 2017 at 10:33 #

      Da bin ich völlig anderer Meinung. Am Brexit ist Merkel zu einem Gutteil mitschuldig, an der Entfremdung Polens von der EU auch, und Griechenland hätte sie um ein Haar aus dem Euro geworfen. Alles kein Thema? Ja, weil Schulz versagt hat. Letztlich verfolgt er dieselbe Europapolitik wie Merkel, wie wir in seiner Zeit in Brüssel gesehen haben. Allerdings ist diese Politik in der EU nicht mehr konsensfähig – siehe Brexit, Polen, Griechenland, aber eben auch Frankreich, Österreich, Italien…

      • Peter Nemschak 4. September 2017 at 10:52 #

        Was Sie sagen, interessiert bestenfalls eine Minderheit von Bürgern, welche die Entwicklung in der EU verfolgen. Der BREXIT, die rechtsnationale Reaktion in Polen und Griechenland werden nicht mit Merkel assoziiert. Wenn Sie die Leute fragen, ob die EU Griechenland auf Dauer auf Kosten der anderen EU-Mitglieder mitschleppen soll, werden Sie wahrscheinlich mehrheitlich eine negative Antwort erhalten. Hinsichtlich des BREXIT gibt es in der breiten deutschen Öffentlichkeit keine Vorstellung darüber, wie groß der Schaden für Deutschland sein könnte. Es ist alles noch zu weit weg. Was Polen betrifft, gibt es klare Worte des Missfallens von seiten Merkels. Im übrigen wird Polen als Fall für die EU und nicht Deutschland wahrgenommen. Insgesamt wird die EU, so wie sie sich heute darstellt, als selbstverständliches, insgesamt positives Faktum von den Bürgern akzeptiert. Nach der europäischen Republik sehnen sich allerdings die wenigsten.

      • ebo 4. September 2017 at 11:10 #

        Fragen Sie mal die Wähler in Mecklenburg-Vorpommern, wo Merkel ihren Wahlkreis hat. Oder lesen Sie das hier: https://www.welt.de/politik/ausland/article168205291/Der-Mythos-vom-Niedergang-der-Populisten.html

  3. Peter Nemschak 4. September 2017 at 12:25 #

    Ich habe nie behauptet, dass es nicht eine erkleckliche Anzahl von Nationalisten und Populisten gibt, eine laute, nicht zu übersehende Minderheit. Unzufriedene und Überforderte wird es in unserer rasch sich wandelnden Gesellschaft immer geben. Eine breite politische Mitte wie in Deutschland könnten sich andere Länder nur wünschen.

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